Ginge es um ein Ehepaar, so würde man von der goldenen Hochzeit sprechen. Hier handelt es sich allerdings um Jo Bucher (74), der heuer im Herbst das Jubiläum seiner Tanzschule feiern wird, die am 10. November 2013 50 Jahre alt wurde.

Dabei ist er vom Tanzen noch immer so begeistert, wie er dies mit zarten 17 Jahren war, als er es für sich entdeckte. «Damals besuchte ich einen Tanzkurs und war ein eifriger Schüler», erinnert er sich.

Und eifrig gings dann auch gleich weiter: Nach seiner KV-Lehre absolvierte er 1960 an der Tanzschule Fromm Basel die Standard-Ausbildung sowie 1961 die Latein-Ausbildung an der Tanzschule Kaiser Zürich und hielt schliesslich am 10. November 1963 seinen Fähigkeitsausweis für den Tanzlehrer-Beruf in Händen. «Das Ziel war von Anfang an eine eigene Tanzschule», so Bucher.

Nachdem er sich die für dieses Vorhaben benötigte Stange Geld durch seine mobile Tanzschule, mit der er durch die ganze Schweiz gereist war, beschafft hatte, konnte er seine Pläne endlich realisieren: 1975 wurde er mit seiner Tanzschule an der Baslerstrasse 44 in Olten erstmals sesshaft.

«Es darf kein Stress aufkommen»

Alleine stemmen musste er das Ganze allerdings nicht – seine spätere Frau Thérèse Bucher (55) stand ihm von 1983 bis heute als Tanzlehrerin zur Seite. «Die Leute sollen tanzen und lachen können», nennt sie das Hauptziel und ihr Ehemann ergänzt: «Zentral ist, dass die Leute Freude am Tanz entwickeln und kein Stress aufkommt.» Ganz getreu dem Motto «Sech träffe ... tanze ... de Plausch ha!» also. Das hat sich gemäss dem Tanzlehrer in all den Jahren nicht verändert.

Im Gegensatz dazu war das Tanzschul-Business weniger von Konstanz geprägt. «Mit der Zeit schossen Tanzschulen wie Pilze aus dem Boden, wobei mit ungleichen Spiessen operiert wurde.

Es gab Anbieter, die über keine Ausbildung verfügten, trotzdem aber von einer Tanzschule sprachen», so Bucher. Sie müssten heute mehr um die Leute kämpfen, schildert Thérèse Bucher die Situation und bringt mit der Video-Plattform Youtube einen weiteren Punkt ins Spiel, der die Mitgliederwerbung erschwert. «Die Leute schauen sich heute Tanzvideos an und erlernen es auf diese Weise.» – Da scheint eine kostenpflichtige Tanzschule natürlich überflüssig. Was allerdings YouTube nicht bieten könne, sei das Erlernen der Details wie auch Kontrolle und Korrektur der Bewegungsabläufe, rücken die beiden einen Vorteil ihrer Einrichtung in den Vordergrund.

Sich den Trends nicht verschlossen

Buchers sind Veränderungen aber keineswegs abgeneigt – so habe man das Angebot laufend mit neu aufkommenden Trends wie West Coast Swing oder Disco Fox erweitert. Trotzdem laufen sie nicht jedem Hype hinterher: «Zumba bieten wir nicht an», meint Jo Bucher; dafür seit eh und je die nach wie vor beliebten Standardtänze (Wiener Walzer, Tango etc.), die seines Erachtens auch in Zukunft nicht vom Parkett verschwinden werden.

«Früher machte man einfach mal einen Tanzkurs, heute kommen die Leute mit speziellen Wünschen zu uns», macht seine Ehefrau dennoch einen Unterschied in der Nachfrage aus. Doch egal, welcher Tanz – die Technik ist gemäss Jo Bucher zeitlos. «Solange man auf zwei Beinen geht, gilt die Technik.»

Männer minim in Unterzahl

Einem Wandel unterworfen war und ist hingegen das Geschlechterverhältnis in den Tanzstunden. Während zu Anfangszeiten viermal mehr Männer als Frauen seine Kurse besuchten, habe sich dieser Umstand «gottlob» normalisiert und die Frauen seien heute sogar minim in der Überzahl, so Jo Bucher erleichtert.

Doch woran liegts, dass Männer heutzutage eher tanzscheu sind? «Nach meinen Erfahrungen ist dies mit dem männlichen Ego zu begründen. Männer meinen nämlich, sie würden alles können.» Sobald sich einer aber auf das Tanzen und somit eine neue Situation einlasse, bekomme er es anfangs mit der Angst zu tun, begründet der Tanzlehrer.

Aber nicht nur bei den Männern soll das Tanzen wieder einen höheren Stellenwert geniessen – das Ehepaar ist darum bemüht, es auch anderen Zielgruppen schmackhaft zu machen: So soll etwa die Generation 50 plus ihre Erfüllung in der Tanzschule finden, weshalb man für diese vor gut einem Jahr einen entsprechenden Kurs lanciert hat. Ausserdem wurde im Januar letzten Jahres ein Angebot für Senioren ins Leben gerufen. «Das Tanzen wurde zu deren Hobby», weiss Jo Bucher.

Umzug nach Dulliken lohnenswert

Platz für Leute jeden Alters bietet der relativ neue Standort allemal. Die grassierende Parkplatznot und die mit 2,30 Metern zu tiefen Räume bewogen Buchers 2009 dazu, die Baslerstrasse zu verlassen. Grund zur Trauer war der Umzug jedoch nicht: Die jetzigen Räumlichkeiten in Dulliken bieten nämlich mehr Platz und höhere Räume, was eine «gescheite» Einrichtung ermöglicht hat, wie das Ehepaar schwärmt. «Die Lokalität hier verströmt mehr Tanzatmosphäre», konkretisiert Jo Bucher.

Denkt er denn nicht langsam daran, die Tanzschuhe in den Schrank zu stellen und in Pension zu gehen? «Lindt und Sprüngli sind ja auch mindestens hundertjährig», winkt er die Frage schmunzelnd ab. Seinen Lieblingstanz Boogie-Jive hat das Ehepaar jedenfalls noch immer drauf, wie eine kleine Kostprobe beweist.