Darf man Pilze einfach aus dem Boden reissen oder müssen diese mit dem Messer sauber abgeschnitten werden? Diese Frage stellen sich viele Pilzsammler zu Beginn der Saison immer wieder von Neuem. «Das ist völlig egal», sagt dazu der Laupersdörfer Pilzexperte Markus Flück. Wissenschaftliche Studien hätten gezeigt, dass es viel wichtiger sei, die Pilze nicht zu jung zu ernten. «Damit sie zuerst die für den Fortbestand der Art wichtigen Sporen abgeben können», erklärt Flück.

Der 54-Jährige sorgt derzeit in Oensingen jeweils am Montag und am Mittwoch von 17.15 Uhr bis 18.15 Uhr sowie samstags von 16.30 bis 17.30 Uhr als amtlicher Pilzkontrolleur dafür, dass keine giftigen Exemplare auf den Tellern der Pilzsucher landen. Zuständig ist Flück für die Gemeinden Oensingen, Balsthal, Kestenholz und Oberbuchsiten.

Mit Pilzbuch im Wald unterwegs

Längst nicht alle Waldgänger können giftige und essbare Arten voneinander unterscheiden. Dafür gibt es zu viele Pilzarten. «Rund 5000, vielleicht sind es sogar noch mehr», weiss Flück. Er selbst kenne etwa 500 Arten, ohne dass er dafür ein Buch zurate ziehen müsse. Flück hat übrigens selbst mehrere Bücher verfasst, die von Pilzsammlern gerne ins Gepäck genommen werden.

Sämtliche Pilze werden kontrolliert und zu statistischen Zwecken registriert. Den Pilzsammlern wird ein Pilzkontrollschein abgegeben.

Sämtliche Pilze werden kontrolliert und zu statistischen Zwecken registriert. Den Pilzsammlern wird ein Pilzkontrollschein abgegeben.

So auch von Beatrice Mettler Ghilardelli und Lozenzo Ghilardelli vom Gasthof Sonne in Gunzgen. «Einfach um sicherzugehen», sagt Beatrice Mettler Ghilardelli. Zum Pflichtprogramm gehöre aber auch die Endkontrolle durch den Pilzexperten Markus Flück. Dieser muss bei den Wirtsleuten nur wenige nicht essbare Exemplare aussortieren. «Wir lernen jedes Jahr etwas dazu», sagt Lorenzo Ghilardelli.

Anders sieht es im Korb von Silvia von Felten aus. Flück konfisziert fast zwei Kilogramm der Pilze, welche die Oensinger Landwirtin am Sonntag zusammen mit ihrer Familie gesammelt hatte. Sie sei früher oft mit ihrem Vater in die Pilze gegangen, erzählt sie. «Am Sonntag war das Wetter super, da haben wir spontan beschlossen, gemeinsam Pilze zu sammeln».

Dass von den gefundenen Pilzen nach der Kontrolle nur ein paar wenige übrig bleiben würden, habe sie nicht erwartet, obwohl sie eigentlich nur den Maronen-Röhrling, den Rotfuss-Röhrling und den Steinpilz richtig kenne. Bei Letzterem fiel Silvia von Felten allerdings auf den giftigen Gemeinen Gallen-Röhrling herein, der dem Steinpilz sehr ähnlich sieht. Die 34-jährige Bäuerin kann sich zumindest damit trösten, ein paar schmackhafte Eierschwämme mit nach Hause nehmen zu dürfen. Eines sei ihr aber klar geworden: «Ich muss unbedingt einen Kurs besuchen, bevor ich das nächste Mal auf Pilzsuche gehe.»

Gallen-Röhrlinge und Eierschwämme

Silvia von Felten ist indessen nicht die Einzige, die den Gemeinen Gallen-Röhrling mit dem Steinpilz verwechselt hat. «Im Moment kommt fast jeder zweite Pilzsammler damit in die Kontrolle», berichtet Flück. Das habe sicher auch damit zu tun, dass der Gallen-Röhrling wie der Steinpilz bei Rottannen und auf saurem Boden an besten gedeihe. Die beste Zeit für Steinpilz sei aber eigentlich bereits vorüber, jetzt würden davon nur noch vereinzelt Exemplare gefunden. Ganz im Gegensatz zum erwähnten Gallen-Röhrling, der dieses Jahr in rauen Mengen aus dem Boden schiesst. Mehr als sonst üblich landen heuer auch Eierschwämme in den Körben der Sammler, wie Flück feststellen konnte.

Bei der Pilzkontrolle am vergangenen Montag wurden Flück insgesamt sechs Pilzfunde mit einem Gesamtgewicht von rund 4,5 Kilogramm vorgelegt. Essbar davon waren indessen nur gerade 1,5 Kilogramm. Zu den Essbaren zählen in den Pilzkontrollen meist der Fichten-Steinpilz und der Sommer-Steinpilz, der Maronen-Röhrling, der Echte Rotfuss-Röhrling, die Ziegenlippe, der Flockenstielige Hexen-Röhrling, der Eierschwamm, der Trompeten-Pfifferling, der Graue Leistling und der Samtige Leistling sowie der Grüne Anistrichterling.

Vorsicht vor Knollenblätterpilzen

Bei den giftigen Pilzen kommen derzeit der Spitzschuppige Stachelschirmling, der Dickschalige Kartoffelbovist und der Gemeine Gallen-Röhrling häufiger vor. Besondere Vorsicht geboten ist beim im Moment oft vorkommenden Grünen Knollenblätterpilz und beim Kegelhütigen Knollenblätterpilz. Beide sind tödlich giftig. Wenn er ein solchen in einem Korb finde, werde der gesamte Fund konfisziert, erwähnt der Pilzexperte. Aussortiert werden übrigens auch alle Pilze, die Flück nicht bestimmen kann. Das komme aber höchst selten vor, so der Thaler.

Dass es dieses Jahr wegen der anhaltenden Nässe angeblich früher und viel mehr Pilze als sonst üblich geben soll, konnte der 54-jährige Pilzexperte bislang nicht beobachten, wie er darauf angesprochen erklärt. «Es ist so, wie in anderen Jahren auch, derzeit herrscht sogar eine Flaute.»

Infos zu Pilzen und Kursen von Pilzexperte Markus Flück unter http://pilze-flueck.ch