Erlinsbach SO
Solaranlage auf Kirchendach: «Das Bauvorhaben kann nicht bewilligt werden»

Die Römisch-katholische Kirchgemeinde von Erlinsbach SO möchte ein Gesuch für eine Fotovoltaikanlage auf dem Kirchendach einreichen. Die Bau- und Werkkommission kündigt jetzt aber in einem Brief an, das Gesuch gar nicht zu bewilligen.

Christian von Arx
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Die Kirche ohne Anlage.

Die Kirche ohne Anlage.

Oltner Tagblatt

Die Bau- und Werkkommission Erlinsbach SO macht der Römisch-katholischen Kirchgemeinde keine Hoffnung auf eine Bewilligung der Fotovoltaikanlage auf dem Kirchendach. Die Kirchgemeinde lässt sich aber nicht mit diesem Brief abspeisen und besteht jetzt auf der ordentlichen Publikation des Baugesuchs.

Blättern wir zurück: 235 000 Franken für eine Fotovoltaikanlage auf dem südlichen Dach der Pfarrkirche St. Nikolaus im Ortskern von Erlinsbach SO hatte die Kirchgemeindeversammlung am 27. Mai bewilligt. Am 25. Juli reichte die Kirchgemeinde das Baugesuch bei der Bau- und Werkkommission der Einwohnergemeinde ein.

Solothurn: «Daumen runter»

Da sich die Kirche in der Ortsbildschutzzone befindet und Erlinsbach SO ein Ortsbild von nationaler Bedeutung hat, holte die Bau- und Werkkommission eine Stellungnahme des kantonalen Amts für Raumplanung ein.

Dieses empfiehlt, das Baugesuch abzulehnen. «Sowohl das Amt für Raumplanung (ARP) als auch der Rechtsdienst des Bau- und Justizdepartements sind der klaren Auffassung, dass die geplante Solaranlage nicht mit dem Schutz des Ortsbildes vereinbar ist», heisst es in der Stellungnahme des ARP.

Vor einigen Jahren sei schon die Mobilfunkantenne auf dem gegenüberliegenden Von-Däniken-Haus abgelehnt worden, da diese als Störfaktor im Ortsbild eingestuft wurde. Dies gelte umso mehr für die Fotovoltaikanlage «auf dem höchsten Gebäude von Erlinsbach».

In einem Brief vom 16. September leitete die Bau- und Werkkommission diesen Bescheid der Kirchgemeinde weiter und teilte ihr mit, die Kommission sei «ebenfalls der Meinung, dass dieses Bauvorhaben nicht bewilligt werden kann».

Die Bau- und Werkkommission empfahl dabei das Dach des Mühlematt-Schulhauses als «alternativen Standort» einer Fotovoltaikanlage - das allerdings gar nicht der Kirchgemeinde gehört.

Der Brief schliesst mit der Frage, ob das Baugesuch nun trotzdem öffentlich ausgeschrieben werden solle.

Kirchgemeinde: «So nicht»

Wenig erfreut über diesen Bescheid ist Kirchgemeindepräsident Ernst Fiechter. Letzte Woche hat der Kirchgemeinderat bei der Kommission schriftlich verlangt, dass das Baugesuch jetzt publiziert wird. «Das sind wir unseren Mitgliedern schuldig», so Fiechter auf Anfrage. «So einfach lassen wir uns nicht abspeisen.»

Unverständlich findet Fiechter, dass gleichzeitig bei der zentralen «Löwen»-Kreuzung ein Kreisel geplant werde, der seiner Ansicht nach den Dorfplatz von Erlinsbach SO optisch weit stärker verändern würde als die Fotovoltaikanlage. Unter anderem müsse der Brunnen auf dem Dorfplatz verschoben werden.

«Soweit zulässig, als …»

«Sonnenkollektoren und Solarzellen sind soweit zulässig, als das Ortsbild nicht beeinträchtigt wird. Sie sollen in die Fassadengestaltung, in die Dachhaut oder in die Umgebung integriert werden und dürfen die Dachlandschaft sowie das Erscheinungsbild der Gebäude nicht stören.»

Zonenreglement der Gemeinde Erlinsbach SO vom 22. Januar 2008, § 8 (Ortsbildschutzzone Niedererlinsbach), Ziffer 6 (Antennen und
Sonnenkollektoren).

Indem die Kirchgemeinde auf der Publikation ihres Baugesuchs besteht, veranlasst sie die Bau- und Werkkommission dazu, ihren Bewilligungsentscheid begründen.

Der blosse Hinweis auf das Ortsbild von nationaler Bedeutung kann dazu nicht ausreichen. Im Gegenteil: Das Zonenreglement der Gemeinde Erlinsbach (siehe Kasten) erklärt Solarzellen in der Ortsbildschutzzone ausdrücklich als zulässig, soweit sie das Ortsbild nicht beeinträchtigen.

Was wird beeinträchtigt?

Die entscheidende Frage ist also, ob die geplante Fotovoltaikanlage auf dem südlichen Kirchendach das Ortsbild beeinträchtigt. Weder das Raumplanungsamt, noch die Bau- und Werkkommission haben bisher die im Baugesuch enthaltenen Argumente der Kirchgemeinde gewürdigt, wonach:

• die Anlage auf dem nach Süden geneigten Kirchendach (nur dieses ist betroffen) vom Dorfplatz aus nicht einsehbar ist;
• das Baugesuch eine dachintegrierte Anlage (Indach-Anlage, siehe Fotomontage) mit blendfreiem Material vorsieht;
• die Kirche selbst kein geschütztes Baudenkmal ist.

Wie eng ist der Rahmen?

Das ARP hatte der Kirchgemeinde auf Anfrage am 29. Mai 2012 mitgeteilt, dass Solaranlagen in Ortsbildern von nationaler Bedeutung nach der Praxis des Bau- und Justizdepartements nur «in engem Rahmen» möglich seien. Doch wie eng ist der Rahmen des nach Gesetz, Zonenreglement und Praxis Möglichen?

Die Antwort wäre für alle 36 Solothurner Ortschaften von Interesse, die im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) verzeichnet sind. Bisher haben das Raumplanungsamt und die Baukommission erst Meinungen geäussert, aber noch keine Argumente zum konkreten Baugesuch geliefert.

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