Balsthal
So überlebt eine Papeterie auf dem Land trotz Online-Konkurrenz

Franziska Rindlisbacher Wehrli führt die Papeterie Liselotte in Balsthal seit über zehn Jahren. So schafft es die 40-jährige, dass der Laden trotz Konkurrenz des Internets und des nahen Shopping-Centers Gäupark überlebt.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Franziska Rindlisbacher Wehrli in ihrem Geschäft «Papeterie Liselotte».

Franziska Rindlisbacher Wehrli in ihrem Geschäft «Papeterie Liselotte».

frb

In der Papeterie Liselotte an der Herrengasse in Balsthal findet derzeit ein «Schulsack-Festival» statt. Im ersten Stock des Geschäfts hängen sie alle, die Schulranzen in vielen Farben, für jeden Geschmack, für jedes Portemonnaie. Einige Kinder und Mütter sehen sich die Waren an, die der «Osterhase» bringen soll. Freundlich und kompetent bedienen zwei Mitarbeiterinnen. In diesem, seit 1935 bestehenden Geschäft gibt es aber auf zwei Etagen noch viel mehr zu sehen und zu kaufen: Papeterie-Artikel, Schreibwaren, Kunstkarten, Kunstgewerbe, Geschenkartikel, Modeaccessoires, Schmuck, Lederartikel, Bastelartikel, Spielsachen, Bücher, Karten und vieles mehr.

«Was wir nicht hier haben, können wir in kurzer Zeit bestellen. Wir bieten auch einen Online-Dienst für Büroartikel und einen auch für die Bücher an», sagt Geschäftsinhaberin Franziska Rindlisbacher Wehrli (40). Der Balsthaler Gewerbeverein, bei dem Sie als Detaillistin mit dabei ist, hat vor kurzem ein neues «Qualitätslabel» eingeführt, so ist es auf ihrer Homepage nachzulesen: «Bauschtler Gwärb – alles in der Nähe – mir mache’s möglich», verheisst das goldene Gütesiegel. «Damit verpflichten wir uns auch, unseren Kunden beinahe alles zu besorgen. Fehlendes wird ohne Umstände beschafft. So sollten Einkäufe in den umliegenden Einkaufszentren, mit Stau und Stress nicht nötig sein», sagt Franziska Rindlisbacher.

Kreativ und innovativ sein

Die gebürtige Balsthalerin hatte in der Papeterie Liselotte schon ihre Papeteristinnenlehre absolviert. Danach bildete sie sich in Langenthal zur Detailhandelsfachfrau weiter und kam wieder nach Balsthal zurück. «Schon während meiner Lehre hat die damalige Inhaberin und Chefin Liselotte Ackermann mit mir über eine allfällige Übernahme des Ladens gesprochen. Was mir zunächst etwas Angst machte, wurde dann im Jahr 2003 Realität.» 271⁄2 Jahre alt war damals die neue Geschäftsinhaberin und sie betont, dass die frühere Besitzerin ihr beim Start noch viel half.

12 Jahre führt sie nun also den Laden, und ist immer noch begeistert von ihrem Geschäft. Doch Franziska Rindlisbacher sagt: «Man muss kreativ und innovativ sein, immer dran bleiben. Nur so kann man den Erfolg aufrechterhalten. Und man muss das, was man tut, mit Leidenschaft tun», ist sie überzeugt.

In ihrem Laden werde Kundennähe gross geschrieben: «Wir kennen sicher 80 Prozent unserer Kunden persönlich», sagt sie und präzisiert an einem Beispiel. «Uns erzählt beispielsweise ein Kunde, wem er ein besonderes Geschenk machen will. Und wir wissen, vielleicht, dass der Beschenkte sich für einen bestimmten Artikel interessiert hat. So können gleich drei Parteien zufrieden werden: der Kunde, der Beschenkte und wir selbst», sagt sie lachend.

Gewerbe im Dorf tut mehr

Derzeit arbeiten je eine Vollzeit-, eine Halbtags-Mitarbeiterin und ein Lehrling im Geschäft mit. Franziska Rindlisbacher selbst arbeitet zu 70 bis 90 Prozent. Zu Hause in Oensingen lebt sie mit Ihrem Mann und ihrer 4-jährigen Tochter Lea. «Lea wird von meinen Schwiegereltern, Eltern und meinem Mann betreut, wenn ich am Arbeiten bin. Da habe ich Glück mit meinem familiären Background», sagt sie. Wegen des Kindes mit dem Geschäft aufzuhören, sei für sie aber nie infrage gekommen. «Ich brauche es, ausser Haus einer Tätigkeit nachzugehen. Obwohl es manchmal auch stressig wird».

Tatsächlich – ein Detailfachgeschäft heute in einem Dorf zu führen, ist keine leichte Aufgabe, Internet und Schnäppchenangebote machen den Detaillisten das Leben schwer. Das erfährt auch Franziska Rindlisbacher und sie sagt: «Glauben sie mir, es fiel mir zu Beginn nicht leicht, eine starke Geschäftsfrau zu sein. Doch ich hab es gelernt.» Die Konkurrenz ist gross, da heisst es, sich durchzusetzen. «Es kommt mir so vor, dass viele Kunden heute nicht die Ware suchen, sondern nur die Rabatte». Dabei sei vielen Leuten – insbesondere in einer Dorfgemeinschaft – gar nicht bewusst, was ein gesundes Dorfgewerbe alles auslöse. «Wir machen auch sehr viel für das kulturelle und gemeinschaftliche Leben im Dorf», sagt Rindlisbacher. Zum Beispiel der bald wieder im Dorf anzutreffende Osterhase, der Kinder mit Eiern beschenkt; er wird vom Balsthaler Gewerbeverein gesponsert. «Viele lassen sich beschenken, doch beim Ostereinkauf denkt man dann nicht mehr daran».

Franziska Rindlisbacher betont, dass man als Geschäftsinhaberin eben mehr ist, als eine blosse Ladenbesitzerin. «Wenn ich daran denke, wie viele Anfragen von Schülern uns erreichen, die Schnuppertage bei uns absolvieren wollen», zählt sie nur einen Aspekt auf. Und eines hebt sie noch besonders hervor: «Das Wichtigste ist aber ein gutes Mitarbeiter-Team, das mitdenkt und mitzieht. Und darauf konnte ich mich immer verlassen.»