Wolfwil
Seit 50 Jahren Organist im Aaregäu – Georg Hafner wird mit einem Jubiläumsgottesdienst gefeiert

Zum Jubiläum seiner 50-jährigen Tätigkeit als Organist in Wolfwil beschenkte Georg Hafner die Kirchgemeinde mit einer musikalischen Ferienreise. Am Sonntag wird der Organist mit einem Jubiläumsgottesdienst gefeiert.

Erich Schenker
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Noch voller Gestaltungsfreude: der Organist Georg Hafner.

Noch voller Gestaltungsfreude: der Organist Georg Hafner.

zvg

An sechs Sonntagen ertönte in Wolfwil festliche Orgelmusik von Organist Georg Hafner aus je einer Stilepoche von beliebten Ferien-Destinationen. Er begann die Reihe der mit Musik aus dem Spanien des 16. Jahrhunderts. Es war die Zeit der Renaissance, in der die Orgel in der Kirchenmusik an Bedeutung gewann und einen ersten Höhepunkt erlebte.

Jubiläumsgottesdienst

Sonntag, 16. September, 10 Uhr, Pfarrkirche Wolfwil

Sie war nicht mehr nur Begleitung des Gesangs, sondern wurde zum eigenständigen Instrument. Einer der wichtigsten Vertreter dieser Zeit war Antonio de Cabezon. Die eindrücklichen, uns urtümlich anmutenden, archaischen Stücke komponierte er als einer der ersten mehrstimmig, Sopran-, Alt-, Tenor- und Bassstimmen, wobei die unteren Stimmen nur mit einem Buchstaben bezeichnet wurden. Daneben ertönten Werke von Heliadorus de Pavia und Thomas de Santa Maria und als Zugabe die berühmte Melodia del Sor.

Von Italien in die Schweiz

Die zweite musikalische Ferienreise führte die Wolfwiler Kirchgemeinde nach Italien des 17. Jahrhunderts. In Italien löste die frühbarocke Musik die Epoche der Renaissance ab. Die mit der Musik ausgedrückten und beim Zuhörer bewirkten Empfindungen waren eindrücklich. Es ertönten Werke von Arcangelo Corelli, Girolamo Frescobaldi, eine filigrane Aria von Giovanni Zipoli und ein kräftiges rhythmisches Präludium von Giovanni Battista Sammartini. Ein esoterisch anmutendes Stück aus dem 20. Jahrhundert von Monsignor Luciano Migli-avacca bereicherte das Programm.

Am Sonntag nach dem ersten August erklangen Werke von Schweizer Komponistenaus dem 20 Jahrhundert. Der Organist Georg Hafner wählte Orgelwerkevon Samuel Ducommun (Neuenburg), Albert Jenny (Luzern) und Bernhard Reichel (Genf) aus. Die modernen, ungewohnten Harmonien ver-stand der Organist gefühlvoll zu interpretieren, so dass die Kirchgemeinde auch an diesem Sonntag die musikalische Gottesdienst-Mitgestaltung geniessen konnte.

Deutsche Spätbarockmusik

Im Frankreich des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Orgelmusik zu einem grossartigen Höhepunkt: die Romantik. Deren Hauptvertreter ist Cesar Frank, von dem der Organist die A-Dur Sonate und das mystische «Piece heroique» zur Kommunion interpretierte. Im weiteren erklangen Werke des verträumten Schülers von Cesar Frank, Charles Tournemire, dann «Le Cygne» aus Le Carnaval des Animaux von Camille Saint Saens und zudem ein Werk von Alexandre Guilmant. Den Auszug begleitete die mächtige «Fragment Symphonique» von Edmond Lemaigre.

Den Abschluss des Zyklus bildete Musik des Spätbarocks (18. Jh.) aus Deutschland mit Werken von Georg Böhm, Johann Gottfried Walther, Jo-hann Georg Albrechtsberger, dem süd-deutschen Komponisten Franz X. A. Murschhauser und Johann A. Kobrich. Der Höhepunkt bildete an diesem Sonntag das Präludium in e-moll, BWV 533 von Johann Sebastian Bach zum Auszug.

Was wäre eine Ferienreise ohne Erinnerungen. Diese zeichnete Georg Hafner am letzten Sonntag mit je einem Werk aus den besuchten Stilepochen, beginnend mit dem 16. und endend mit dem 20. Jahrhundert. So öffnete sich den Kirchgängern die glanzvolle Entwicklung der abendländischen Orgelmusik an einem einzigen Sonntagsgottesdienst.

Die Kirchgemeinde Wolfwil feiert ihren treuen Organisten Georg Hafner am Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag mit einem Jubiläumsgottesdienst. Der Kirchenchor wird für ihn die Toggenburger Messe «Juchzed und Singed» von Peter Roth singen.