Umbau
Shuttle nur wenig genutzt - viele Balsthaler Migros-Kunden «gehen fremd»

Die Migrosfiliale in Balsthal wird umgebaut und ist deshalb geschlossen. Bis Ende Oktober werden die Migros-Kunden zum Einkaufen bequem im Shuttlle in die Nachbargemeinde chauffiert. Ein Selbstversuch.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Hier kommt der Shuttle um die Ecke
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Migros-Shuttle von Balsthal nach Oensingen
Der Migros-Shuttle vor dem Einkaufszentrum Mühlefeld in Oensingen. Auch Coop hat da eine Filiale.
Der Migros-Shuttle wartet beim Sternenplatz in Oensingen auf die Migros-Kunden, um sie zurück nach Balsthal zu bringen.

Hier kommt der Shuttle um die Ecke

Fränzi Zwahlen-Saner

Eine schöne, moderne Migrosfiliale in Balsthal? Endlich, kann man da nur sagen, denn nach 16 Jahren wird es Zeit, den Laden nach modernsten Vorschriften und Konsumenten-Erkenntnissen umzugestalten. Zudem hat Konkurrent Coop seinen Laden gleich nebenan vor einiger Zeit neu renoviert.

Da sollte auch der Orange Riese etwas tun, die Balsthaler «Einkaufsmeile» zu beleben. Doch Umbau braucht Zeit und wie sollen die treuen Balsthaler Migroskunden die so Migros-lose Zeit von fünf Wochen, bis zum 28. Oktober überstehen? Ganz einfach. Man kutschiert die Einkaufswilligen mittels Shuttlebus vier Kilometer südlich nach Oensingen.

Rund sieben Minuten dauert die Fahrt mit dem Kleinbus. In Oensingen kann dann im Mühlefeld bequem in der Migros-Filiale eingekauft werden. Solche Shuttlebus-Lösungen habe Migros auch schon bei anderen Umbau-Vorhaben angewendet, sagt Mediensprecherin Andrea Bauer. Es gebe eben sehr treue Migros-Kunden und genau für diese, die vielleicht selbst nicht so mobil seien, sei dieser Bus gedacht.

Wie viele Balsthaler Migros-Kunden werden aber fünf Wochen lang in Oensingen «Fremdgehen»? Nach Oensingen zum Einkaufen: Das ist für einen Balsthaler eher ungewohnt. An den Zibelimäret – ja klar. Aber in die Migros...? Da fährt man gleich in den Gäupark. Aber das ist ein anderes Thema.

Im Moment ist es jedenfalls augenfällig, dass bei Coop mehr Einkaufswägeli im Betrieb sind und die Wartezeiten an den Kassen länger sind, als üblich.

Jeden Tag ein paar Leute mehr

Doch wir wagen das Experiment und stellen uns am Dienstagmorgen um 8.15 Uhr an die provisorische Haltestelle bei der Goldgasse in Balsthal an. Der Bus fährt pünktlich ein, doch nur zwei Personen sind zu transportieren. Chauffeur Urs Häner begrüsst freundlich und meint, die erste Fahrt am Morgen sei immer etwas spärlich frequentiert.

Dabei existiert in Balsthal doch eine «Hardcore-Migros-Früheinkäufer-Gruppe». Doch an diesem Dienstagmorgen scheint es auch bei diesen Duttweiler-Anhängern keinen Bedarf zu geben. Wir fahren nach zwei Minuten Wartezeit Richtung Oensingen ab.

Häner meint, es mache ihm viel Freude, diesen Dienst durchzuführen. Und: «Jeden Tag sind es ein paar Leute mehr, die mitfahren. Wahrscheinlich braucht es halt ein wenig Zeit, bis die Leute sich darauf einstellen». Pro Tag seien es schon zwischen 20 und 30 Personen, die er herumchauffiere, erzählt er noch, «die meisten am Nachmittag.»

Ob er denn kontrolliere, ob die Mitfahrenden in Oensingen tatsächlich in der Migros eingekauft hätten. «Nein, sicher nicht. Das geht mich nichts an.» Solche Vorgaben seien kein Thema.

Balsthaler in Oensingen

In der Migros-Filiale in Oensingen trifft man dann tatsächlich auf Balsthaler Kundschaft. Die meisten fahren aber im eigenen PW zum «posten». Gar eine Kassierin aus dem Balsthaler Team ist in Oensingen am Arbeiten. Sie freue sich sehr, auf das neue Geschäft zu Hause, sagt sie noch, besonders erfreut, einem bekannten Gegenüber zu begegnen.

Bei der Rückfahrt nach Balsthal sind es wieder die zwei gleichen Personen, die um halb zehn den Bus nutzen. Im Oensinger Migros eingekauft, dort gar eine Kundentreuekarte – pro 30-Franken-Einkauf gibt es einen Stempel und bei zehn Stempeln 10 Prozent Rabatt für einen Migros-Einkauf, einlösbar bis 16.11. – in der Tasche, sind beim «Abenteuer» Shuttlebus keine Zusatzkosten entstanden. Höchstens die Kosten fürs Café Crème in der Wartezeit, die mit einem Besuch im Tea-Room überbrückt wurde.

Zum Schluss: Wir Balsthaler freuen uns sehr, auf die neue Migros-Filiale daheim, die Ende Oktober wieder eröffnet wird. Denn Einkaufen im Dorf, macht einfach viel mehr Spass. Hier trifft man Bekannte, erfährt beim Tomatenwiegen mal was Neues, sieht wie die Nachbarskinder gross geworden sind. Und gleichzeitig tut man dann erst noch etwas gegen den täglichen Verkehrsstau in der Klus.

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