Roman Cueni kennt das ja, regelmässig eröffnet der Leiter von Postauto Nordwestschweiz neue Buslinien, meistens hält er dabei eine kurze Ansprache. Aber die Inbetriebnahme des Ortsbusses in Oensingen scheint auch für ihn etwas Besonderes.

«So schnell haben wir selten ein neues Angebot ausgearbeitet», berichtete er stolz. Innert eines Jahres sei das Projekt abgeschlossen worden. «Normalerweise dauert das doppelt so lange.»

Von und nach allen Richtungen

Das Wetter zeigte bei der Einweihungsfeier am Samstag seine graue Seite. Klirrende Kälte und Eisregen, der die Strassen spiegelglatt werden liess. Trotzdem kamen Dutzende Menschen zum Schulhaus Oberdorf, feierten hier Oensingens neustes Schmuckstück. «Der Bus verbindet die Wohnquartiere», freute sich Regierungsrat Roland Fürst.

Die Gemeinde spiele im öffentlichen Verkehr ohnehin eine wichtige Rolle. Interregio-Züge fahren im Stundentakt nach Konstanz oder Biel, die Regionalzüge auf der Achse «Olten–
Biel» verkehren halbstündlich. Das «Bipperlisi» verbindet die Gemeinde mit Langenthal und Solothurn, die OeBB mit Balsthal. Dazu kommen Buslinien ins Thal und ins Gäu.

«Oensingen wird immer urbaner»

Nur: Innerorts hatte die weitläufige Gemeinde in Sachen öffentlicher Verkehr bisher wenig zu bieten. «Jetzt ist auch die Feinerschliessung gewährleistet», sagte Regierungsrat Fürst. Und Gemeindepräsident Markus Flury gab sich überzeugt: «Oensingen wird immer mehr zu einem urbanen Ort.» Tatsächlich war das rasante Wachstum ein Hauptgrund für die Schaffung des Ortsbusses. Vorerst soll dieser während einer zweijährigen Pilotphase getestet werden.

Über 250 Namensvorschläge

Im Pausenhof des Schulhauses stand er also. Gleichwohl geräumig wie unscheinbar wirkt der Mercedes-Kleinbus mit seinen 16 Sitzplätzen. Das Blumengesteck an seiner Schnauze war witterungsbedingt bereits etwas lädiert, als Gemeindepräsident Flury zum wichtigsten Akt dieses Tages schritt. Vorsichtig – begleitet von Trommelwirbeln und einem Böllerknall – löste er die Klebefolie, die das vorne rechts angebrachte Namensschild verdeckte.

Dann war es raus: «Oensingerli» heisst das gelbe Gefährt, eine liebevolle Anspielung an dessen Grösse. «Über 250 Namensvorschläge sind eingereicht worden», erzählte Flury, «die Einwohner-Jury hatte keinen einfachen Job.»

8-Kilometer-Tour

Während viele Gäste in der Schulhaus-Aula sassen und Wurstsuppe schlürften, setzten sich andere für einen Schnappschuss hinter das Steuer des Ortsbusses. Bevor dieser Ende Jahr seinen Dienst antreten kann, muss er letzte Feinarbeiten über sich ergehen lassen. Bis dann werden Ersatzbusse die neue Linie 125, die heute Montag den regulären Betrieb aufgenommen hat, bedienen.

Auf seiner acht Kilometer langen «Tour de Oensingen» bedient der Ortsbus von Montag bis Samstag 14 Haltestellen. Im Halbstundentakt und abgestimmt auf die Anschlüsse am Bahnhof. Betrieben wird der Bus vom Reiseunternehmen Wyss aus Boningen.