Wolfwil
«Soll die Mobilfunkantenne das neue Wahrzeichen werden?»

Auf dem Schulhausareal von Wolfwil will die Swisscom eine Mobilfunkantenne hinstellen, um das Funkloch für Handynutzer zu beseitigen. Ein Augenschein sollte zeigen, ob die Antenne das geschützte Ortsbild beeinträchtigt.

Erwin von Arb
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Die am Augeschein beteiligten Parteien vor dem Baugespann, welches die Mobilfunkantenne markiert.

Die am Augeschein beteiligten Parteien vor dem Baugespann, welches die Mobilfunkantenne markiert.

HR Aeschbacher

Das Seilziehen für den Bau einer Mobilfunkantenne in Wolfwil geht weiter. Am Dienstag fand auf Einladung des Bau- und Justizdepartementes (BJD) ein Augenschein auf dem Schulhausreal bei der Mehrzweckhalle statt. Auf deren Ostseite plant die Swisscom eine Mobilfunkantenne, um das seit Jahren bestehende «Funkloch» für Handynutzer zu beseitigen. Dies tut die Swisscom auf Wunsch des Gemeinderates und einer Mehrheit in der Bevölkerung, die sich bei der Urnenabstimmung vom 9. Juni 2013 deutlich für dieses Projekt ausgesprochen hatte (siehe auch Artikel unten).

«Ortsbild wird nicht beeinträchtigt»

Gegen das am 24. Januar 2014 von der örtlichen Planungs-, Bau- und Werkkommission bewilligte Baugesuch hatten Anwohner Willi Mäder sowie weitere 46 Mitunterzeichner Beschwerde eingereicht. Unter anderem führten die Beschwerdeführer ins Feld, dass mit der neuen Mobilfunkantenne das geschützte Ortsbild beeinträchtigt werde. «Genau deshalb sind wir heute hier», meinte Regula Reber vom Rechtsdienst des BJD zu den rund 15 zum Augeschein erschienenen Personen. Neben einigen beschwerdeführenden Anwohnern, für welche Rainer Ackermann als Sprecher auftrat, waren Vertreter von der örtlichen Baukommission und der Gemeinde, vom Amt für Raumplanung, vom Amt für Umwelt sowie von der Swisscom anwesend.

Eine erste Einschätzung bezüglich einer allfälligen Beeinträchtigung des geschützten Ortsbilds durch die Mobilfunkantenne wurde östlich des geplanten Standorts nahe der Heizzentrale des Nahwärmeverbunds vorgenommen. Rainer Ackermann erwähnte im Namen der Beschwerdeführer das in Sichtweite gelegene Alte Schulhaus sowie die Wahlfahrtskirche. Beide Gebäude stünden unter Schutz. Markus Schmid vom kantonalen Amt für Raumplanung wies in seinen Ausführungen darauf hin, dass vom Alten Schulhaus nur Teile des Dachs und von der Kirche nur gerade die Spitze des Turms zu sehen seien. Deshalb werde von diesem Standort aus das geschützte Ortsbild nicht beeinträchtigt.

Antenne steht auf Gemeindeland

Zur gleichen Feststellung gelangte Schmid auf dem Vorplatz des Alten Schulhauses mit Sicht auf das Pfarrhaus und die Kirche. Zwar ist von dort aus die Mobilfunkantenne sichtbar, daneben aber auch ein Scheinwerfermast für die Beleuchtung des Sporplatzes bei den Schulanlagen. Die anwesenden Beschwerdeführer liessen sich indessen nicht von ihrer Meinung abbringen. «Mich stört die Antenne einfach», meinte eine Frau stellvertretend. Eine andere monierte den Standort der Antenne und fragte, warum diese denn nicht ausserhalb des Dorfes aufgestellt werde. Vonseiten der Swisscom und von Baupräsident Thomas Niggli war zuerfahren, dass Mobilfunkantennen nur in der Bauzone aufgestellt werden dürfen. Zum gewählten Standort wurde ferner erwähnt, dass dieser von der Gemeinde zu Verfügung gestellt worden sei, nachdem von privater Seite kein Alternativvorschlag eingegangen sei.

Beschwerdeführervertreter Rainer Ackermann erinnerte an das Mobilfunkantennenprojekt beim Pfadiheim, welches vor über 10 Jahren wegen des grossen Widerstands und den angeblichen gesundheitlichen Risiken für die Jugendlichen aufgegeben worden sei. Beim nun auf dem Schulareal geplanten Projekt sei deshalb ganz klar ein Denkfehler gemacht worden. Für ihn sei das nicht nachvollziehbar.

