Oensingen/Niederbipp

Seltener Fund: Beim Umgraben des Gartens kamen Trüffel zum Vorschein

Urs Widmer und Renata Gerber freuen sich über den seltenen Fund.

Urs Widmer und Renata Gerber freuen sich über den seltenen Fund.

Zum Start der Pilzsaison fand Renata Gerber aus Niederbipp per Zufall Sommertrüffel in ihrem Garten. Da staunte Pilzkontrolleur Urs Widmer nicht schlecht.

Eigentlich geht die Pilzsaison erst los, und doch stand bei ihm in dieser Woche bereits ein ganzer Korb mit Pilzen auf dem Tisch. Nicht mit irgendwelchen Pilzen, sondern mit Sommer-Trüffel. Diese sind in der Region sehr selten. «Ich kenne einen Berufskollegen, der hat in seiner 25-jährigen Karriere erst zweimal Trüffel kontrolliert», freute sich Widmer über den aussergewöhnlichen Fund.

Niederbipp sorgt gleich für Sensation

Gefunden hat die Trüffel Renata Gerber aus Niederbipp. Das Dorf gehört erst seit diesem Jahr zu den Gemeinden, die an die Pilzkontrollstelle Oensingen angeschlossen sind. «Wir bauen den Gartensitzplatz aus, und haben deshalb umgegraben», erzählt sie. Mit Hacke und Schaufel bearbeitete sie den Boden, «als plötzlich die Pilze zwischen den Wurzeln unserer Birke hervor kullerten». Zuerst sei sie gar nicht sicher gewesen, was das für komische Knollen seien.

«Dann haben wir einen aufgeschnitten und zur Sicherheit in die Pilzkontrolle gebracht». Die Trüffel-Art aus Gerbers Garten wird teuer gehandelt, zwischen 200 bis 600 Franken beträgt der Preis pro Kilogramm. «Das hat mich schon überrascht, dass die so teuer sind», wundert sich Gerber. Sie kochte mit den Trüffeln ein Risotto. «Geschmacklich fand ich sie jetzt nicht so herausragend», gibt sie zu. Deshalb rate sie niemandem, auf der Suche nach Trüffeln den ganzen Garten umzugraben.

Klimawandel ist schuld

Die Sommertrüffel aus Niederbipp können mit den aromatischen Pilzen aus dem südlichen Europa nicht mithalten, gibt auch Urs Widmer zu. Trotzdem sei der Fund für ihn sehr spannend. Denn er stehe für eine Entwicklung, die in der Region schon länger zu beobachten sei: «Es kommt immer häufiger vor, dass bei uns in der Kontrollstelle Pilze landen, die eigentlich eher im Süden wachsen», erklärt Widmer.

Imgur: Grafik Pilzausbreitung Schweiz

Er sieht den Grund dafür im Klima-Wandel, der für wärmere Temperaturen sorgt. Darunter sind essbare Pilze, wie beispielsweise der Anhängsel-Röhrling und der Silber-Röhrling. «Silber-Röhrlinge sind sehr selten, und wachsen vor allem dort, wo es warm ist. Aber auf der Hinteri-Egg (BL) habe ich schon welche gefunden». Aber nicht nur essbare Pilze wandern in den Norden, sondern auch giftige wie der Purpur-Röhrling und der Satans-Röhrling. Sie verursachen schwere Magen-Probleme.

Schwierige Lage für Kontrolleure

Für Pilzkontrolleure sei das eine Herausforderung, erklärt Widmer. «Die Pilzwelt ist extrem dynamisch. Wir können uns auf nichts verlassen, und wir müssen immer auf dem neusten Stand sein». Deswegen absolviert Widmer jedes Jahr die Prüfung für Pilzkontrolleure, und nicht wie vorgeschrieben jedes zweite Jahr.

Er informiert sich dafür im Internet, auf der Seite der schweizerischen Vereinigung amtlicher Pilzkontrollorgane. «Dort gibt es aktuelle Listen, wo festgehalten wird, ob neue Pilzarten aufgetaucht sind». Ob die Pilzarten aus dem Süden die einheimischen Arten verdrängen, ist nicht bekannt. Sicher weiss Widmer, dass es Pilzarten gibt, die wegen den wärmeren Temperaturen rückgängig sind: Etwa der Habichts-Pilz, der als Gewürz verwendet werden kann.

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