Oensingen

«So hopp jetzt, so langsam kommt ihr nie nach Fribourg»: Passanten fiebern mit SRF-Pilgern mit

Die Pilger Ralph Wicki (l.) und Noel Emmenegger auf dem Weg in Richtung Waldenalp, vor ihnen die imposante Lehnfluh.

Die Pilger Ralph Wicki (l.) und Noel Emmenegger auf dem Weg in Richtung Waldenalp, vor ihnen die imposante Lehnfluh.

Den Freitag verbrachten die Pilgerer der SRF-Sommerserie «Leben vor 500 Jahren» auf Schloss Bechburg. Am Samstag wanderten sie weiter.

Die Sonne scheint durch die Baumkronen neben dem Schloss Neu-Bechburg. Es ist noch angenehm kühl, auf Regen müssen sich die Pilger nicht einstellen. Die fünf kommen den Weg vom mittelalterlichen Bauernhof der Familie Dietschi hinunter. Dort haben sie die letzte Nacht geschlafen und sich für die heutige Route gestärkt: Es geht über den Jura von Oensingen bis nach Welschenrohr. Die Gruppe pilgert zwölf Tage lang quer durch die Schweiz: Start war Basel, Ziel ist Fribourg. Dies im Rahmen der SRF-Sommerserie «Leben vor 500 Jahren».

«Noch sind wir guten Mutes», versichert SRF-Radiomoderator Ralph Wicki. Er hat den langen Weg zusammen mit Noel Emmenegger, Andrea Reber, Frowin Bachmann und Marie-Therese Zgraggen unter die Füsse genommen. In der Hand halten alle einen Holzstock, die Kleidung ist aus Wolle und Leinen, die Schuhe sind aus dickem Leder.

Den Weg weist ihnen eine Karte, Uhren oder Kompass tragen sie keine bei sich. Ein bisschen Moderne muss aber sein: «Hier sind Sonnencreme und Zeckenspray», sagt Andrea Reber, und zieht die beiden Tuben aus ihrer Seitentasche.

In Welschenrohr (v. l.): Pilger Noel Emmenegger, die Gastgeber Therese und Benjamin Brunner von der Sollmatt, sowie die Pilgerinnen und Pilger Frowin Bachmann, Andrea Reber, Ralph Wicki und Marie-Therese Zgraggen.

In Welschenrohr (v. l.): Pilger Noel Emmenegger, die Gastgeber Therese und Benjamin Brunner von der Sollmatt, sowie die Pilgerinnen und Pilger Frowin Bachmann, Andrea Reber, Ralph Wicki und Marie-Therese Zgraggen.  

Als Exoten im Dorf eine Attraktion

Die Gruppe wandert den schmalen Kiesweg nach Oensingen hinunter, an den Kreuzungen stecken sie jeweils die Köpfe über der Karte zusammen. Sechs Tage ist die Gruppe schon unterwegs. Im Dorf kennt man das Projekt. «Wollt ihr einen Kaffee?», ruft ein Mann aus dem Garten. «Dürfen wir nicht!», rufen die Pilger zurück. Kaffee ist ihnen verboten, höchstens ein Wasser oder einen Schnaps dürften sie annehmen.

Normalerweise nehmen sie dieses Angebot auch gerne an. «Aber jetzt ist es doch noch zu früh für einen Schnaps», sagt Ralph Wicki. Weiter geht es über die Hauptstrasse, der Bienkenstrasse entlang Richtung Bahnhof. «So hopp jetzt, so langsam kommt ihr aber nie nach Fribourg», ruft ein zweiter Mann aus dem Fenster und lacht.

Die fünf Pilger sind in ihrer Mittelalterkluft Exoten im Dorf. Die Leute bleiben stehen, drehen sich nach ihnen um. Noel Emmenegger nutzt den Ausflug in die Moderne schnell dazu, um im verspiegelten Autofenster seine Frisur zu prüfen. «Spiegel haben wir ja nicht, ich glaube, meine Haare sehen furchtbar aus. Gestern hat jemand ein Selfie mit mir gemacht. Da habe ich gedacht super, jetzt erinnert der sich so an mich», erzählt er.

Wirklich ärgern, das sieht man ihm an, tut ihn der Verzicht auf den Spiegel aber nicht. Allgemein ist die Stimmung in der Gruppe gut. Es wird geredet und gelacht, man hilft einander. «Es ist bis jetzt wirklich ein tolles Erlebnis», erzählt Andrea Reber.

Es sei schön, immer wieder von Leuten ein Stück des Weges begleitet zu werden. «Einmal hat jemand zwei Stunden mit Pfefferminztee auf dem Weg gewartet, um uns aufzumuntern», erzählt sie.

Ausruhen auf der Sollmatt

Beim Dorfausgang wird der Weg langsam steil: Es geht hinauf auf die Waldenalp, von dort über die Jurakette bis nach Welschenrohr. Einen Tag lang machen die Pilger dort auf dem Hof von Benjamin Brunner Rast, um sich von den Strapazen auf der Pilgerroute zu erholen. Am Montag geht es dann weiter, immer einen Fuss vor den anderen — bis nach Fribourg.

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