Wolfwil
Schweizer-Meisterschaften: TV-Team bringt nervöse «Jätter» ins Schwitzen

Bei den 7. Schweizer Meggelen-Meisterschaften in Wolfwil war auch das Schweizer Fernsehen dabei. Einige Spieler haben sich deshalb besonders ins Zeug gelegt, um vor der Kamera gut auszusehen. Das konnte aber auch nach hinten losgehen.

Erwin von Arb
Drucken
Teilen
Das Meggeli aus Buchenholz muss mit dem Stecken möglichst weit durch die Reihen der gegnerischen Mannschaft geschlagen werden.

Das Meggeli aus Buchenholz muss mit dem Stecken möglichst weit durch die Reihen der gegnerischen Mannschaft geschlagen werden.

HR.Aeschbacher

Unglaublich, das darf doch nicht wahr sein», ruft Kurt Ackermann vom Team
Lady Gaga, mit sich selber hadernd, in die Runde, nachdem er das Meggeli bereits zum dritten Mal nicht richtig mit seinem Stecken getroffen hat. Dass daran das auf dem Spielfeld beim Restaurant Eintracht anwesende Reporterteam vom Schweizer Fernsehen schuld ist, stellt der 43-Jährige in Abrede: «Wir sind dieses Jahr einfach schlecht, die TV-Leute spielen dabei keine Rolle», meint Ackermann selbstkritisch. Nach dem Abzug des TV-Teams räumt er aber dann doch ein, dass er als Jätter vor laufender Kamera besonders gut habe aussehen wollen. Bei diesem aus früheren Zeiten stammenden Spiel geht es darum, das 11,3 Zentimeter lange Meggeli aus Buchenholz mit einem Stecken möglichst weit durch die gegnerischen Reihen zu schlagen.

Auch Leute aus dem zahlreich aufmarschierten Publikum lassen sich vom anwesenden SRF-Team beeindrucken. «Als die Kamera auf mich gerichtet war, habe ich schnell den Bauch eingezogen», sagt eine etwa 50-jährige Frau zu ihrer Nachbarin, während sie an ihrem Kleid herumzupft. Nicht in Szene setzen muss sich OK-Chef Marcel Ackermann, der sich darüber freut, dass das Schweizer Fernsehen endlich den Weg ins Aaregäu gefunden hat. Bei der siebten Einladung habe es endlich geklappt. Das Fernsehen wolle in der SRF-Sendung «Schweiz aktuell» zeigen, wie das nur in Wolfwil gespielte Meggele funktioniere und was dahinterstecke.

Der Meggeli-Werkstatt von Karl Büttler haben die TV-Leute ebenfalls einen Besuch abgestattet, wie Ackermann erwähnt. Dort wurden für die 7. Schweizer Meggelen-Meisterschaften 2014 insgesamt 30 Stecken und 90 Meggeli hergestellt. Viele dieser Meggeli werden bis zum Ende des Turniers wohl nicht übrig bleiben. Wegen des hohen Verschleisses oder weil sie in Büschen oder in Dachrinnen landen, werden davon pro Spiel bis zu vier Stück benötigt.

An den seit Pfingstmontag laufenden Schweizer Meisterschaften nehmen 24 Mannschaften mit 120 Spielerinnen und Spielern teil. Zwei Drittel der 5er-Teams stammen aus Wolfwil, auswärtige Mannschaften kommen aus Roggwil, Fulenbach und Egerkingen. Zu den Auswärtigen zählt auch das Team «Die Optimisten», welches in Wolfwil bereits zum sechsten Mal dabei ist. «Wir stammen mit einer Ausnahme alle aus der Egerkinger Familie Wagner», sagt Patrick Wagner stellvertretend. Mitmachen würden sie, weil sie während ihrer Schulzeit oft dem Meggeli-Spiel gefrönt hätten. «Wenn es früher irgendwo eine Meggeli-Hochburg gab, dann in Egerkingen», meint der 45-Jährige überzeugt. Genützt hat dem Egerkinger Team diese Erfahrung allerdings herzlich wenig. Bereits am Donnerstagabend muss es beim Viertelfinal die Segel streichen. In Anlehnung an ihren Namen wollen «Die Optimisten» nächstes Jahr einen neuen Anlauf nehmen, um den Titel endlich ins Berggäu zu holen.

Am Freitag setzt sich das aus vier jungen Wolfwilern und einem Auswärtigen bestehende Team mit dem verheissungsvollen Namen «An der Bar gibts’s Freibier» gegen die routinierte Mannschaft «Chili die Ziege» durch. Die Youngster freuen sich über ihren Sieg. «Wir haben zum ersten Mal in dieser Formation mitgemacht», sagt Sandro Büttler. Jetzt werde erst mal gefeiert, so der 21-Jährige. Zufrieden ist auch OK-Präsident Marcel Ackermann. Ganze sieben Minuten habe «Schweiz aktuell» aus Wolfwil vom Meggelen berichtet. Darauf könne man durchaus stolz sein. Das findet auch Gemeindepräsident Georg Lindemann. Das sei gute Werbung für das Dorf und das Meggeli-Turnier. Ob daraus wegen des nun nationalen Bekanntheitsgrads eine echte Schweizer Meisterschaft mit Teams aus dem ganzen Land wird, muss sich noch weisen. Für die Wolfwiler ist das zweitrangig. Für sie zählt der Plausch, so die einhellige Meinung.

Aktuelle Nachrichten