Kreisschule Gäu

Schuldirektor: «Mobbing hört nicht nach der Schule auf»

Schuldirektor Christoph Kohler bereitet die starke Zunahme vom Mobbing unter Jugendlichen Sorgen.

Schuldirektor Christoph Kohler bereitet die starke Zunahme vom Mobbing unter Jugendlichen Sorgen.

Ende 2015 geriet die Kreisschule Gäu in die Schlagzeilen. Ein Jugendlicher nutzte ein Enthauptungsvideo, um einem Mitschüler zu drohen. Christoph Kohler, der Schuldirektor äussert sich nun zum Schulklima.

Die Kreisschule Gäu geriet Ende 2015 in die Schlagzeilen, weil Schüler mittels Handy ein Video im Umlauf brachten, das die Enthauptung eines Menschen durch IS-Henker vor laufender Kamera zeigt. Der Fall flog auf, weil dieses Video von einem anderen Schüler benutzt wurde, um einem Mitschüler damit zu drohen.

Die vier bis fünf involvierten Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 14 Jahren müssen sich dafür vor dem Jugendanwalt verantworten (wie berichteten). Diese Zeitung fragte Schuldirektor Christoph Kohler, wie sich dieses Vorkommnis auf das Klima in der Schule ausgewirkt hat und ob Mobbing an der Kreisschule Gäu ein Thema ist.

Herr Kohler: Hatte das erwähnte Gewaltvideo Auswirkungen auf den Schulbetrieb?

Christoph Kohler: Nein. Es handelt sich hierbei um einen Einzelfall. Die meisten Kinder verhalten sich ja äusserst korrekt und halten sich an die Regeln.

Gab es Sanktionen für die darin verwickelten Schüler?

Vorerst warten wir die Ergebnisse des laufenden Verfahrens ab. Der Austausch von Videos mit gewalttätigem Inhalt innerhalb der Schülerschaft wird an der Kreisschule Gäu nicht toleriert. Weitere schulinterne Sanktionen sind nicht auszuschliessen.

Welche Konsequenzen hat der Vorfall für den Schulalltag?

Es handelt sich hierbei um ein Phänomen, welches alle Schulen und somit die gesamte Gesellschaft betrifft. Der beste Schutz gegen die Verbreitung von unerträglichen Gewaltdarstellungen, Pornografie und Mobbing mittels Smartphone ist ein positives Schulklima.

Daran arbeiten wir täglich von neuem. Wo sich Kinder und Lehrpersonen mit Vertrauen begegnen, ist das Risiko von Cyberdarstellung und Cybermobbing gering. Dadurch, dass der Vorfall an unserer Schule publik wurde, bestätigt uns, dass die Strategie einer offenen und wertschätzenden Haltung gegenüber den Kindern der richtige Weg ist.

Wir setzen an der Kreisschule Gäu weiterhin auf eine umfassende Prävention und hoffen darauf, dass sich alle Kinder und Jugendlichen, die Kenntnis über solche Vorfälle haben, umgehend an eine Vertrauensperson wenden.

Wir schauen nicht weg und nehmen jeden Vorfall ernst. In diesen Bereichen gilt an der Kreisschule Gäu die Null-Toleranz-Grenze.

Gibt es für Schüler Vorschriften zur Handhabung der Handys?

Wie an den meisten Schulen wird die Handhabung der Handys innerhalb der Schulhausordnung geregelt. An der Kreisschule Gäu ist die Nutzung der Handys während des Unterrichts und der Pausen grundsätzlich nicht erlaubt. Die Kinder können die Geräte im persönlichen Spint deponieren.

Sind Drohungen und Mobbing an der Schule ein Thema?

Nein, Drohungen und Mobbing sind an der Kreisschule kein Thema. Eine aktuell durchgeführte Befragung bei 421 Schülerinnen und Schülern hat ergeben, dass sich lediglich zwei Kinder gemobbt fühlen (siehe auch Artikel rechts). Diese sind der Schulsozialarbeiterin bekannt. Entsprechende Massnahmen wurden in die Wege geleitet.

Welches sind die Ursachen von Mobbing und welche Schüler werden gemobbt?

Jede Schülerin, jeder Schüler kann von Mobbing betroffen sein. Eine wichtige Rolle spielen gruppendynamische Aspekte: Eine neu zusammengewürfelte Klasse, der oder die «Neue» in einer Klasse, aber auch persönliche Aspekte wie Eifersucht, Konkurrenzdruck oder andere Gründe bilden ein mögliches Motiv.

Generell ist Mobbing ein Symptom für gestörte Kommunikation: Die Opfer werden isoliert, die Täter bekommen keine Rückmeldung über die Auswirkungen ihrer Schikane, und die passiven «Zuschauer» sind ratlos, haben Angst oder verhalten sich auch in gewisser Weise voyeuristisch.

Wie erfährt die Schulleitung von Mobbing und was wird dagegen unternommen?

Wie bereits erwähnt, sind ein gutes und auf Vertrauen aufbauendes Unterrichtsklima sowie Präventionsprogramme wichtige Mosaiksteine für einen positiven Umgang mit den neuen Medien. Es ist in jedem Fall überaus wichtig, sich jemandem anzuvertrauen.

Am besten eignen sich die Eltern, die Klassenlehrperson oder die Fachperson der Schulsozialarbeit. Es ist wichtig, als Mobbing-Opfer nicht alleine dazustehen. Deshalb ist es dringend notwendig, sich anderen Menschen anzuvertrauen.

Wir nehmen die Thematik des Mobbings an der Kreisschule Gäu ernst. Oftmals ist den Jugendlichen, welche einen Mitschüler mobben nicht bewusst, was sie dem Opfer antun.

Wir heute mehr gemobbt als früher?

Eindeutig. Noch vor wenigen Jahren galt Mobbing unter Jugendlichen als marginales Problem. Mobbing unter Jugendlichen erachte ich als ein sehr ernst zu nehmendes gesellschaftliches Phänomen. Die deutliche Zunahme von Kinder und Jugendlichen zu Mobbing ist eine grosse Herausforderung der heutigen Gesellschaft.

Nicht nur die Schulen sind gefordert. Nur durch eine kooperative Unterstützung und ein massgebliches Mittragen an Verantwortung durch das Elternhaus werden wir der extremen Hilflosigkeit und Verzweiflung der betroffenen Jugendlichen entgegnen können.

Das Mobbing hört nicht nach der Schule auf. Die Geplagten sind auch zu Hause nicht davor sicher.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1