Ob Brioches aus der Schweiz den nordkoreanischen Führer Kim Jong Un an seine angebliche Schulzeit in Gümligen bei Bern erinnern? Und ob diese Vorliebe inzwischen auch bei den Hofschranzen in seinem Umfeld Mode geworden ist?

Sicher ist: Mit Brioches aus der Schweiz ist in Nordkorea jetzt Schluss. Denn mit Wirkung ab 4. Juli hat der Bundesrat die Lieferung von Bäckereispezialitäten, Confiserie- und Konditoreiwaren nach Nordkorea verboten. Als einziges Produkt aus dieser Kategorie sind dabei «Butterbrioches» auf der Verbotsliste namentlich genannt.

Neben Brioches gehören zum Beispiel reinrassige Pferde, Trüffel, Ski-, Golf- und Reitausrüstungen, Kegelbahnen oder Skisportanlagen zu den Luxusgütern, die seit Neustem nicht mehr aus der Schweiz nach Nordkorea geliefert werden dürfen. Schon bisher verboten waren etwa Kaviar, Weine, Zigarren, Luxusuhren oder Gold- und Silberbesteck.

Ausschliesslich gegen Nordkorea

Nachzulesen ist das Brioches-Verbot in der neusten Fassung (3. Juli 2013) von Anhang 2 (Luxusgüter) der «Verordnung über Massnahmen gegenüber der Demokratischen Volksrepublik Korea». Mit dieser Verordnung setzt der Bundesrat die Sanktionen des UNO-Sicherheitsrats gegen Nordkorea um.

Es gibt aber kein weltweites Brioches-Embargo gegen Nordkorea. «Jedes Land definiert selbst, welche Luxusgüter unter die Sanktionen fallen», erklärt Antje Baertschi, Leiterin Kommunikation des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) in Bern, auf Anfrage. Aber was ist denn an Brioches so explosiv? «Wir orientieren uns bei der Liste an den Verordnungen, die für andere Länder gelten», so die Seco-Sprecherin diplomatisch.

Ein Blick in andere Sanktions-Verordnungen bestätigt diese Auskunft in Bezug auf Brioches aber gerade nicht. Zurzeit hat die Schweiz Sanktionen gegen etwa 20 Staaten verhängt, wie etwa Iran, Syrien, Somalia oder Simbabwe. Fast immer beziehen sich die Verbote auf Rüstungsgüter, Spitzentechnologie, die Sperrung von Geldern oder Einreisesperren gegen Regime-Exponenten. Ein Luxusgüter-Exportverbot besteht gegen Syrien – und dort sind fast die gleichen Luxusprodukte wie für Nordkorea verboten, nur keine Butterbrioches. Tatsache ist: Ein Brioches-Verbot hat Bern ausschliesslich gegen Nordkorea verhängt. Das lässt wohl nur einen Schluss zu: Kim Jong Un & Co. haben sich tatsächlich an Schweizer Brioches gütlich getan.

«Wie Zopf, aber noch reichhaltiger»

In der Region Olten sind Brioches gar nicht leicht zu finden. «Brioches sind ein traditionelles französisches Confiserie-Produkt», erklärt Guido Maier, Bäcker-Konditor-Meister und Geschäftsführer der Filiale Gretzenbach des Familienunternehmens Gastro Maier AG. «Es besteht aus viel Butter, Eiern und Mehl. Wie ein Zopfteig, aber noch reichhaltiger, mit noch mehr Butter und Eiern.» Ich denke an Kim Jong Un, der für einen 30-Jährigen doch auffällig rundlich ist.

Maier ist nicht überrascht, dass viele hiesige Bäckereien keine Brioches anbieten. Auch er hat sie in Gretzenbach nur am Samstag und Sonntag im Sortiment. «Es ist ein Liebhaberprodukt, das eher in den Städten verlangt wird.» Und: «Es braucht viel Arbeit – und Geschicklichkeit. Das Heikle ist der Gupf obendrauf. Bei uns machen es die Lehrlinge, es ist ein gutes Training für sie.»

Das Brioche, das mir Guido Maier zu versuchen gibt, mundet ausgezeichnet. Wenn die Atombomben nicht wären, die Gefangenenlager und der widerliche Führerkult – ich würde Kim Jong Un heimlich eines schicken. Mit A-Post von Gretzenbach nach Pjöngjang.