Kestenholz
Sind Raiffeisenbanken ein beliebtes Ziel für Überfälle?

In den letzten 18 Monaten wurden im Kanton Solothurn fünf Raiffeisenbanken überfallen. Diese Banken scheinen somit in der Gunst von Kriminellen ganz oben zu stehen.

Philipp Felber
Drucken
Teilen
Die Raiffeisenbank in Kestenholz war vor 18 Jahren schon einmal im Visier von Bankräubern.

Die Raiffeisenbank in Kestenholz war vor 18 Jahren schon einmal im Visier von Bankräubern.

Bruno Kissling

Am Morgen nach dem zwei Männer einen bewaffneten Überfall auf die Raiffeisenbank in Kestenholz verübt hatten, blieb die Filiale geschlossen. Vor dem direkt benachbarten Spar-Markt werden die ersten Witzchen gerissen, ob denn wohl noch genug Geld da sei für den heutigen Tag.

Die Spar-Filiale selbst hatte am Dienstagnachmittag geschlossen, als der Überfall geschah. Die Post nebenan hatte zwar offen, doch vom Überfall hat man hier erst etwas bemerkt, als die Polizei vorfuhr und die beiden mutmasslichen Ganoven bereits mit der Beute von einigen Tausend Franken das Weite gesucht hatten.

Wie vermeldet, konnten die beiden mutmasslichen Täter bereits etwa eine Stunde nach dem Überfall im Kanton Luzern dingfest gemacht werden. Es sind zwei Österreicher im Alter von 50 und 59 Jahren.

Fluchtwege entscheidend

Immer wieder geraten Raiffeisenbanken auf den Radar von Bankräubern. Seit November 2014 sind im Kanton Solothurn fünf Überfälle auf Raiffeisenfilialen verübt worden. «Wir haben schweizweit zwischen 10 und 15 Überfälle pro Jahr», sagt Franz Würth, Mediensprecher Raiffeisenbank Schweiz. Eine Häufung auf das Netz der Raiffeisenbanken sei jedoch nicht zu beobachten. Bei über 990 Filialen, jede dritte Bankfiliale in der Schweiz ist eine der Raiffeisen, sei es logisch, dass die Anzahl von Überfällen höher ist als bei anderen Banken.

Gehen die Überfälle durch die teilweise offenen Schalterhallen ohne Sicherheitsglas zwischen Kunden und Mitarbeiter nicht einfacher von der Hand? «Ob Sicherheitsglas oder nicht ändert nichts an der Situation. Sobald jemand mit einer Waffe bedroht wird, müssen wir darauf reagieren», erklärt Würth.

Die Mitarbeiter wüssten, wie sie sich in solchen Situationen zu verhalten haben, dafür würden regelmässige Schulungen sorgen. Die Devise bei einem Überfall ist klar: Man gibt den Räubern das geforderte Geld. Dass bei solchen Überfällen im Kanton vielfach ländliche Gebiete betroffen sind, lasse sich laut Thomas Kummer nicht bestätigen. Viel wichtiger seien für die Täter die sich bietenden Fluchtwege.

1998 bereits ein Überfall

Die Fluchtwegrouten weg von der Raiffeisenbank Kestenholz wird von Kriminellen offenbar als gut eingeschätzt. Denn bereits 1998 gab es auf die Filiale einen Überfall. Zwei Räuber kamen damals gegen 17.20 Uhr auf der Rückseite der Liegenschaft durch ein Fenster in den Schalterraum und bedrohten dort einen Kunden. «Dann ging alles blitzschnell: Die Täter rissen mehrere Schubladen auf und rafften daraus einen grösseren Bargeldbetrag zusammen. Dann flüchteten sie durch das Fenster. Draussen angekommen, feuerten sie einen Schuss in die Räumlichkeiten ab, verletzt wurde niemand», berichtete diese Zeitung am 4.12.1998.

Die beiden Täter hatten damals mehrere Banküberfälle verübt, 1999 wurden sie nach einem weiteren Überfall während einer Verfolgungsjagd in Eiken AG festgenommen. Das Solothurner Obergericht verurteilte die beiden Täter im Jahr 2001 zu fünf beziehungsweise sieben Jahren Gefängnis.

Da die beiden vorzeitig in den Strafvollzug eintraten, wäre der eine im Mai 2002 bereits zu seiner bedingten Entlassung gekommen. Doch dieser kam er zuvor, flüchtete er doch eine Woche vorher aus der Strafanstalt Lenzburg. Damit kam er zudem um die Ausschaffung nach Frankreich herum, wo er eine halbjährige Haftstrafe wegen Diebstahls zu verbüssen gehabt hätte. Der heute 66-jährige Franzose ist laut der Staatsanwaltschaft Solothurn nicht mehr zur Fahndung ausgeschrieben. Die Delikte seien mittlerweile verjährt.