«Ich hätte mich vor 22 Jahren nicht getraut, einen serbischen Abend zu veranstalten», sagt Radica Cembic. Die Schweizer Bürgerin mit serbischen Wurzeln wirtet seit mehr als zwei Jahrzehnten gemeinsam mit Ehemann und Koch Borislav Cembic im Restaurant Eintracht in Wolfwil. Das Paar holte das Gasthaus im Jahr 1997 zurück ins Leben, nachdem es drei Monate lang leer gestanden war, und brachte es wieder fest ins Dorfleben der Wolfwiler ein.

Das Ehepaar wollte sich dieser schwierigen Herausforderung stellen und hat sie im Rückblick erfolgreich gemeistert. Heute bewirten die beiden jegliche Dorfvereine, Stammgäste und sind Austragungsort verschiedener Wolfwiler Anlässe. Kürzlich füllten sich ihre Räumlichkeiten im Rahmen einer allerersten Degustation des Weines aus dem eigenen Weingut in Serbien unter dem Motto «Serbischer Abend» mit Freunden, Familie, Geschäftspartnern und Stammgästen. Die Cembics pflegen seit 22 Jahren wieder die Eintracht in Wolfwil, im wahrsten Sinne des Wortes.

Akzeptanz gewinnen

«Man kommt in ein ländliches Dorf und muss zuerst schauen, ob man als Ausländer von der Bevölkerung akzeptiert wird», fährt Radica Cembic fort. Ein serbischer Abend wäre damals wahrscheinlich weniger erfolgreich gewesen, bestätigt ein guter Freund der beiden, Jörg Ackermann. Er will seine anfängliche Skepsis nicht verbergen. Die Eintracht sei vor den Cembics Jahrzehnte lang von Wolfwilern geführt worden. Der Wechsel zu Besitzern mit ausländischem Hintergrund habe daher Misstrauen im Dorf geweckt, ehe die Cembics die Gemeinde eines Besseren belehrten. Mit einer gutbürgerlichen Schweizer Küche sowie Freigetränken und Plättchen aufs Haus holten sich Radica und Borislav Cembic die Gunst vieler Vereine und die Sympathie des Dorfes. «Das war ein sehr sympathischer Start von ihnen», erinnert sich Jörg Ackermann. Nach und nach lernten die Wirte das Dorf kennen, erfreuten sich regelmässig über neue Stammkunden und beteiligten sich an Dorfanlässen wie die Fasnacht. Der Anker war damit gesetzt.

«Wir begegnen allen Gästen mit derselben Gastfreundschaft, ob Freund oder Unbekannter, ob mit oder ohne Krawatte», verrät Radica Cembic ihr persönliches Erfolgsgeheimnis. «Man darf nicht merken, ob man jemanden kennt oder nicht.» Das unterscheide einen guten Gastgeber von einem normalen Wirten. «Wenn die Atmosphäre stimmte, haben wir jeweils eine Runde ausgegeben», untermauert sie ihre Philosophie des Gebens und des Nehmens mit dem Dorf. An solch einem heiteren Abend am Stammtisch sei beispielsweise auch die Idee zum Schweizermeisterschaftsturnier im «Meggelen» (siehe Box) entstanden, die jedes Jahr an Pfingsten beim Restaurant stattfindet: Die Strasse hinter der Eintracht wird gesperrt und dient als Austragungsort, während das Restaurant die nötige Infrastruktur und Verpflegung bietet. Das «Meggelen» war den beiden Wirten nicht ganz unbekannt: Borislav Cembic habe es in ähnlicher Form als Kind in Bosnien gespielt, nur hiess es dort anders.

Die Meggelen-Schweizer-Meisterschaft ist unterdessen zum festen Bestandteil des Dorfkalenders geworden. Und genauso fest haben sich die Wirte Radica und Borislav Cembic in den letzten 22 Jahren mit der Eintracht im Dorf verankert. Nebst dem Restaurant zur alten Post ist sie die einzige Beiz, die von ursprünglich sechs, übrig geblieben ist und die Wirte haben keine Absichten, dies in nächster Zeit zu ändern.