Solothurn
«Für mich sind Bild und Ton gleichwertig» – Clara Oppel stellt im Künstlerhaus ihre Werke aus

Bis Ende Oktober ist Clara Oppel aus Graz mit ihren Toninstallationen im Künstlerhaus S11 zu Gast.

Helmuth Zipperlen
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Clara Oppel verbindet Klang und Bild zu Kunst.

Clara Oppel verbindet Klang und Bild zu Kunst.

Carole Lauener

Auch das Künstlerhaus S11 an der Schmiedengasse atmet wieder auf und konnte dank des Zertifikats wieder zu einer Vernissage einladen. Das interessierte Publikum findet und hört zwei Toninstallationen von Clara Oppel, die derzeit das Künstleratelier im Alten Spital innehat. Das Künstlerhaus verfügt über eher kleine Räume, die zudem Holdböden aufweisen. Das kommt Oppels Werken entgegen, denn der Klang wirkt wärmer und präziser.

Im ersten Raum ist eine grosse Anzahl von Tellerchen an beiden Wänden und zum Teil am Boden sichtbar. In ihnen sind Lautsprecher versteckt, die auf Knopfdruck akustisch den Raum zu füllen beginnen. Es beginnt kaum wahrnehmbar, mit ganz leisen Tönen, um sich im Laufe der Wiedergabe zu steigern. Es empfiehlt sich, sich in die Mitte des Raumes zu stellen und sich zum Gehörten Bilder zu erschaffen.

Im zweiten Raum werden Hygienemasken zu Kunst. An beiden Wänden sind links und rechts solche Masken angebracht. Auch hier stellt man sich mit Vorteil in die Mitte, dann hört man auf der einen Seite das Einatmen und auf der anderen Seite das Ausatmen. Wenn die Ausstellung geöffnet ist, sind die Geräusche in einer Endlosschlaufe zu vernehmen. Der Pandemie wegen, konnte die Künstlerin erst verspätet nach Solothurn kommen. Sie hatte weniger Zeit zur Verfügung und wegen Lieferproblemen auch weniger Material.

Martin Rohde erläuterte in seiner Eröffnungsansprache, dass

«die von ihr gesammelten Geräusche nur wenig moduliert oder fragmentiert werden. Es handelt sich um kaum verfremdeten O-Ton. Diese Geräusche kann sie im Atelier auch nur in Stereo hören, während in der fertigen Installation mit vier Kanälen gearbeitet wird.»

Die eigentliche Art der Komposition beginne so auch erst nach der Installation im Raum. Dann müsse sie die aufgenommenen Geräusche noch bearbeiten und am Computer auf den Raum anpassen.

Der in Graz lebenden Künstlerin gefällt Solothurn

Clara Oppel findet Gefallen an Solothurns Intimität. «Die Stadt ist übersichtlich und man kann sich nicht verlaufen.» Zudem empfindet sie Solothurn als eine lebendige Stadt. Die im deutschen Hassfurt geborene und aufgewachsene Künstlerin lebt heute in Graz. Es seien die Leute, die sie in Graz haben heimisch werden lassen, aber auch das intensive Kunstleben.

Clara Oppel

Clara Oppel

Carole Lauener

Sie studierte Malerei und Bildhauerei an der Akademie der bildenden Künste in Nürnberg. Später folgte ein Gastaufenthalt am Institut für Elektroakustik an der Universität für Musik in Wien. Nach einem Aufbau für Medienkunst an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe, wurde sie vier Jahre lang wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Verschiedene Stipendienaufenthalte und Ausstellungen führten sie rund um die Welt. Schliesslich wurde sie mit dem österreichischen Würdigungspreis des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur ausgezeichnet.

Für ihre Hinwendung zur Klangkunst macht sie zwei Schlüsselerlebnisse verantwortlich, indem sie einen Raum plötzlich mit Tönen wahrgenommen hat und sie ihn mit Klängen erfüllt sah. In der Malerei und in der Bildhauerei ist sie nicht mehr aktiv tätig. «Für mich sind Ton und Bild gleichwertig.» Für ihre Toninstallationen braucht es ein empfindsames Gehör. Clara Oppels Kunst ist etwas speziell, aber gerade deshalb lohnt sich ein Ausstellungsbesuch mit offenem Ohr.

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