Balsthal
Solothurner Künstlerin liess sich von Kolumbien inspirieren

Dimitra Charamanda stellt derzeit ihre Werke in der Galerie Rössli Balsthal aus. Inspiriert sind sie durch ihren Aufenthalt in Kolumbien.

Eva Buhrfeind
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Dimitra Charamanda verarbeitet in den neuen Arbeiten ihre Bogota-Eindrücke.

Dimitra Charamanda verarbeitet in den neuen Arbeiten ihre Bogota-Eindrücke.

Eva Buhrfeind

«Tengo No Tengo – haben – nicht haben»: Drei Monate konnte die junge Solothurner Künstlerin Dimitra Charamanda in einem Künstleratelier des Kunst- und Kulturzentrums El Mentidero in Bogota arbeiten, weitere eineinhalb Monate reiste sie durch Kolumbien. Vor allem aber der Atelieraufenthalt in Bogota war Inspiration und Leitmotiv für die dort entstandenen Bilder, die nun in der Galerie Rössli Balsthal zu sehen sind.

Eine Malerei also als Projektionsfläche, auf der sich die ambivalenten Erlebnisse mit der fremden, teils widersprüchlichen Kultur abbilden. Der ungewohnten städtischen Architektur, mit einer fremden Sprache, die es zu lernen, verstehen und auszutexten galt. Überhaupt die Überfülle an Beobachtungen, Bildern, Fragen, ihre Suche nach ihrem Raum im fremdartigen Raum mittels Pinsel und Ölfarben zu ihrem eigenen malerischen Anspruch vereinen. Es war vor allem die Frage, was geschieht mit ihr im fremden Kontext? Wie verändert man sich in diesen fremdartigen Lebensereignissen? Was geschieht mit ihrer Malerei im neuen Kontext, in der Ambivalenz der eigenen – kulturellen wie künstlerischen – Regeln und jenen der kolumbianischen Kultur?

Dimitra Charamanda, 1988 geboren, schloss 2013 die Hochschule Luzern in Design und Kunst ab. Sie ist eine eigentlich figurativ malende Künstlerin. Doch anderseits auch nicht zu sehr. Ihre Bilder zeigen Grenzsituationen zwischen einer definitiven Geschichte und einer sich energisch auflösenden malerischen Stimmung. Und auch diesen Bildern entzieht sich die junge Künstlerin der Überfülle an Begebenheiten, Wahrnehmungen und damit verbundenen philosophischen Betrachtungen, indem sie sich auf das Wesentliche ihrer Malerei konzentriert.

Mit den Farben, kräftig, aber nicht lautmalerisch, mit einem mal ruhigen, dann heftigen Pinselgestus bewegt sich Charamanda zwischen subjektiven Eindrücken: ein Spielplatz, ein Pool, die allgegenwärtige Madonna, ein Torero, eine Braut, ein Blick in eine Aula, der Regenwald als dicht wuchernde Farbbewegung und dem, was in der Zurückgezogenheit des Ateliers als Empfindung bleibt.

Wichtige Begleiter und Dokumentationen sind die Skizzenbücher, die wie Tagebücher alles aufnehmen: Bilder, Ideen, Gedanken, Worte, Sprachvielfalt, Fragen. Die verschiedenen Stadien und Entwicklungen der wechselreichen Wahrnehmungen in einem fremden Raum zwischen starren Rahmen, fremden Sprachklängen und eigenen Freiheiten. In den Bildern dann, ob die grossformatigen oder die kleinen Arbeiten, die in den Schaukästen den ungewohnten Begebenheiten einen festen Rahmen geben, findet sie mit ihrer vertrauten Bildsprache eine malerische Orientierung. Dimitra Charamanda erzählt nicht, urteilt nicht. Sie nimmt Gesehenes und malt: fragmentarische Momentaufnahmen, die sie aus dem kulturellen Kontext herauslöst, reduziert oder mit abstrakten Elementen objektiviert. Das Eindeutige, Persönliche wird so wieder entrückt und zu einer neuen, individuellen Lesbarkeit inszeniert. Das Fremde und Vertraute, das Rationale und das Impulsive, das Fremdgebliebene und das Vertrautgewordene – alles konzentriert sich zur malerischen Intensität.

Bis 29. März. Geöffnet: Do und Fr, 18–21 Uhr. Sa, 15–18, So, 11–14 Uhr. Vernissage Sonntag, 8. 3., 11.30 Uhr. Es spricht Peter Jeker.