Neuendorf

Sie sangen sich ins Defizit – Jetzt wird «ein Gang heruntergefahren»

Dirigent Tobias von Arb leitet seit 2011 den Kammerchor Buchsgau. Ein erneutes Konzert-Defizit möchte er verhindern.

Dirigent Tobias von Arb leitet seit 2011 den Kammerchor Buchsgau. Ein erneutes Konzert-Defizit möchte er verhindern.

Beim letzten Konzert machte der Kammerchor Buchsgau rückwärts – das soll nicht mehr passieren.

Dirigent Tobias von Arb weiss derzeit zwei Liedchen zu singen. Eines in den höchsten Tönen: über die Qualität und das anspruchsvolle Programm des Kammerchors Buchsgau, den er leitet. Das andere fällt etwas weniger euphorisch aus: Es handelt von den Finanzen eben jenes Laienchores. Das letzte Konzert, das der Chor im Mai dieses Jahres in der Kirche Neuendorf gab, bescherte ihm ein Defizit von 20'000 Franken. Ein Verlust, den er im kommenden Jahr nicht erneut einfahren möchte.

Je später, desto kostspieliger

«Der Chor ist nicht als Verein organisiert und bestreitet seine Kosten zur Hauptsache durch die Sängerinnen und Sänger», erklärt von Arb. Jede und jeder von ihnen bezahle pro Jahreskonzert einen Projektbeitrag von mindestens 200 Franken. Ausserdem erhalte der Chor Sponsorenbeiträge, die sich seit Jahren auf einem konstanten Niveau bewegten. Dafür, dass der Chor nun in eine missliche finanzielle Lage geraten ist, sieht er verschiedene Ursachen.

Für jedes geplante Konzert werden einerseits Solisten, andererseits ein Orchester eingekauft. «Dieses kann bis zu 43 Leute umfassen. Das war etwa der Fall im Jahr 2013, als wir ein spätromantisches Repertoire aufführten», sagt von Arb.

Seit der Zeit des Barocks seien die Instrumente in ihrer Anzahl und Diversität gewachsen. Je später also ein Werk datiert, desto umfangreicher sei das benötigte Orchester. Jeder Orchestermusiker erhalte eine Dienstentlöhnung von 200 Franken pro Probe. Bei fünf Diensten, die das Orchester in der Regel pro Konzert im Einsatz ist, kommt jeder eingekaufte Musiker den Kammerchor auf 1000 Franken zu stehen. Ein Barockensemble von 17 Leuten schlage demnach mit 17'000 Franken zu Buche, ein 43-köpfiges Romantikensemble entsprechend mit 43'000 Franken. Die Gesangssolisten werden pauschal mit rund 2500 Franken entlöhnt.

«Sträfliches» Versäumnis

Beim Schubert-Projekt im Mai liess sich der Kammerchor von der Berner Freitagsakademie begleiten. «Für uns haben sie sich auf 40 Leute erweitert und dafür rund 20 zusätzliche Musiker aus ganz Europa zusammengerufen», sagt von Arb. Beim Berner Orchester handle es sich um Profimusiker, die auf einem europaweit hohen Niveau spielten. Kostenpunkt für den Kammerchor Buchsgau: 40'000 Franken.

Mit diesen Kosten rechnet der Kammerchor, sie werden schliesslich im Voraus budgetiert. Das eigentliche Problem sieht von Arb woanders: «Der Kammerchor Buchsgau hat ein Marketingproblem.» Denn er ist überzeugt: «Wir bieten ein kulturelles Highlight, wofür die Leute uns eigentlich die Tür einrennen sollten.» Aber das Konzertpublikum bestehe zur Hauptsache aus Verwandten und guten Bekannten der aktuell 55 Chorsängerinnen und –sänger. Von Arbs Ziel ist es daher einerseits, mehr Sängerinnen und Sänger zu gewinnen. «Damit generieren wir auch mehr Publikum und können die Kosten besser decken.» Dies mit Konzertticket-Preisen von rund 50 Franken.

Andererseits soll das Marketing verbessert werden. Diesem hat sich das langjährige Chormitglied Martin Eduard Fischer dieses Jahr angenommen. Wie er auf Anfrage sagt, habe es zuvor schlicht niemanden gegeben, der davor verantwortlich zeichnete. «Sträflich» sei das in seinen Augen. Er beabsichtigt nun, durch Konzerthinweise in der Presse und vermehrtes Verteilen von Flyern besser auf den Kammerchor Buchsgau aufmerksam zu machen. Für Werbung budgetiert der Kammerchor rund 5000 Franken je Konzert.

«Einen Gang heruntergeschaltet»

Dirigent Tobias von Arb hat zudem eine weitere Massnahme ergriffen, um kommendes Jahr weitere finanzielle Verluste zu verhindern. Für das Konzert 2018 plant er, Werke von Johann Sebastian Bach, Felix Mendelssohn Bartholdy und Max Reger aufzuführen. Dafür benötige er ein Orchester mit lediglich 17 Musikern. «Ich habe bewusst einen Gang herruntergeschaltet, um das finanzielle Risiko zu mindern», wie er erklärt.

Die veranschlagten 17'000 Franken lägen unter dem Standardbudget von mindestens 25'000 Franken. Und das letztjährige Defizit? Wer ist eigentlich dafür aufgekommen? «Im Idealfall haben wir immer so viel auf der hohen Kante, wie ein Projekt kostet», so von Arb. Etwa alle fünf Jahre mache der Kammerchor mit einem Projekt vorwärts und könne den Gewinn auf die Seite legen. Der letztjährige Verlust wurde aus der Chorkasse berappt.

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