Am Wochenende herrscht in Oensingen reges Gedränge, die Besucher des Zibelimärets stehen Schlange. Pizzas, Hotdogs, Waffeln, Marroni, Hamburger, Älplermakkaroni. Die Auswahl an Verpflegungs-Möglichkeiten am 50. Zibelimäret ist gross. Nur vor wenigen Ständen stehen kaum Leute an. Es sind die traditionellen Stände, die Zibelistände, wo sich das Gedränge in Grenzen hält. «Es hat sich so viel verändert», seufzt Ursula Meise, Präsidentin des Kirchenchors, beinahe ein wenig wehmütig.

Die grösste Veränderung sei das Kaufverhalten der Besucher. Früher, das heisst im Jahr 1968, als der erste Zibelimäret stattfand, war es eben noch ein richtiger Märet. «Da waren noch alle Stände aus Holz und allerlei wurde angeboten», erzählt Meise, die schon vor 50 Jahren am Stand des Kirchenchors die traditionellen Zibelizöpfe verkaufte. «Jeder zweite Stand verkaufte Zwiebeln. Ess-Stände gab es damals kaum. Man ist in die Restaurants essen gegangen.»

Scharfer Test am „Zibelimäret“

Scharfer Test am „Zibelimäret“

In Oensingen startete heute der bekannte „Zibelimäret“. Die gesunden Zwiebeln sorgen aber zünftig Mundgeruch. Wer beisst trotzdem an?

Essen lockt die Leute an

Heute verpflegen sich die Besucher an den Ständen. Die Auswahl ist so gross, dass die Entscheidung schwerfällt. Noch schlagen sich die Zwiebel-Gerichte tapfer. Doch Fast Food, Snacks und Fingerfood holen auf. Viele essen im Stehen, Andere setzen sich gerne in die Zelte, auch um einmal kurz der Kälte zu entkommen. Das Älpler-Zelt der Musikgesellschaft Oensingen ist dafür ein beliebtes Ziel. Der Verein ist ebenfalls bereits seit den Anfängen des Märets mit dabei.

«Unsere Zubereitung ist heute einfach moderner», erzählt Präsident Christian Kunz. «Früher wurde direkt gekocht, jetzt wärmen wir das vorgekochte Essen auf.» Aber die Makkaroni kommen damals wie heute gut an. Vor ein paar Jahren hätte die Young Comfort Band, die Jugend-Band der Musikgesellschaft, noch Bastelware verkauft. Jetzt gibt es aber auch dort, wen wunderts, Essen. «Das zeigt, dass die Fress-Stände die Zukunft sind», so Kunz. Er habe zwar die Anfänge nicht miterlebt, aber diese Veränderung bemerke auch er. Zudem nehmen, laut Kunz, die Besucher am dritten Tag des Märets ab. «Der Montag war immer der Oensinger-Tag.» Aber früher seien die Besucher da noch zahlreicher gewesen. «Vielleicht muss der Zibelimäret revolutioniert werden», denkt er nach. «Vielleicht ist das einfach nicht mehr aktuell.»

Zibelistände sterben aus

Der Steckzwiebelanbau geht auf eine lange Dorftradition zurück. Diese neigt sich aber dem Ende zu. Nachdem vor 50 Jahren beinahe jede Familie den Eigenanbau betrieb, produziert sie heute nur noch ein Landwirt. Von ihm bezieht der Kirchenchor seine Zwiebeln. «Wir fangen zwei Wochen vor dem Märet mit der Vorbereitung an», erzählt Ursula Meise. «Dann suchen wir die Zwiebeln beim Bauern aus, putzen und flechten sie zu Zöpfen.» Vor 50 Jahren hätten die Frauen und Männer des Chors noch keine Vorstellung davon gehabt, wie viele Kilogramm Zwiebeln an einem Märet benötigt werden. «Da kam es auch vor, dass wir schnell, schnell noch Zöpfe flechten mussten», erzählt Meise und lacht. Rund 600 Kilogramm verkaufte der Kirchenchor dazumal. Heute sind es nur noch knapp 400.

«Wir wissen auch nicht, wie lange wir das noch machen können», sagt Meise. Das läge aber nicht nur an der zurückgehenden Nachfrage, sondern auch daran, dass kaum Junge nachziehen. «Wir werden schliesslich auch nur älter.» Und Hilfskräfte einstellen, wolle der Verein nicht. «Wenn wir das machen, dann machen wir das selbst», sagt die Präsidentin bestimmt. Noch bleibt der Chor der Tradition treu. Und ein Zibelimäret braucht schliesslich Zibeli. Sonst wärs ja kein Zibelimäret.