Härkingen

Sie wollen den Dorfladen reaktivieren

Edith Moser (links) und Sabina Schenk vor der ehemaligen Chäsi, in welcher sie am 10. April ihren eigenen Laden eröffnen wollen.

Edith Moser (links) und Sabina Schenk vor der ehemaligen Chäsi, in welcher sie am 10. April ihren eigenen Laden eröffnen wollen.

Sabina Schenk und Edith Moser wagen den Schritt in die Selbstständigkeit. Begeistert von der Idee der beiden Frauen, den Dorfladen in Härkingen zu reaktivieren ist auch Gemeindepräsident Daniel Nützi. Ein weiteres Lebensmittelgeschäft neben der Metzgerei Bleicher werde vom Gemeinderat sehr begrüsst.

Seit 2008 gibt es ausser der Metzgerei Bleicher (vormals Mühle) keinen Dorfladen mehr im Härkingen. Die Bevölkerung muss sich deshalb im Gäupark in Egerkingen oder in den Volg-Läden in Neuendorf, Gunzgen oder Fulenbach mit dem täglichen Bedarf eindecken.

Beschwerlich wird ein solcher Einkauf vor allem für nicht mobile Leute, welche mit dem Bus in die Läden der Nachbargemeinden fahren müssen. Das soll sich in rund einem Monat ändern. Dafür sorgen wollen Sabina Schenk und Edith Moser mit der Reaktivierung des Dorfladens.

Idee schon länger im Kopf

Die beiden im Dorf wohnhaften Frauen haben die Räumlichkeiten der ehemaligen Chäsi gemietet, um darin einen Laden einzurichten. Diese Idee habe schon lange in ihnen geschlummert, sagt Sabina Schenk.

Dies nicht zuletzt auch, weil sie sich daran gestört hätten, keine Besorgungen mehr im eigenen Dorf erledigen zu können, bemerkt die 46-jährige Mutter von zwei Kindern im Alter von 12 und 15 Jahren. Davon betroffen sei die ganze Bevölkerung, in besonderem Mass aber die älteren Leute, ergänzt Edith Moser (41), Mutter von drei Kinder im Alter zwischen 9 und 13 Jahren.

Den Entscheid, in der Dorfchäsi einen eigenen Laden zu eröffnen, fassten die beiden Frauen Ende letzten Jahres nach einem Gespräch mit dem Liegenschaftsbesitzer Jakob Thomann. Inzwischen sind alle Formalitäten wie die Unterzeichnung des Mietvertrags oder die Gründung einer Kollektivgesellschaft für die Führung des Ladens erledigt.

Vermieter Thomann hat seinerseits das kleine Ladenlokal vollständig renoviert. Sehr zur Freude von Sabina Schenk und Edith Moser, die seit letztem Samstag praktisch jeden Tag in ihrem künftigen Laden stehen, um diesen nach ihren Vorstellungen einzurichten.

Kein Vollsortiment im Visier

Eine grosse Herausforderung stellt das künftige Sortiment dar, welches im Laden verkauft werden soll. Für Quereinsteiger ohne Erfahrung im Detailhandel sei das keine einfache Aufgabe, räumt Sabina Schenk ein. Dabei gehe es um mehrere hundert Artikel und fast so viele Entscheidungen, die es zu fällen gebe.

Das Ziel sei nicht ein Vollsortiment, sondern die Abdeckung des täglichen Bedarfs im Lebensmittelbereich. Bei der Auswahl der Produkte stehe die Regionalität im Vordergrund. Derzeit werden Verhandlungen mit möglichen Lieferanten geführt. Nicht im Angebot sein wird Frischfleisch. Dafür gebe es eine Metzgerei im Dorf, so die Frauen.

Sabina Schenk und Edith Moser haben schon konkrete Vorstellungen, welche Kundschaft sie neben der Dorfbevölkerung ansprechen möchten. Im Visier haben sie Handwerker und Frühaufsteher, die sie jeweils ab 6 Uhr morgens mit einer Vielzahl an Sandwiches und Kaffee zum Mitnehmen in den Laden locken wollen.

Familien stehen hinter Projekt

Noch gibt es aber viel zu tun bis zur geplanten Eröffnung des Ladens am 10. April. Dabei können die Frauen auf die Unterstützung ihrer Familien und Verwandten zählen. «Unsere Ehemänner stehen hinter dem Projekt und packen mit an, wenn sie gebraucht werden», sagen Sabina Schenk und Edith Moser.

Ihr nun angelaufenes Projekt wollen die Frauen auf jeden Fall durchziehen, inklusive möglicher Fehler, die ihnen dabei unterlaufen könnten. Man werde aber alles daransetzen, um Erfolg zu haben. Dazu gehöre auch, auf die Kundenbedürfnisse zu reagieren und wenn nötig, das Sortiment anzupassen. «Wir wollen klein anfangen, um danach wachsen zu können», sagt Edith Moser zur gewählten Strategie.

Die Liegenschaftsbesitzer Jakob und Annette und Thomann glauben an den Erfolg des Frauenduos. Und weil auch ihnen ein Laden im Dorf am Herzen liege, habe man diesen zu einem unter dem aktuellen Marktniveau liegenden Preis vermietet, erklärt Jakob Thomann auf Anfrage.

Gemeinderat begrüsst neuen Laden

Von der Idee der beiden Frauen begeistert ist Gemeindepräsident Daniel Nützi. Ein weiteres Lebensmittelgeschäft neben der Metzgerei Bleicher werde vom Gemeinderat sehr begrüsst. Das sei die Chance, sich im Dorf wieder mit dem Grundbedarf eindecken zu können.

Wichtig sei aber, dass die Bevölkerung davon auch Gebrauch mache, um die Zukunft des Ladens zu sichern. Für ihn sei das eine Selbstverständlichkeit. «Mich wird man im neuen Dorfladen als Kunden sicher ab und zu antreffen», so Nützi.

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