Oensingen

«Sprachliche Barrieren sind durch Aktivitäten verschwunden»: Asylbewerber zu Besuch in der Pfadi

Kinder unter sich beim Kochen: Die Asylbewerber hatten beim Besuch der Pfadi Oensingen viel Spass.

Kinder unter sich beim Kochen: Die Asylbewerber hatten beim Besuch der Pfadi Oensingen viel Spass.

Im September 2019 lud die Pfadi Oensingen Asylbewerber ein – nun nehmen sie mit dem Integrationsprojekt an einem Wettbewerb teil.

Wie integriert man Kinder, welche aus völlig fremden Kulturen stammen und die hiesige Sprache nicht beherrschen? Genau dieser Frage ist die Pfadi Oensingen nachgegangen und hat im September letzten Jahres ein Projekt lanciert. Dieses reichten sie Ende 2019 beim Jugendprojekt-Wettbewerb des Kantons ein.

Zehn Kinder aus dem Asylheim in Oberbuchsiten besuchten an einem Samstag die Pfadi in Oensingen, ohne dass die Leiter es den anderen Pfadikindern angekündigt hatten. «Zuerst reagierten die 25 anwesenden Pfadi-Kinder etwas überrascht, weil da plötzlich fremde Kinder kamen», erzählt Selina Hänni, Abteilungsleiterin der Pfadi Oensingen. Viele der Flüchtlingskinder konnten kein Deutsch und anfangs bestanden noch sprachliche Barrieren. «Allerdings sind diese Barrieren durch gemeinsame Aktivitäten und durch einfache Gebärden nahezu verschwunden», sagt Hänni.

Pfadi Oensingen will das Projekt fortsetzen

Mit dem Projekt möchte die Pfadi aber auch ein Statement setzen. «Wir wollten nicht nur die Kinder zum Thema Integration sensibilisieren, sondern auch aufzeigen, dass wir hier in einer offenen Gesellschaft leben», sagt Hänni. Das gelte allerdings nicht nur für Flüchtlingskinder, sondern für Kinder und Jugendliche gleichermassen. «Bei uns in der Pfadi ist jeder willkommen, unabhängig von Nationalität, Alter oder Fähigkeiten», fährt die Abteilungsleiterin fort. Wichtiger sei es, ein Gemeinschaftsgefühl und eine Verbundenheit mit der Natur aufzubauen.

Den Tag verbrachten die Kinder wie gewohnt draussen vor dem Pfadi-Gebäude in Oensingen. So spielten die Kinder zusammen Fussball oder sammelten Brennholz zum Kochen. «Es sollte ein normaler Pfaditag werden ohne ein spezielles Programm. Der Fokus lag darauf, dass sich die Kinder untereinander natürlich kennen lernen», schreibt Hänni in einem Bericht für den Jugendprojekt-Wettbewerb des Kantons, zu welchem die Pfadi Oensingen ihr Integrationsprojekt eingereicht hat. Jedes Jahr prämiert der Kanton die besten Jugendprojekte. Er gibt den Jugendorganisationen somit die Möglichkeit, sich zu präsentieren und vergibt Preisgelder im Gesamtwert von 15'000 Franken.

«Wir hoffen natürlich, dass wir mit unserem Projekt gewinnen werden. Ein Teil des Erlöses würde in die zukünftige Arbeit mit dem Asylzentrum Oberbuchsiten investiert und der Rest für das Bundeslager 2021 eingesetzt», sagt Hänni. Ein ähnliches Projekt soll dieses Jahr wieder stattfinden. «Die Pfadi-Kinder haben damals gute Erfahrungen gesammelt und wollten dies wieder tun», sagt Hänni.

Die «Önziger» Pfadfinder stammen hauptsächlich aus Oensingen und Oberbuchsiten sowie den umliegenden Gemeinden. Sie sind, wie in der Pfadi üblich, in vier verschiedene Altersstufen eingeteilt. Von der Biberstufe für die jüngsten Mitglieder, über die «Wölfli» bis zu den Pfadfindern. Auf das Pfadi-Leben folgt der Roverclub, in welchem Eltern, Pfadiliebhaber wie auch Gönnern dabei sind. Die Pfadi Oensingen gehört dem Kantonalverband Solothurn an.

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