Jodlerverband

Silvia Meister will die erste Frau an der Spitze des Jodlerverbands werden

Silvia Meister in Solothurner Festtagstracht vor der Kulisse des Thals, beim Hof Untere Bultern in Matzendorf

Silvia Meister in Solothurner Festtagstracht vor der Kulisse des Thals, beim Hof Untere Bultern in Matzendorf

Am 15. Februar 2014 wählen die Delegierten des Nordwestschweizerischen Jodlerverbands in Deitingen die Nachfolge von Präsident Edwin Meister aus Kölliken. Vorgeschlagen ist die 50-jährige Thalerin Silvia Meister aus Matzendorf.

Ich war 17. Meine zwei Onkel Adolf und Gustav und meine Tante Anneli aus Amerika waren zu Besuch bei uns zu Hause. Sie waren als junge Menschen ausgewandert, weil der Hof Rieden im Reckenkien nicht genug hergab für alle Söhne und Töchter von Albert und Magdalena Bader-Müller.»

So beginnt die Geschichte, wie Silvia Meister-Bader vom Höfli Untere Bultern, Matzendorf, zum Jodeln kam. Ihr Vater Kurt habe viel gesungen und sei glücklich gewesen, wenn am Radio gejodelt wurde: «Hört!», pflegte er zu sagen, «es kommt ein schönes Bärjützi.» Ihre Mutter Elisabeth hielt regen Kontakt mit den Verwandten in Amerika, zu Weihnachten schickte sie ihnen Tannenzweige, damit sie Heimatluft riechen konnten.

Ein gemütlicher Abend

Und nun waren sie also auf Besuch in der Heimat, im Elternhaus. Alle hatten zusammen Bauernbrot gebacken, der Speck und der Schnaps standen auf dem Tisch für einen gemütlichen Abend.

«Die Stubentür ging auf und herein trat der vollzählige Jodlerklub Passwang Mümliswil (JKP), gegründet im Januar 1948 im Reckenkien», erinnert sich Silvia Meister. Da wurde in Baders Stube gesungen, gejodelt, gejauchzt.

Sie sei staunend am Fenster gestanden, habe bei gewissen Liedern mitgesummt. Auf einmal habe der Jodler Markus Rubitschung sie geholt, neben die Jodlerin Rita Bürki gestellt und gesagt: «So, jetzt singst du mit.»

Nach dem langen fröhlichen Abend habe er sie aufgefordert, nächste Woche in die Probe zu kommen. Was die bald 50-Jährige seither kaum je ausgelassen hat.

Starker Zusammenhalt

Sie strahlt, wenn sie vom Jodeln, von der Kameradschaft, von der grossen Jodlerfamilie erzählt. «Diesen Ausdruck verwenden wir nicht einfach so, sondern weil es so ist», sagt sie dezidiert.

«Es gibt in der Schweiz keine Partei, keine Gewerkschaft, keine anderen Vereinigungen, wo der Zusammenhalt so gross, die Anlässe so fröhlich, das Heimatgefühl so stark verankert sind wie bei uns Jodlern.»

Auf die Frage, ob sie den Satz von Karin Niederberger, Präsidentin Eidgenössischer Jodlerverband, «wir sind gewiss nicht der einfachste Verband, aber sicher der schönste», den sie nach ihrer Wiederwahl im Jahr 2012 in den Saal rief, unterstreichen würde, kommt aus Silvias Mund ein eindeutiges «genau, besser kann ich es nicht beschreiben».

Zurück zur jungen Jodlerin inmitten der vielen Jodler: «Ich hatte Glück», sagt sie heute, «dass ich von den Männern, jungen und älteren, akzeptiert wurde.» Bald schon ging sie mit an ein Jodlerfest und lernte rasch, dass Jodlerinnen und Jodler, Fahnenschwinger und Alphornbläser an einem solchen Anlass kein Bett brauchen.

Sie erzählt lustige, teils abstruse Geschichten von «durchjodelten» Nächten, weinseliger Feststimmung in Sälen, spontanen «Aufführungen» auf Plätzen und in Strassen. Wie man gegen Morgen müde werde, sich auf eine Parkbank setze, manchmal einnicke. Aber dann werde es hell, von irgendwoher töne ein Alphorn, man rücke die Tracht zurecht und auf zum nächsten Jodellied.

Dass sie seit 33 Jahren mitmachen könne, verdanke sie ihrem Mann Martin, der früher Mitglied des JKP war. Als vor 20 Jahren die Zwillinge Carmen und Rainer auf die Welt kamen, entschied er sich, seine Frau jodeln zu lassen und zu den Kindern Markus (26), Rea (24), Petra (22) und den Zwillingen zu schauen.

Kennen gelernt haben sich die beiden, als sie in der Bachtalen servierte. Da seien jeweils am Mittwochabend die jungen Burschen von der Landwirtschaftlichen Schule Wallierhof gekommen.

Um elf Uhr mussten sie in Riedholz «drinnen» sein. Doch irgendwie hätten es manche geschafft, nach einer Stunde wieder in der Wirtschaft zu höckeln. Einer von ihnen war Martin …

Keine halben Sachen

2001 übernahmen sie den Hof von Martins Eltern. Weil Martin auswärts arbeitet, ist Silvia stark engagiert auf dem Betrieb. 2005 stellten sie von Milchwirtschaft um auf Rinderaufzucht.

Indessen gehört kein einziges Tier der 60 Limousin ihnen, sondern sie halten diese für Züchter aus der ganzen Schweiz. «Limousin-Sitting nennen wir das», schmunzelt die Bäuerin.

Von 2001 bis 2013 gehörte sie dem Solothurner Kantonsrat an. Politisieren, das gefalle ihr, aber noch mehr gefalle ihr halt das Jodeln. 15 Jahre war sie Präsidentin des Jodlerklubs Passwang Mümliswil, und seit fünf Jahren ist sie Vizepräsidentin des Nordwestschweizerischen Jodlerverbands (NWSJV).

Im Schweizerischen Appenzellerhunde-Klub sitzt sie in der Zuchtkommission und geht auf Wurfkontrolle in der Westschweiz. Wenn sie von ihrem abwechslungsreichen, ausgelasteten Leben erzählt, fragt man sich, wie sie alles unter einen Hut bringt. Denn sie macht nichts halbbatzig.

Erste Frau an der Spitze des Jodlerverband

Und nun soll das Präsidium des NWSJV dazukommen. Am 15. Februar 2014 wird sie der Delegiertenversammlung in der Mehrzweckhalle Deitingen als Nachfolgerin von Edwin Meister vorgeschlagen.

«Nein, sicher nicht», antwortet sie auf die Frage, ob sie nun das Ziel, das sie sich einmal setzte, erreicht habe. Sie freue sich auf diese neue Tätigkeit, aber nicht einmal im Leben habe sie daran gedacht, dass sie so weit kommen würde. Als erste Frau an der Spitze eines Unterverbands des Eidgenössischen Jodlerverbands!

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