Im August des letzten Sommers zeigte Rita Hänggi-Saner ihrem Mann Blasius ein Inserat in einer bäuerlichen Zeitung, in dem die Bergwirtschaft Erzberg zur neuen Verpachtung ausgeschrieben war und meinte: «Hier könnten wir uns bewerben.» Das Paar, das auf dem eigenen Hof am Balmweg in Nunningen wohnte, war auf der Suche nach einem neuen Betrieb.

Ihren Sohn Stefan zog es nach ein paar Jahren als Lastwagenführer zurück in die Landwirtschaft; derzeit befindet er sich in der Ausbildung zum Landwirt. «Nächstes Jahr kommt er als 27-Jähriger zurück auf den Hof», erklärt die Mutter, «aber der Betrieb wirft nicht genug ab für zwei Familien.»

Der Vater freut sich, dass der Hof seiner Familie weitergeführt wird und ergänzt: «Wir entschieden, dass wir Eltern uns eine neue Existenz suchen. Der Nachfolger soll den Betrieb nicht erst mit 40 übernehmen.»

Hänggis bewarben sich für den Erzberg und erhielten den Zuschlag. Das Paar ist angestellt als Hirtenfamilie, die das ganze Jahr die rund 15 Fohlen und im Sommer die rund 130 Rinder der Genossenschafter betreut. Die Bergwirtschaft halten sie in Pacht.

Als sie Mitte Dezember von ihrer Neuseelandreise zurückkamen, hiess es, einzukaufen, zu organisieren, Küche, Gaststube und das heimelige separate «Stübli» einzurichten, Änderungen vorzunehmen und zuzügeln. Rita Hänggi lacht: «Eine strenge Zeit, aber wir wollen nicht klagen, nachdem wir vorher einen Monat frei hatten.» Vorgestern eröffneten sie ihre neue Existenz. Viele Bekannte besuchten sie am ersten Tag, auch acht Mitglieder der Alpgenossenschaft Erzberg von Huttwil. Das Wirtepaar freut sich auf Einheimische, Wanderer, Biker, Reiter und Leute, die die Aussicht und die Ruhe auf 1100 Meter geniessen wollen.

Die Menukarte ist vorläufig nicht riesig, aber sie könne später je nach Geschäftsgang oder für frühzeitig angemeldete Wünsche erweitert werden, halten die beiden fest. Geöffnet ist das gemütliche Lokal am Scheltenpass von 9 bis 23 Uhr, ausser mittwochs und donnerstags.