Am Mittwoch hatte die Hauptverhandlung in Abwesenheit des Beschuldigten vor dem Amtsgericht Olten-Gösgen stattgefunden. Das aus Amtsgerichtspräsidentin Eva Berset sowie Gisela Stoll und Eugen Kiener bestehende Amtsgericht hat den 29-Jährigen am Freitag der mehrfachen Vergewaltigung, der mehrfachen sexuellen Nötigung sowie der mehrfachen Drohung zum Nachteil seiner Ehefrau schuldig gesprochen.

In einem Fall - hier ging es um ein Telefonat zwischen dem Beschuldigten und seinem Schwiegervater - hielt das Gericht die Drohung gegenüber seiner Frau nicht für erwiesen. Das gab Amtsgerichtsschreiber-Stellvertreterin Madeleine Altwegg gestern auf Anfrage bekannt.

Freigesprochen wurde der aus dem Kosovo stammende Mann dagegen vom Vorhalt der mehrfachen versuchten Nötigung sowie der mehrfachen Drohung zum Nachteil des Vaters seiner Ehefrau. Die erste Befragung dieses Privatklägers konnte nicht verwertet werden, weil seinerzeit die eigene Tochter seine Aussagen übersetzt hatte.

Bei der zweiten Befragung am Mittwoch in der Hauptverhandlung blieben seine Äusserungen konfus und die Geldforderungen erschienen dem Gericht wenig fundiert. Ein Teil der Bedrohungen, die er geltend machte, gingen zudem eher auf das Konto des Vaters des Beschuldigten und nicht auf jenes des Beschuldigten selber, wie dessen amtlicher Verteidiger Daniel Bitterli am Mittwoch darlegte.

Ein Jahr weniger als gefordert

Das Amtsgericht hat den Beschuldigten zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren - teilweise als Zusatzstrafe zu einem Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau vom 12. März 2009 - verurteilt. Mit diesem Strafmass blieb das Gericht um ein Jahr unter dem Antrag von Staatsanwältin Kerstin von Arx.

Es lehnte zudem den von der Staatsanwältin geforderten Widerruf des vom Aargauer Obergericht 2009 für eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren gewährten bedingten Strafvollzugs ab. «Das wäre dann schon etwas viel geworden», sagte dazu Madeleine Altwegg. «Wir waren der Meinung, dass es mehr Sinn macht, wenn er jetzt die aktuelle Strafe absitzen muss.» - Ob dies je der Fall sein wird, ist freilich fraglich: Der nun erstinstanzlich Verurteilte ist nämlich unbekannten Aufenthalts.

Kosten zulasten des Beschuldigten

Die Verfahrenskosten in der Höhe von insgesamt rund 10 000 Franken wurden dem Beschuldigten auferlegt. Hier habe das Gericht darauf verzichtet, Abstriche zu machen, hielt die Amtsgerichtsschreiber-Stellvertreterin fest: Erstens seien die Freisprüche, gemessen am Ganzen, eher marginal ausgefallen.

Und zweitens habe der Beschuldigte massgeblich zum Ansteigen der Gerichtskosten beigetragen, indem er mehrfach nicht zur Verhandlung erschienen sei. (In mehreren Punkten musste das Verfahren gegen den Beschuldigten auch eingestellt werden, weil die entsprechenden ihm vorgehaltenen Vergehen in der Zwischenzeit verjährt sind.)

Verschiedene Rechtsmittel möglich

Madeleine Altwegg machte weiter darauf aufmerksam, dass der Beschuldigte, da es sich um ein Abwesenheitsurteil handle, neben der Möglichkeit der Appellation auch über ein spezielles Rechtsmittel verfüge.

Er könne Antrag auf eine Neubeurteilung seines Falles stellen. Ob einem solchen Antrag dann auch stattgegeben werde, liess Altwegg durchblicken, sei allerdings eine andere Frage.

5000 Franken Genugtuung

Der als Privatklägerin auftretenden Geschädigten sprach das Amtsgericht eine Genugtuung in der Höhe von 5000 Franken zu. Auf alle weiteren Forderungen der Frau sowie ihres Vaters, die ihr Anwalt Guido Fischer geltend gemacht hatte, trat das Gericht nicht ein, respektive es verwies diese auf den Zivilweg.

Die Frau, selber Kosovarin, aber liberal aufgewachsen, wurde laut ihren Schilderungen von der Familie ihres Mannes wie eine Sklavin gehalten. Sie erlitt physische wie psychische Gewalt. Ehemann und Schwiegervater operierten nach dem Prinzip, sie selber (und nicht die in der Schweiz geltenden Normen) bildeten das Gesetz für die Frau.