FC Härkingen
Spielsüchtiger Kassier greift in Vereinskasse – Tausende Franken sind weg

Konsternation beim FC Härkingen: Seit Kurzem ist bekannt, dass der bisherige Kassier den Verein um eine wohl tiefere sechsstellige Summe betrogen hat.

Urs Huber
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Triste Zeiten für den FC Härkingen wegen des grossen Verlusts. Immerhin: Die Existenz ist nicht bedroht. Hr. Aeschbacher

Triste Zeiten für den FC Härkingen wegen des grossen Verlusts. Immerhin: Die Existenz ist nicht bedroht. Hr. Aeschbacher

HR.Aeschbacher

Allen Vereinsmitgliedern und allen involvierten Kräften rund um den FC Härkingen sei die Nachricht sehr nahe gegangen. Die Nachricht von der veruntreuten mutmasslich sechsstelligen Frankensumme, die der Kassier zu verantworten hat. Die das sagen sind Matthias Heim und Raphael Wiederkehr, ihres Zeichens Präsident und Vizepräsident des einst so gut situierten aber mittlerweile doch arg gebeutelten Fussballclubs. «Es war ein Schock für uns», präzisiert Heim, der am Donnerstag vom Kassier selbst über die Veruntreuung informiert worden war. «Per Mail», wie Raphael Wiederkehr sagt.

Kein Grund zu Misstrauen

Das missbräuchliche Verhalten des Kassiers, der das Vereinsvermögen zur Deckung seiner Kreditkarte nutzte, weil ihn die Wettspielsucht (Sportwetten) in finanzielle Engpässe trieb, blieb lange unerkannt. Wie lange? Das wissen auch der Präsident und sein Stellvertreter noch nicht im Detail. Nach Angaben des Kassiers muss dies jedoch seit mindestens 2012 der Fall sein.

Heim und Wiederkehr hatten ihre neue Leitungsfunktion für den FC im selben Jahr wie der Kassier angetreten. Das war vor knapp vier Jahren. «Er hatte, wie sich nun herausgestellt hat, bei den Revisionen und weiteren Kontrollen jeweils gefälschte Kontoauszüge und Papiere präsentiert, sodass der Missbrauch unentdeckt blieb», erklärt Heim. Im Übrigen habe es nie einen Grund gegeben, an der Integrität des Mannes zu zweifeln. Von dessen Spielleidenschaft habe niemand gewusst. «Er hat bei uns im Verein aktiv mitgespielt, war bereits vor seinem Kassieramt Mitglied, war hilfsbereit und pflegte in keiner Art und Weise einen aufwendigen Lebensstil», so Matthias Heim und Raphael Wiederkehr. Im Gegenteil: Er sei sogar eher bescheiden aufgetreten.

Stutzig aber wurde der Vereinsvorstand und im Speziellen der Präsident, als am 19. Dezember vergangenen Jahres eine grössere finanzielle Transaktion anstand, diese mit Belegen des Kassiers auch dokumentiert worden war, ohne dass das Geld allerdings beim Adressaten ankam. «So habe ich beim Kassier immer wieder insistiert, das Geschäft ins Reine zu bringen», sagt der Präsident. Er vermutet heute, dass sein Nachfragen schliesslich den Kassier dermassen unter Druck setzte, dass dieser die ungetreue Geschäftsführung schliesslich offenbarte. Erst jetzt, vor dem aktuellen Hintergrund, erkläre sich auch das zögerliche Verhalten des Kassiers, die Transaktion überhaupt auszuführen. Er habe aber jeweils durchaus glaubhafte Gründe angeführt, welche die verzögerte Auszahlung erklärt hätten, erinnert sich das Führungsduo.

Die Vereinsverantwortlichen des FC Härkingen haben den fehlbaren Kassier zur Selbstanzeige aufgefordert, welcher der Mann mittlerweile nachgekommen ist, wie der Präsident aus verlässlicher Quelle weiss. Seit dem Eingeständnis des Mannes sei man noch einmal telefonisch in Kontakt gekommen, sei sich noch einmal begegnet, so Heim weiter. Die Begegnung habe sich aber rein zufällig ergeben.

Vereinsexistenz nicht gefährdet

Das ganze Ausmass der Veruntreuung sei zwar noch nicht bis ins letzte Detail bekannt, sagt Heim weiter. Aber: «Ein Grossteil unseres aufgebauten Vereinvermögens ist weg», schiebt er hinterher. Die Folge: Dem Verein stehen derzeit nur noch begrenzte Mittel zur Verfügung. Immerhin: «Die Existenz des Vereins sowie der laufende Spielbetrieb sind in keiner Weise gefährdet.» Dies hat die Vereinsleitung ihre Mitglieder und dem Verein nahe stehende Kreise schriftlich wissen lassen.

Der Fussballclub aus dem Gäu hat interimistisch einen ehemaligen Kassier für die mittlerweile verwaiste Aufgabe der Buchführung gewinnen können. Der Mann wird erst mal bei der Eruierung des Schadens mitwirken und für den Fortgang der monetären Geschäfte besorgt sein, wie Matthias Heim ausführt. Eine Aufgabe, die den Fussballclub noch einige Zeit beschäftigen wird, wie der Präsident mutmasst.