Als pragmatisch und weitsichtig bezeichnete der Präsident der Genossenschaft für Altersbetreuung Pflege Gäu (GAG) das im Januar 2012 eröffnete Alters- und Pflegeheim Sunnepark in Egerkingen mit 72 Pflegeplätzen. Weitsichtig erschien damals auch die Lösung, im Alterszentrum einen Stützpunkt der Spitex Gäu einzurichten. Dies auch im Hinblick auf die seit April 2012 im Bau befindliche zweite Etappe von fünf Mehrfamilienhäusern mit 75 altersgerechten Wohnungen mit umfassendem Serviceangebot für die Bewohner. Die Spitex Gäu hegte denn auch grosse Hoffnungen, zumindest einen Teil dieser Dienstleistungen, welche vom Pflanzengiessen über Briefkasten leeren, Haustiere füttern, Wohnung reinigen bis hin zur Pflege und Hilfe bei Notfällen reichen, übernehmen zu können.

Inzwischen ist klar, dass die Spitex nicht im erhofften Ausmass zum Zug kommen wird. Die Bauherrin der fünf Mehrfamilienhäuser, die Bracher und Partner AG, Solothurn, hat entschieden, die GAG als Hauptdienstleisterin einzusetzen. Das sei durchaus üblich, erklärt bonacasa-Projektleiter Erwin Gugler von Bracher und Partner. Das entspreche dem seit Jahren erfolgreich praktizierten bonacasa-Konzept. Eine solche Zusammenarbeit mache vor allem wegen der vorhandenen Ressourcen in den Alterszentren Sinn, so auch in Egerkingen. Bei diesem Entscheid sei nie im Vordergrund gestanden, die Spitex auszugrenzen. Die künftigen Bewohner der 75 Miet- und Eigentumswohnungen hätten denn auch die Wahlfreiheit, sich für die Spitex zu entscheiden, so Gugler.

GAG wird auch im Sunnepark aktiv

Diese Wahlfreiheit werden künftig auch die Bewohner der 16 Mietwohnungen im Alters- und Pflegeheim Sunnepark in Egerkingen haben. GAG-Präsident Alfons von Arx findet es nur logisch, dass auch die Mieter dieser Wohnungen von den Dienstleistungen des Alterszentrums profitieren könnten. Dazu gehörten auch Leistungen, welche bislang die Spitex erbracht habe. Der Start im Sunnepark soll im Herbst erfolgen.

Keine Freude an dieser Entwicklung hat die Spitex Gäu, welche den GAG-Verantwortlichen Wortbruch vorwirft. Der Spitex sei im Vorfeld der Unterzeichnung des Mietvertrages ihrer Räume im Sunnepark mündlich in Aussicht gestellt worden, dass sie die erwähnten Dienstleistungen in den fünf Mehrfamilienhäusern übernehmen könne. «Sonst wären wir gar nicht eingezogen», stellt Präsidentin Yvonne Berner klar. Auch Pascal Estermann, Vorstandsmitglied der Spitex Gäu, ist der Auffassung, dass der Spitex Gäu die Tür vor der Nase zugeschlagen worden ist. «Wir sind enttäuscht, dass die Spielregeln ohne Vorwarnung einfach geändert wurden», sagt Estermann.

Umzug nach Oensingen

Die Spitex wolle sich nun aber nicht in Polemik üben, sondern ihren Blick wieder nach vorne richten, betont Estermann. Dazu gehöre die Kündigung der Räumlichkeiten im Sunnepark in Egerkingen, für welche die Spitex eine relativ hohe Miete entrichten müsse. Auch der 2014 vorgesehene Einzug der Spitex Gäu in den Roggenpark in Oensingen ist «nach dem Grundsatzentscheid der GAG», mit der Spitex in Konkurrenz zu treten, kein Thema mehr. Die neue Situation rechtfertige nicht, dass sich die Spitex in zwei Alterszentren in teure Räumlichkeiten einmiete.

Ihre Kräfte will die Spitex Gäu mit ihren rund 50 Beschäftigten ab Oktober in ihren neuen Räumen an der Bittertenstrasse in Oensingen konzentrieren. Auf dieses Datum hin wird auch die neu geschaffene Stelle der Geschäftsleiterin mit Karin Scheidegger besetzt. Vom Umzug sollen die Spitex-Kunden nichts spüren, wie Präsidentin Yvonne Berner versichert. «Wir werden sämtliche Dienstleitungen weiterhin in gewohnter Kompetenz und Qualität erbringen» Dies gelte in besonderer Weise für die Alterszentren und Alterswohngen in Egerkingen und Oensingen.

Werbung in eigener Sache

Um der neuen Konkurrenz Paroli bieten zu können, müsse die Spitex Gäu künftig auch Werbung in eigener Sache machen. «Diese Kosten müssen wir wohl aufwenden, wenn wir im Geschäft bleiben wollen» so Berner. Ganz brechen mit der GAG will die Spitex Gäu übrigens nicht, wie die Präsidentin versichert. «Beim Mahlzeitendienst klappt die Zusammenarbeit sehr gut und das soll auch so bleiben.»

Alfons von Arx bedauert den Auszug der Spitex Gäu aus dem Sunnepark, wo sie aus seiner Sicht eigentlich hingehöre. Versprochen worden sei der Spitex Gäu allerdings nichts Konkretes, meint von Arx zu den Äusserungen von Yvonne Berner. «Wir haben vielleicht nicht ausgeschlossen, dass die Spitex dereinst die erwähnten Dienstleistungen in den fünf Mehrfamilienhäusern übernehmen könnte, mehr nicht», räumt von Arx ein. Berücksichtigt werden müsse bei der Beurteilung der aktuellen Situation aber auch, dass die Pflege und Betreuung von alten Menschen einem stetigen Wandel unterworfen sei und dass dieser dynamische Prozess auch vor Institutionen wie der Spitex nicht haltmache. «Auch sie muss sich künftig vermehrt der Konkurrenz stellen.»