Unterstützt wurde Ackermann von Hans-Ulrich Jakob von Gigaherz.ch, der Schweizerischen Interessengemeinschaft Elektrosmog-Betroffener. Er warnte vor der Strahlung, die auch Krebs auslösen könne. Er sei der Auffassung, dass die geltende Gesetzgebung nicht die Bevölkerung, sondern die Industrie schütze.

Werner Zgraggen vom Rechtsdienst der Swisscom erwiderte darauf, dass Studien gezeigt hätten, dass solche Gefahren nicht primär von Mobilfunkantennen ausgehen, sondern vielmehr von den Endgeräten, sprich Handys, wenn mit diesen zu lange telefoniert würde.

«Grenzwerte werden unterschritten»

Auf Nachfrage von Regula Reber vom BJD erklärte Martin Stocker vom Amt für Umwelt, dass beim Swisscom-Projekt in Wolfwil die vom Bund vorgeschriebenen Werte deutlich unterschritten werden. Reber verwies darauf, dass es eine endgültige Sicherheit nicht gebe und dass es beim Augenschein auch nicht um diese Thematik gehe, sondern um die von den Beschwerdeführern angeprangerte Beeinträchtigung des Ortsbildschutzes.

Eine solche konnte Markus Schmid vom Raumplanungsamt auch beim dritten Standort vor dem Gemeindehaus nicht feststellen. Auch von dort aus ist die Mobilfunkantenne zusammen mit einem Lichtmast der Sportplatzbeleuchtung zu sehen. Das erwähnte Pfarrhaus und die Kirche befinden sich derweil im Rücken der Teilnehmer des Augescheins, wie Schmid dazu bemerkte. Deshalb werde das zweifellos schöne Ensemble nicht gestört und das geschützte Ortsbild auch nicht beeinträchtigt.

Nicht anfreunden mit dieser Einschätzung konnte und wollte sich Rainer Ackermann. «Soll diese Mobilfunkantenne denn wirklich unser neues Wahrzeichen werden?», meinte der ohnmächtig wirkende Sprecher der Beschwerdeführer in die Runde.

Entscheid fällt in einigen Wochen

Mit einem Entscheid sei in den nächsten Wochen zu rechnen, erklärte Regula Reber vom Rechtsdienst des BJD abschliessend. Ob das Projekt nach einer allfälligen Ablehnung der Beschwerde wegen Beeinträchtigung des geschützten Ortsbilds bewilligungsfähig ist, wollte Reber nicht kommentieren.

Erstes Projekt wurde 2001 abgebrochen

Das relativ schlechte Mobilfunknetz in Wolfwil wollte die Swisscom bereits im Jahr 2001 mit der Installation einer Antenne beim Pfadiheim verbessern. Die von Herbert Ackermann gegründete «Bürgeraktion gegen unnötigen Elektrosmog in Wolfwil » leistete jedoch erbitterten Widerstand gegen dieses Projekt. Gekämpft wurde mit harten Bandagen, wie sich Beteiligte erinnern. Getragen wurde die Bürgeraktion von rund 250 Wolfwilerinnen und Wolfwilern, die sich mit ihrer Unterschrift gegen die Natelantenne beim Pfadiheim ausgesprochen hatten. Unter Druck kam damals vor allem die Bürgergemeinde, welche der Swisscom das Land für die Antenne vertraglich bereits zugesichert hatte. Nach einer am 27. November 2001 von der Bürgergemeinde durchgeführten Orientierungsversammlung, bei der sich eine Mehrheit gegen das Natelantennen-Projekt beim Pfadiheim nahe dem Fussballplatz ausgesprochen hatte, löste die Bürgergemeinde den Vertrag mit der Swisscom auf. Bis 2011 herrschte danach «Funkstille» zwischen der Swisscom und der Gemeinde Wolfwil. Im Jahr 2012 nahm der Gemeinderat einen weiteren Anlauf zur Verbesserung der Mobilfunkabdeckung und lud die Swisscom ein, ein neues Projekt zu lancieren. Diese wollte sich allerdings nur dann engagieren, wenn sich die Bevölkerung hinter das Projekt stellt. Nachdem sich am 14. Juni 2012 die Gemeindeversammlung in einer Konsultativabstimmung für den Bau einer Natelantenne ausgesprochen hatte, stelle die Gemeinde der Swisscom den Standort bei der Mehrzweckhalle zur Verfügung. Am 9. Juni 2013 wurde das Projekt bei einer Urnenabstimmung mit 514 gegen 288 Stimmen deutlich gutgeheissen. Gegen das am 24. Januar 2014 von der Baukommission bewilligte Baugesuch reichten Anwohner Willi Mäder und 45 Mitunterzeichner Beschwerde ein. Seither ist das Projekt blockiert.(eva)