Klimbim möge sie nicht, sagt Christine Rütti. Die Aussage erstaunt ein wenig, entdeckt man in ihrem Lädeli in Balsthal doch vor allem eines: Zierrat. Das «Kreativ- und Kerzenatelier» quillt über vor Kerzen aller Art, Engelsfiguren, Zirbenholzobjekten. Im Schaufenster tummeln sich noch die Dekohasen und die Tonhühner. «Ich mache noch schnell ein Geschenkli fertig, darf ich?», fragt Rütti hinter dem Ladentisch hervor, wo sie mit Folie und Schleifen hantiert.

Das Geschenklädeli an der Goldgasse führt Rütti seit 18 Jahren. Immer wieder winken ihr von draussen Leute durchs Schaufenster zu. Rütti ist in Balsthal aufgewachsen und hat immer hier gewohnt. Sie winkt zurück. «Man kennt mich, wegen meines Geschäfts und meines politischen Engagements», erzählt die Vielrednerin, die ihre Sätze gerne mit der Formel «ich sage immer» und «ich predige immer» beginnt.

Das liegt vielleicht an ihrem Mann Georg, er ist Sakristan. Hört man die 57-Jährige erzählen, wo sie überall mittut, fragt man sich, woher sie die Zeit und die Energie nimmt. Den nötigen Power strahlt sie aus. «Ich habe Nerven wie Drahtseile», bestätigt sie. Vor zwei oder drei Uhr morgens komme sie nie ins Bett. Nachts produziere sie die Kerzen, die sie in ihrem Laden verkauft. Oder sie mache Büroarbeit oder schreibe Reden.

Ein Sozialdemokrat als Vorbild

«Man kennt mich als Macherin», sagt Rütti. Vor über 20 Jahren habe sie die Spielgruppe und die Kita im Ort mitbegründet. 1997 war sie dabei, als die lokale SVP ins Leben gerufen wurde. «Wir waren damals nicht einverstanden mit der Führung in Balsthal», erinnert sie sich. Es habe gegärt, Veränderung musste her. Sie persönlich, die in einem parteilosen Haushalt aufgewachsen sei, brauche keine Parteien. Wichtig sei ihr einzig eine geradlinige, transparente Sachpolitik.«Ich predige Eigenverantwortung», erklärt sie, die seit 10 Jahren Präsidentin der SVP Balsthal ist.

Zu ihrem politischen Vorbild befragt, meint sie schmunzelnd: «Das darf ich gar nicht sagen.» Sie rückt dann aber doch mit der Sprache heraus: Bundesrat Willi Ritschard. Der Sozialdemokrat habe die Sprache des Volkes gesprochen, oder eben «Hausfrauendeutsch». «Ich sage immer: Redet mit den Leuten so, dass sie nicht das Lexikon hervornehmen müssen.» Diese Fähigkeit bewundere sie auch an Christoph Blocher: Er benutze nie Fremdwörter, man verstehe ihn immer. In der SVP sieht sie sich in der Mitte. «Ich habe Haare auf den Zähnen, aber ich bin trotzdem sozial.»

Rüttis Mann Georg betritt den Laden. «Sie ist immer zu lieb mit allen. Sie gibt immer», wirft er ein. Rütti gibt zu: Sie sehe nicht gerne Kummer und Sorgen. Seit rund fünf Jahren betreue sie Menschen, die im Alltag Unterstützung brauchen. Manche davon sehe sie täglich. Sie begleite sie etwa auf die Behörden, damit sie zu ihrem Recht kämen. Es störe sie, dass man in der Politik nicht zu den eigenen Leuten schaue. Auch gegen Ausländer sei sie nicht, denn sie ist überzeugt, dass Integration über die Sprache funktioniere. Trotzdem lud sie an die letzte GV der Ortspartei Andreas Glarner ein. «Er imponiert mir. Er ist ein Hardliner mit grossem Herz.» Ihre Mitgliedschaft bei der AUNS begründet sie damit, dass sie sich gerne beide Seiten anhöre.

Im Kantonsrat, weiss sie, wird sie in der Bildungs- und Kulturkommission Einsitz nehmen. Sie stört sich etwa daran, dass musische Fächer als nicht nötig erachtet würden, weil sie kosten. «Ich finde, das gehört zur Bildung. Das kann man nicht einfach streichen.» Auch den Lehrplan 21 betrachtet sie skeptisch. «Er wird Primarschülern nicht gerecht», glaubt sie. Themen, die sie angehen möchte.

Privat liebt Rütti es harmonisch. «Oasenmässig» nennt sie ihr Haus mit grossem Garten und Jacuzzi. Im Sommer fahre sie daher nicht weg, obschon sie von sich sagt, sie sei «eini für id Wält use.» Rütti sieht sich selbst als Löwin: kämpferisch und beschützend. Der Familienclan sei ihr daher wichtig: «Wir stehen zueinander.»