Oberbuchsiten
Sie wollen die ganze Schule an einem Ort

Komitee weibelt gegen Vorschlag des Gemeinderats und erhält Support der Ressortleiterin Bildung.

Kelly Spielmann
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Das Komitee Pro Zentralisierung beim Verpacken der Flyer (obere Reihe v.l.): Andrea Schumacher, Nicole Darioli, Christoph Nünlist, Antonella Studer. Untere Reihe v.l.: Manfred Studer, Stephan Berger, Michael Stritt. Rechts aussen die beiden Kinder Uma Darioli und Luaba Koch. Nicht auf dem Bild: Angela Plüss,Julia Saner, Andreas Bader und Pirmin Nünlist.

Das Komitee Pro Zentralisierung beim Verpacken der Flyer (obere Reihe v.l.): Andrea Schumacher, Nicole Darioli, Christoph Nünlist, Antonella Studer. Untere Reihe v.l.: Manfred Studer, Stephan Berger, Michael Stritt. Rechts aussen die beiden Kinder Uma Darioli und Luaba Koch. Nicht auf dem Bild: Angela Plüss,Julia Saner, Andreas Bader und Pirmin Nünlist.

Patrick Luethy

Am 23. April gehen die Oberbuchsiter an die Urne – für die Realisierung von neuem Schulraum. Zur Abstimmung kommen zwei Varianten: eine Teil-Zentralisierung oder eine komplette Zentralisierung.

Der Gemeinderat unterstützt die Variante «Teil-Zentralisierung», bei welcher Kindergarten und Tagesstruktur im Schulhaus Oberdorf eingerichtet würden, während die Primarschule am Standort Steinmatt angesiedelt wäre.

«Die Nutzung des oberen Schulhauses wäre mit dieser Variante klar, und die Teil-Zentralisierung ist günstiger, weil allfällige Investitionen beim Schulhaus Oberdorf wegfallen», begründet Gemeindepräsident Daniel Lederer die Entscheidung.

«Eine Zentralisierung würde auch so stattfinden, einfach für die ganze Primarschule, aber ohne Kindergarten», fügt er an. In den Abstimmungsunterlagen wird den Einwohnern mitgeteilt, dass sich der Gemeinderat mit 5 zu 2 Stimmen für diese Variante ausspricht.

Gemeinderätin Sarah Koch, welche für das Ressort Bildung zuständig ist, vertrat eine der zwei Gegenstimmen, wie sie auf Anfrage sagt. Denn sie unterstützt die Zentralisierung. «Wichtig ist mir aber, dass überhaupt etwas geschieht. Denn mehr Platz ist dringend nötig», so Koch.

Elf Einwohner gründeten Komitee

Wie die Mehrheit der Gemeinderäte sehen es jedoch nicht alle Oberbuchsiter: Elf Einwohner haben nun ein Komitee gegründet. «Die Idee entstand nach der letzten Gemeindeversammlung.», erklärt Nicole Darioli vom Komitee Pro Zentralisierung.

«Einige Einwohner haben miteinander über das Thema gesprochen. Am 15. März hatten wir dann unser erstes Treffen», fügt sie an. Im Komitee dabei sind ein aktueller und ein ehemaliger Gemeinderat, drei Mitglieder der Arbeitsgruppe, welche 2015 für die Schulraumplanung gegründet wurde, ein ehemaliger Bankleiter und fünf Eltern schulpflichtiger Kinder.

Der Grund, weshalb sie sich so stark für die Zentralisierung einsetzen, ist ein klarer: Für die elf Oberbuchsiter ist die Zentralisierung die deutlich bessere Lösung für die Schüler. «Sämtliche Fachleute empfehlen einen zentralen Schulstandort», so Darioli.

Für ihr Projekt hat die Gruppe vergangenen Freitag Flyer verpackt, welche in den nächsten Tagen in Oberbuchsiten verteilt werden. Auf den Flugzetteln sind Informationen und Argumente für die Zentralisierung zu finden.

Ziel der Aktion ist vor allem, die noch unentschlossenen Wähler zu überzeugen und auch solche, die sonst nicht wählen gehen würden, an die Urne zu locken. Dass sie klare Gegner der Vorlage überzeugen können, die Seite zu wechseln, denken sie jedoch eher nicht. «Da sind wir schon realistisch. Aber jenen, die eher zu einem Nein tendieren, weil sie gewisse Ängste haben, können wir vielleicht zeigen, dass diese unbegründet sind», so die Oberbuchsiterin.

Besonders eine Steuererhöhung sei für viele Einwohner eine Sorge, falls die Variante «Zentralisierung» angenommen werden sollte. Diese ist gemäss Komitee jedoch nicht notwendig – Rückstellungen wurden bereits getätigt und die jährlichen Betriebskosten können durch zusätzliche Steuereinnahmen der wachsenden Bevölkerung gedeckt werden.

Auch haben viele Einwohner Angst, das alte Schulhaus werde verkauft. «Das ist natürlich eine grosse Angst, das alte Schulhaus ist für die Oberbuchsiter ein wichtiges Gebäude», erklärt Darioli. Doch müsse man sich auch diese Sorge nicht machen, denn das Schulhaus Oberdorf könne für Gemeindezwecke genutzt werden.

Darioli nennt sogleich einige Beispiele: «Die Räume könnten für Musikunterricht, als Sitzungsräume, für die Spielgruppe und für Vereine genutzt werden. Dafür müsste nicht viel Geld investiert werden, die Räumlichkeiten sind in gutem Zustand.» Auch ein Umzug der Gemeindeverwaltung in das Schulhaus Oberdorf wurde durch die Arbeitsgruppe im Jahre 2015 vorgeschlagen.

Unterlagen nicht neutral

Wichtig ist dem Komitee Pro Zentralisierung auch, dass die Einwohner sich ein neutrales Bild machen können. Das Komitee bemängelt, dass die Abstimmungsunterlagen nicht neutral gehalten sind: «Die Vor- und Nachteile sind klar zugunsten der Teil-Zentralisierung ausgelegt.

Und das Umbauprojekt Kindergarten im Schulhaus Oberdorf erfüllt schulbetriebliche Anforderungen nicht. Ein Blick nach draussen wäre für die Kinder unmöglich, da es sich um eine denkmalgeschützte Liegenschaft handelt, an der keine Fassadenveränderungen vorgenommen werden dürfen.»

Der Grund für die Meinung des Gemeinderats sieht das Komitee klar als Weg des geringsten Widerstands. Die Umplanung des Schulraums sei schon 2010/2011 ein Thema gewesen im Gemeinderat, damals wurde das Thema jedoch wieder ad acta gelegt. Es sei so viel Zeit verloren gegangen.

Die bereits jetzt komplett ausgeschöpften Platzverhältnisse im Schulhaus reichen der Meinung des Komitees nach nicht aus, um die nächsten, kinderreichen Jahrgänge einzuschulen. Die elf Mitglieder wollen verhindern, dass durch ein zweifaches Nein noch mehr Zeit verloren gehe und schliesslich mehr Kosten anfallen würden durch provisorische Container-Lösungen.

Denn sie wollen nicht den Weg des geringsten Widerstands wählen – sondern denjenigen, der den Schülern und der Zukunft des Dorfs den grössten Nutzen bringt.