Oensingen

Sie bauen ein Häuschen zum Tauschen

Für den letzten Schliff machen Lara Schalt (l.) und Julia Bader auch gerne mal Überzeit, die auf Kosten ihrer Freizeit geht.

Für den letzten Schliff machen Lara Schalt (l.) und Julia Bader auch gerne mal Überzeit, die auf Kosten ihrer Freizeit geht.

Die Oensinger Schülerinnen Julia Bader und Lara Schalt bauen in einem Schulprojekt eine Givebox, sozusagen ein offener Bücherschrank mit nicht nur Büchern.

Eigentlich hätten Lara Schalt und Julia Bader einen freien Nachmittag gehabt. Doch die beiden stehen im Keller des Schulhauses Bechburg in Oensingen und streichen mit weisser Farbe fein säuberlich über eine Holzplatte. Besser gesagt, streichen sie die Eingangstüre zu ihrer Givebox. Ein Schulprojekt. Mit sozialem Hintergrund, wie die beiden unisono betonen: «Wir wollten etwas Soziales machen. Und am besten noch etwas für Oensingen.»

Herausgekommen oder besser herauskommen wird nun eben diese Givebox. Ein ähnliches Prinzip wie bei den offenen Bücherschränken steht dahinter: In einem kleinen, öffentlich zugänglichen Raum können Dinge des alltäglichen Gebrauchs hinterlassen werden, die dann andere wiederum mitnehmen können. Und dies gratis, versteht sich, soll ja sozial sein. Alle Oensingerinnen und Oensinger, die also was zu Hause haben, für das sie keine Verwendung mehr haben, aber durchaus noch zu gebrauchen ist, können die Givebox in Anspruch nehmen. «Bei uns werden aber nicht nur Bücher zum Mitnehmen angeboten. Es gibt auch eine Abteilung für Spielzeug, Dekomaterial und Schmuck», so die 16-jährige Julia Bader.

Alle Schülerinnen und Schüler der 9. Klasse an der Kreisschule Bechburg erarbeiten momentan während dreier Stunden pro Woche ein eigenes Projekt. Das Ziel dabei: etwas selbstständig auf die Beine stellen. Im November gestartet, ist im April Abgabe. Bis dahin wird die Givebox von Bader und Schalt bereits einen Monat auf dem Sternenplatz in Oensingen stehen. Denn ihr Ziel ist es, AnfangMärz ihr Tauschhäuschen dort zu platzieren. Dafür investieren die beiden auch mal etwas mehr Zeit als nur die drei Stunden pro Woche.

Facebookcommunity motiviert

Motiviert werden sie zudem von positiven Rückmeldungen für ihr Projekt. Sei es auf Facebook oder auch privat. Zudem gäbe es einen Wettbewerb, an dem die besten aus ähnlichen Projekten hervorgegangenen Arbeiten in der Schweiz prämiert werden. «Es wäre schon toll, wenn wir da was gewinnen würden», sagt Julia Bader. Doch die Konkurrenz sei gross, da würde gut und gerne mal viel mehr Zeit investiert als die beiden es getan haben und noch tun werden.

Am 11. März laden die beiden zu einem Eröffnungsapéro auf dem Sternenplatz ein, um das Projekt bekannt zu machen. Bis zu diesem Zeitpunkt wird die Box bereits an seinem Platz stehen und hoffentlich mit allerlei Tauschbarem gut bestückt sein. «Wir selbst werden auch bereits Dinge reinlegen, die anderen vielleicht Freude bereiten», so die 15-jährige Lara Schalt. Da der Sternenplatz auf ihrem Schulweg liege, haben die Schülerinnen zudem fast jeden Tag die Möglichkeit für einen kurzen Kontrollgang. Diese seien denn auch nötig.

Die Angst, dass Vandalen ihr Projekt zerstören, sei schon da. Doch sie hoffen das Beste. Und auch die Gefahr, dass die Givebox als Abfalleimer für defekte Dinge missbraucht werde, bestehe. Mit den häufigen Kontrollgängen ist dem aber sicher Einhalt zu gebieten. Bis Oktober soll denn das kleine Häuschen die Oensingerinnen und Oensinger zum Tauschen animieren. Dann werden die beiden zwar nicht mehr an der Kreisschule Bechburg zur Schule gehen, doch sich weiterhin um ihr Projekt kümmern. «Es wäre schön, wenn wir es nachher jemandem weitergeben könnten, damit es nicht nur eine einmalige Sache war», sagt Lara Schalt.

Ein Kinderlachen als Dank

Damit ihr Projekt auch zu Laufen kommt, werden die angehende FMS-Schülerin Schalt und die baldige tiermedizinische Praxisassistentin Bader kräftig die Werbetrommelrühren. Eine Flyerverteilaktion ist noch geplant, zudem werden an ausgewählten Orten im Dorf Plakate aufgehängt, welche auf die Aktion hinweisen. Momentan sind die beiden daran, die Wände des Häuschens anzumalen und in einem weiteren Schritt dann aufzubauen. Insgesamt haben die Schülerinnen und Schüler je 50 Franken für ihr Projekt von der Schule zugute. «Zum Glück konnten wir das Holz von der Schule beziehen, so hat es uns nichts gekostet», freut sich Bader.

Was jedoch kosten werde, ist ein Gästebuch, welches aufgelegt werden soll. Zudem erhoffen sie sich, dass ihnen viele Fotos von Menschen mit ihren neuen Sachen zugeschickt werden. «Zum Beispiel ein Kind mit einem Spielzeug aus der Box», sagt Schalt. Nachvollziehbar. Machen doch etwa glückliche Kinderaugen das Projekt am Schluss erfolgreich. Und dies abseits von Preisen und der schulischen Bewertung.

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