«Die Wallfahrten zum Inselheiligtum, einer Ikone, die hier Panagia genannt wird, haben stark zugenommen.» Peter Kaser, der inzwischen auf Tinos viele der 8500 Einwohner kennt, beobachtet seit Jahren, wie sich die Lage verschärft. Einige Reiche gebe es, doch das Gros der Leute seien Bauern, Fischer und Handwerker. «Zuerst mussten die 1500 albanischen Taglöhner heimkehren. Sie wurden hier nicht mehr gebraucht.»

Zuerst habe man von Tumulten in Athen gehört, seit fünf Jahren mehrten sich aber die Krisensymptome auch auf Tinos. Kollabierende Schulkinder, die kein Zmorge vor dem Unterricht erhalten haben, Rentner, die in den Restaurants nur noch zum Diskutieren beim Gratisglas Wasser sitzen, sich aber keinen Kaffee mehr leisten können. «Und die guten Restaurants verschwinden.

An ihre Stelle treten Fastfood-Lokale, wo es Souvlaki für 1.50 Euro gibt.» Peter und Marianne Kaser kennen viele Leute mit grossen Sorgen. «Eine Freundin hat ein Restaurant im bergigen Innern der Insel. Die Besucherzahl ist drastisch geschrumpft.» Ein Gutes aber habe die Krise: Die Inselbewohner würden wieder vermehrt zu Selbstversorgern. «Die vormals verwilderten Gärten und Olivenhaine werden wieder gepflegt.»

Merkel auf griechisch

«Schuld an der Misere sind beide», mag Peter Kaser weder die EU noch die Griechen hauptverantwortlich für die Zuspitzung der Krise machen. Doch die Regierung werde wohl wieder bei den Kleinen sparen. «Die Griechen meinen immer, die anderen sind schuld.»

Als Kenner der Verhältnisse weiss Kaser, wie die Griechen ticken. Sie sähen sich immer noch als Wiege des Abendlandes, die einst führende Kulturnation Europas. Der Nationalismus werde schon den Kindern eingeimpft, durch die Schule, die Kirche, später auch durch die einheimischen Medien. Informationen von aussen nimmt man nicht zur Kenntnis oder will es nicht. Peter Kaser liefert ein Beispiel für diesen Reflex: «Im Fernsehen zeigte man eine Rede von Angela Merkel. Auf Griechisch wurde sie jedoch völlig anders übersetzt.»

Trotz allem stimmt für das Ehepaar das Leben in Tinos noch. Im April habe es zwar plötzlich Verzögerungen mit der Geldüberweisung aus der Schweiz gegeben. «Morgen habe ich eine Sitzung mit meiner Bank in Balsthal, wie wir das Problem am besten lösen.» Letzte Woche noch sei alles normal gewesen. «Wir kaufen, soweit es geht, nur einheimische Produkte. Und manchmal gebe ich im Dorfrestaurant eine Runde aus», versucht Peter Kaser die Einheimischen etwas zu unterstützen.

Sei doch in den letzten Jahren auf der Insel «das Lachen allmählich verschwunden». Die Touristen kämen aber weiterhin und auch Kasers bleiben Tinos im Herbst und Frühling treu: «Wir werden jedenfalls den Mietvertrag unserer Wohnung um fünf Jahre verlängern.»

Vom 7. bis 22. August zeigt Marianne Rohrer Kaser Fotos von Tinos im Solothurner Restaurant Akropolis.