Erlinsbach AG/SO
Schule will Senioren in Schulklassen einsetzen

Die Schule Erzbachtal plant, Seniorinnen und Senioren nach den Herbstferien in einzelnen Schulklassen einzusetzen. Dies während eines halben Tages pro Woche. Interessierte Rentnerinnen und Rentner dürfen sich melden.

Beat Wyttenbach
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Sie waren die Referenten (von links): Beda Hug, Roland Guntern, Monika Gajon und Peter Zuberbühler.

Sie waren die Referenten (von links): Beda Hug, Roland Guntern, Monika Gajon und Peter Zuberbühler.

Beat Wyttenbach

Die Schule Erzbachtal und Pro Senectute Aargau hatten am späten Dienstagnachmittag zu einem Info-Anlass in die Kretzhalle in Erlinsbach AG eingeladen. Thema war «Generationen im Klassenzimmer Erzbachtal». «Ziel ist es, Kinder und Senioren zusammenzubringen. Die Senioren bringen Lebenserfahrung mit, die Kinder sind jung und dynamisch, und die Lehrkräfte werden entlastet.

Dies wird eine Bereicherung für den Unterricht sein, eine Win-win-Situation für alle Beteiligten, auch für die Klassenlehrkräfte», fand der zuständige Stufenleiter Beda Hug bei der Begrüssung. Über 30 Lehrpersonen und Senioren waren erschienen. Die zuständige Ansprechperson bei Pro Senectute Aargau, Monika Gajon ihrerseits stellte das 1917 gegründete Unternehmen vor, welches es sich zum Ziel gesetzt hat, die Lebenssituation von Seniorinnen und Senioren zu verbessern.

Freiwilligenarbeit ist wichtig

Roland Guntern, Bereichsleiter Gemeinwesenarbeit bei der Pro Senectute Kanton Aargau, brachte in der Folge den Anwesenden Statistisches zur Freiwilligenarbeit nahe, der auch das geplante Engagement von Seniorinnen und Senioren in der Schule Erzbachtal zuzuordnen ist. So war zum Beispiel zu erfahren, dass Freiwilligenarbeit ein Drittel bis die Hälfte des Bruttoinlandproduktes ausmacht, dass Frauen sich viel mehr dafür zur Verfügung stellen als Männer und dass die Freiwilligenarbeit in den letzten Jahren eher rückläufig war.

Zur Generationenbeziehung im Allgemeinen hielt Guntern fest, dass es wichtig sei, sich für die Kinder einzusetzen, da sie die Zukunft der Gesellschaft bilden. Und diese würden «einen Jungbrunnen» für die ältere Generation bilden. Bei diesem Projekt könnten alle Seniorinnen und Senioren mitmachen, die Freude an Kindern haben, so Guntern. Sie würden dann einen halben Tag pro Woche eine Schulklasse besuchen. Das Ziel sei es, Brücken zu bauen, das gegenseitige Verständnis zu fördern, den Austausch zwischen den Generationen zu gewährleisten, Vorurteile zwischen Alt und Jung abzubauen sowie einander gegenseitig mit Toleranz, Respekt und Vertrauen zu begegnen.

Aktiver Lebenskundeunterricht

Die Begegnung dreier Generationen im Schulalltag sei aktiver Lebenskundeunterricht, erklärte Guntern. Man könne die unterschiedlichen Lebenserfahrungen einbringen nach dem Motto: «Wie dachte man früher und wie heute; was war alles anders?» Dabei sollen die Seniorinnen und Senioren zuhören, vorlesen, diskutieren, erzählen, eigene Erlebnisse einbringen, die Klasse bei Exkursionen begleiten, die Kinder bei Spielsituationen unterstützen, praktische Hilfe und Unterstützung beim Malen und Werken leisten, Einzelarbeiten begleiten sowie die Kinder beim Vorgehen und bei der Zielsetzung unterstützen. «Aber es geht nicht darum, als Hilfslehrer zu arbeiten, diese sind ausgebildete Pädagogen», betonte Guntern.

«Voraussetzungen zum Mitmachen sind nebst der Lebenserfahrung die Lust auf diese Aufgabe; Einfühlungsvermögen, Geduld und Humor; Kommunikations- und Teamfähigkeit sowie Toleranz», so Guntern. Ferner dürfen die Seniorinnen und Senioren die Klasse nur begleiten, und sie müssen den Lehrstil der Lehrperson akzeptieren. Sie nehmen also keine pädagogische Funktion im engeren Sinne wahr. Einsätze seien primär auf Stufe Kindergarten, Unter- und Mittelstufe vorgesehen, in Einzelfällen auch auf der Oberstufe.

Erfahrungen austauschen

Den Ablauf sieht Guntern wie folgt: Zunächst finden Vorgespräche mit den zuständigen Stellen von Pro Senectute statt; der Einsatzort wird durch die Schulleiter bestimmt. Dann folgen Vorgespräche zwischen den Lehrkräften und den Senioren. Es wird die Zusammenarbeit zunächst für ein Quartal vereinbart. Ein Aussetzen oder eine Auszeit ist jederzeit möglich; die Verantwortung liegt bei der Lehrperson. Entschädigung gibt es keine, jedoch Spesen für die Hin- und Rückfahrt. «Zudem erwarten wir, dass die Seniorinnen und Senioren an den Erfahrungsaustausch-Gesprächen teilnehmen», merkte Guntern an.

Wie er festhielt, werde «Generationen im Klassenzimmer» schon an 60 Schulen im Aargau erfolgreich angewandt; man habe durchwegs positive Reaktionen einholen können. «Nutzen Sie die Chance. Das Projekt ist erfolgreich», machte er Werbung. Eine spontane Umfrage durch den Bereichsleiter Gemeinwesenarbeit ergab übrigens, dass neun anwesende Lehrkräfte es sich vorstellen könnten, einen Senior oder eine Seniorin aufzunehmen, und vier der anwesenden Senioren wären bereit, bei einem solchen Projekt mitzumachen. «Dies ist ein erfreuliches Ergebnis», hielt Stufenleiter Hug fest. «Unser Ziel ist es, nach den Herbstferien zu starten».

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