Es war ein sonniger Herbsttag anfangs Oktober, als die Oftringer Firma Omya ankündigte, ihre Produktion per Anfang 2019 nach Egerkingen zu verlagern. Die Verantwortlichen hatten zu einer Pressekonferenz gerufen und taten zunächst geheimnisvoll. Praktisch keiner der eingeladenen Gäste wusste, was ihn da erwarten würde. Ein jeder ahnte vielleicht, dass die Nachricht gut sein würde.

Dann kam aus: Omya kaufte das gesamte Gelände. Dies sorgte in Egerkingen für Erleichterung, wurde man doch schon von der Befürchtung geplagt, das ehemalige Spirig-Areal könnte zur Industriebrache verkommen. Und damit ist das Stichwort gefallen: Spirig. Ein Label ganz aus der Region.

Jeder hat seine Erinnerungen an die Spirig, sei es, ob er dort arbeitete oder etwas erlebte. So schilderte Egerkingens Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi an der besagten Pressekonferenz im Spirig-, nein: Galderma-, pardon: Omya-Gebäude mit den farbigen Fenstern: «Als ich einst in Australien war, sah ich in einer Drogerie Daylong-Sonnencreme. Ich nahm die Tube aus dem Regal und bemerkte mit Freude die Aufschrift Made in Egerkingen.»

Dies falle jetzt weg, meinte sie etwas wehmütig. Doch Eines bleibt bestehen: die nach der Firma benannte Bushaltestelle. Einer der Omya-Funktionäre meinte zwar amüsiert: «Die könnten wir jetzt doch umbenennen.» Bartholdi erwiderte jedoch genauso scherzhaft: «Dafür müsst ihr jetzt erst mal mindestens zehn Jahre hierbleiben.» Der wahre Grund ist jedoch einfach: Bushaltestellen dürfen im Normalfall nicht nach Firmen benannt werden.

Dürfte gar nicht so heissen

Streng genommen hätte die Bushaltestelle an der Industriestrasse auch gar nie «Spirig» genannt werden dürfen. Denn in der Verordnung über geografische Namen beim Bund unter «Haltestellen des öffentlichen Verkehrs» steht, dass Haltestellen einen historischen Namen haben müssen. Damals war die Spirig allerdings noch nicht historisch. Ausserdem ist es oft so, dass Bushaltestellen nach der nächstliegenden Querstrasse benannt werden. «Spirig» muss also durch die Kontrollinstanzen «gefallen» sein, anders lässt sich dies nicht erklären.

Bushaltestelle Gäupark Egerkingen

Wenn sich eine Bushaltestelle auf privatem Grund befindet wie beispielsweise beim Gäupark, darf der Besitzer den Namen bestimmen.

Bushaltestelle Gäupark Egerkingen

Wieso man dies durchegehen liess? «Vielleicht weil die Strasse im Jahr 2005 als reine Umfahrung für die Lastwagen gedacht war und sich damals ausser der Spirig noch keine andere Firma auf dem Gelände befand», vermutet Bartholdi. Anders verhält es sich bei Haltestellen auf Privatgrund, wie etwa beim Gäupark. Dort spielt es nämlich keine Rolle, zumal auch sämtliche Arbeiten der Erstellung der Bushaltestellen vom Privatgrundbesitzer beglichen werden müssen.

Bushaltestelle «Bielgraben»

Ein anderes Beispiel bietet die seit 2016 vorhandene Bushaltestelle «Bielgraben», direkt beim Comfort-Hotel. «In Egerkingen konnte vorher mit dem Begriff ‹Bielgraben› praktisch niemand etwas anfangen», so die Gemeindepräsidentin. Dabei handelt es sich um die Querstrasse der Kantonsstrasse. Deshalb hatte man zunächst versucht, in Zusammenarbeit mit dem Comfort-Hotel die Haltestelle «Motel» zu nennen. Dies in historischer Anlehnung an die TV-Serie der Achtzigerjahre mit Jürg Schneider.

Doch es klappte nicht, weil den Verantwortlichen des Hotels das Geschäft mit dem Gemeinderat Egerkingen zu teuer erschien. Der Gemeinderat hätte einen niedrigen fünfstelligen Betrag dafür verlangt. Zumal das Bushäuschen und die Arbeiten, falls es sich nicht um eine Kantonsstrasse handelt, von der Gemeinde bezahlt werden müssen. Und Egerkingen hat nicht gerade die billigsten Bushäuschen.

Vorerst bleibt folglich alles beim Alten bei der Haltestelle. Obwohl die Ära des Sonnencreme-Herstellers in Egerkingen ein Ende gefunden hat, werden somit wenigstens die Busfahrer täglich an deren Geschichte erinnert.