Oensingen
Sie will eine Restessbar eröffnen und Zeichen gegen «Foodwaste» setzen

Nicht das Datum zählt, sondern die Nase findet Nicole Schmidlin. Sie will an ihrem Wohnort ein Zeichen gegen «Foodwaste» setzen und eine Restessbar eröffnen.

Liliane Manzanedo
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Nicole Schmidlin – hier noch mit ihrem «Familienkühlschrank» – will demnächst in Oensingen eine Restessbar eröffnen. Milchprodukte, wie die auf dem Foto, werden den Weg in die kollektiven Restessbar-Kühlschränke jedoch nicht finden. Genau so wenig wie Fisch, Fleisch und alkoholische Getränke.

Nicole Schmidlin – hier noch mit ihrem «Familienkühlschrank» – will demnächst in Oensingen eine Restessbar eröffnen. Milchprodukte, wie die auf dem Foto, werden den Weg in die kollektiven Restessbar-Kühlschränke jedoch nicht finden. Genau so wenig wie Fisch, Fleisch und alkoholische Getränke.

BRUNO KISSLING

Nicole Schmidlin (46), gelernte Hotelfachassistentin und fünffache Mutter, verfolgt eine Idee: Sie möchte das Projekt Restessbar auch in Oensingen einführen. Was bereits in Olten an der Rosengasse existiert, soll bald auch in Oensingen möglich sein. Kollektive Kühlschränke, aus denen jedermann rund um die Uhr noch geniessbare, aber aufgrund des Datums nicht mehr verkaufbare Lebensmittel von Läden, Bäckereien oder Restaurants beziehen kann.

«Sie ist wirklich genial», äussert Schmidlin sich zur Restessbar Olten, deren Entstehen sie mitverfolgt hatte. Das Projekt kennt sie aber nicht erst aus Olten. Sie hatte bereits die Entwicklung in Winterthur beobachtet. «Es gibt viele Familien, die Ende Monat nicht mehr genügend Geld haben, um sich und die Kinder richtig zu versorgen. Generell gibt es viele Leute, die nichts zu essen haben.

Es regt mich auf, dass die Läden nach Feierabend so vieles wegwerfen», so die angehende Sozialbegleiterin. Für sie ist nicht das Verbrauchsdatum massgebend, sondern die Nase. Ganz nach dem Motto: Riecht es noch gut, ist es noch gut.

Räumlichkeit gesucht

Wo genau die Restessbar in Oensingen ihren Standort finden wird, ist noch unklar. «Ich bin erst am Anfang. Es gibt noch einiges abzuklären», sagt sie. Sie orientiert sich am Muster von Olten und setzte sich Anfang Jahr mit Raphael Schär, einem der Verantwortlichen der Restessbar Olten, in Verbindung. Mit ihm besprach sie vor allem die notwendigen, bürokratischen Anfangsschritte.

Die Vereinsstatuten hat sie bereits fertig verfasst. Jetzt geht es darum, den Verein mit provisorischem Namen «Oensingen im Ufbruch» zu gründen und die dazu gehörenden Vereinsmitglieder zu finden. Die Oensinger Restessbar-Initiantin hofft auf Hilfestellung vonseiten der Gemeinde. Sie hofft darauf, dass ihr eine passende Räumlichkeit angeboten wird. Deshalb ist es ihr ein Anliegen, das Projekt schriftlich und mündlich der Gemeinde Oensingen präsentieren zu dürfen.

Eine Sozialarbeiterin wird sie dabei unterstützen. Die Kühlschränke würde sie selber beschaffen. Bis jetzt haben sich vierzehn interessierte Freiwillige bei Schmidlin gemeldet, die über die Facebook-Gruppe «Restessbar Oensingen» davon Wind bekamen. Darunter Christine Ackermann, die für die Asylbetreuung in Oensingen zuständig ist.

Asylbewerberinnen und -bewerber in das Projekt zu involvieren und sie mit Aufgaben zu beauftragen, wie dem Abholen der Lebensmittel oder auf die Kühlschränke Acht zu geben, ist keine abwegige Idee für Schmidlin und Ackermann.

Für die Asylbewerberinnen und -bewerber dürften die kostenlosen Lebensmittel von besonderem Interesse sein, da ihr Budget klein ist. Des Weiteren plant Schmidlin zu einem späteren Zeitpunkt auch die Eröffnung eines offenen Kleiderschrankes: «Ich denke, was mit Essen funktioniert, funktioniert auch mit Kleidern.»

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