Oensingen

So könnte die Streckenführung aussehen: Kanton präsentiert ersten Entwurf der Entlastungsstrasse

Frühestens ab 2025 könnte die Umfahrung der grössten Gäuer Gemeinde realisiert sein.

Frühestens ab 2025 könnte die Umfahrung der grössten Gäuer Gemeinde realisiert sein.

Mit einer Entlastungsstrasse wollen Kanton und Gemeinde die Verkehrsprobleme Oensingens lösen. Es gibt einige Stolpersteine.

Grosse Hoffnungen steckt Oensingen in sie. Die Entlastungsstrasse soll jene Verkehrsader werden, welche die Gäuer Grossgemeinde von den Blechlawinen und spezifisch vom Schwerverkehr befreit. Dann soll es vorbei sein mit bis zu einer Stunde dauernden Dorfdurchfahrten, von welchen Gemeindepräsident Fabian Gloor ein Lied singen kann. Fast ebenso wie die Verkehrsentlastung liegt der Bevölkerung ein anderes Anliegen am Herzen: Wenn die Umfahrungsstrasse des Dorfkerns steht, könnte Oensingens grösstes Volksfest – der Zibelimäret – wieder auf die heutige Hauptstrasse zurückkehren. Aber der Zeithorizont, innerhalb wessen dies geschehen wird, ist noch fern. Frühestens 2025 könnte es soweit sein, wie der stellvertretende Kantonsingenieur Stefan Gantenbein sagt. Beim Amt für Verkehr und Tiefbau ist die Strasse, die noch fern scheint, bereits Gegenwart. Denn die Arbeiten an den Schreibtischen in Solothurn laufen auf Hochtouren und das Dossier Entlastungsstrasse Oensingen füllt bereits mehrere Bundesordner.

Der grösste Eingriff in Richtung Oberbuchsiten

Zurzeit nähert sich der Kanton Solothurn in einem «partizipativen Verfahren», wie es im Fachjargon schön heisst, der Streckenführung der Oensinger Entlastungsstrasse an. Will heissen: Gemeinsam mit den betroffenen Gemeinden Oensingen, Kestenholz, Oberbuchsiten und Niederbipp sowie mit dem Kanton Bern erarbeitet der Kanton, wo der Strassenverlauf durchführen könnte. Im Richtplan des Kantons befindet sich das Projekt derzeit noch als «Zwischenergebnis», man nähere sich derzeit einem Status an, der sich «Festsetzung» nennt und der als Basis für die Erarbeitung eines Vorprojektes dient.

Eine erste grob definierte Streckenführung liegt vor, die der Kanton auf Anfrage erstmals publik macht. Als gesichert gilt der Streckenabschnitt zwischen der Nordringstrasse durch die industrielle Entwicklungszone Moos und der Jurastrasse südlich des Dorfzentrums. Der Entwicklungsschwerpunkt Oensingen/Niederbipp, wo die Gemeinde- und zugleich Kantonsgrenze zwischen Niederbipp (Bern) und Oensingen (Solothurn) verläuft, wird in den nächsten Jahren weiter wachsen, wie Gantenbein berichtet. Ein zentrales Element der Entlastungsstrasse wird der grosse Grosskreisel über der Dünnern, mit welchem der Kanton und Oensingen den Knoten der Dünnernstrasse-Nordringstrasse-Werkhofstrasse entflechten wollen. Den doppelspurigen Kreisel mit einem Durchmesser von 70 Metern präsentierten die Behörden bereits im letzten Jahr der Bevölkerung (wir berichteten).

Weiter östlich Richtung Oberbuchsiten dürften gemäss den Plänen des Kantons die grössten Eingriffe für die Entlastungsstrasse nötig sein. Im Bereich, wo die Jurastrasse auf die Kestenholzstrasse trifft, soll die künftige Entlastungsstrasse südlich der Gäu-Bahnlinie (Oensingen-Olten) führen. Vorgesehen ist am Dorfausgang ein Durchgang unter der Bahn hindurch, ehe die Entlastungsstrasse voraussichtlich auf einem neu projektierten Kreisel endet und als Hauptstrasse in ihrer heutigen Form Richtung Oberbuchsiten weiterführt.

Drohnenfotos Luftbilder Oensingen 06-2019

In diesem Bereich wird die Entlastungsstrasse voraussichtlich den Bahngeleisen entlang Richtung Oberbuchsiten führen.

Drohnenfotos Luftbilder Oensingen 06-2019

Der erste Entwurf der Streckenführung bedeutet, dass der neue Regionalbahnhof «Oensingen Dorf» vermutlich im Bereich des heutigen Militär-Areals an der Mühlefeldstrasse entstehen würde. Die SBB wollen diesen bis 2035 realisieren. Gemäss Militär-Sachplan ergeben sich dort innerhalb der nächsten zehn Jahre Freiräume, da die Aussenstelle des Armeelogistikcenters Thun aufgehoben wird (wir berichteten). Zunächst erwog der Kanton auch, den Bahnhof weiter westlich zu planen. Doch dieser käme in Konflikt mit der Entlastungsstrasse.

«Eine grosse Herausforderung ist die Erschliessung der Kreisschule an der Jurastrasse», sagt Stefan Gantenbein. Da die Kreisschule Bechburg südlich der Jurastrasse liegt, wird bei der Planung ein sicherer Übergang über die neue Entlastungsstrasse notwendig sein. Gantenbein zeigt sich zuversichtlich eine geeignete Veloverbindung zur Schule herstellen zu können.

Das «wichtigste Vorhaben von Oensingen»

Kanton und Gemeinden hoffen, die Entlastungsstrasse Oensingen mit dem Sechsspurausbau zwischen Luterbach und Härkingen auf der Autobahn A1 takten zu können. Der Sechsspurausbau ist gemäss Astra für die Jahre 2024 bis 28 vorgesehen. In Oensingen entsteht noch im Sommer ein Komitee, das bei den Verhandlungen zur Entlastungsstrasse die Interessen der Gemeinde vertreten und innerhalb Oensingens die Bevölkerung für das Projekt gewinnen soll.

Gemeindepräsident Fabian Gloor wird das Komitee leiten. «Wir wollen dieses wichtigste Vorhaben von Oensingen vorwärtsbringen und zeitnah umsetzen können», sagt Gloor. Aufgabe der Gemeinde ist es dabei, die Ortsdurchfahrt der Zukunft zu planen. «Hierfür haben wir bereits mit Interessenvertretern aus dem Gewerbe und dem Elternrat ein Grundlagenpapier erarbeitet», berichtet Gloor weiter. Denn die heutige Hauptstrasse durch das Oensinger Dorfzentrum würde, sobald die Entlastungsstrasse umgesetzt ist, an die Gemeinde übergehen. Im Tausch würde Oensingen dem Kanton die Nordringstrasse, auf welcher künftig die Entlastungsstrasse durchführt, abtreten. Gantenbein zeigt sich zuversichtlich, was die beiden Grossprojekte angeht. «Ich sehe eine Win-win-Situation. Die Bevölkerung schaut bei Strassenprojekten oft: «Wo ist der Randstein?». Der Kanton aber, wolle sich dem Projekt von hoher Flughöhe annähern.

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