«Bata meets Bally»
Schuhgeschichten aus der Schweiz bis im Juni im Schönenwerder Ballyana

Die Vernissage zur Ausstellung «Bata meets Bally» vom Sonntag stiess auf reges Interesse. Sie zeigt unter anderem die Rivalität der beiden Schuhmarken. Alfred M. Niederer war für beide Unternehmen tätig und konnte Vergleiche ziehen.

Madeleine Schüpfer
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Eine Besucherin studiert die Werbeplakate.

Eine Besucherin studiert die Werbeplakate.

Bruno Kissling

Am Sonntag fand im Ballyana, Sammlung Industriekultur, an der Schachenstrasse 24 in Schönenwerd eine Vernissage-Matinée statt, die sich auf eine unterhaltsame Art mit den berühmtesten Schuhgeschichten in der Schweiz befasste, mit Bata in Möhlin und mit Bally in Schönenwerd. Zu Beginn der Veranstaltung begrüsste Ballyana-Präsident Philipp Abegg die zahlreich erschienenen Gäste und gab seiner Freude darüber Ausdruck, dass so viele sich Zeit genommen hätten, diese Matinée und Ausstellung zu besuchen, die bis Ende Juni im Ballyana aktuell ist. Solche Industriegeschichten seien «ein wesentlicher Teil unserer Kultur», und es sei wichtig, sie in der Bevölkerung lebendig zu erhalten.

Anschliessend führte Gemeinderätin Bernadette Kern aus Möhlin aus, dass es sie freue, die Schuhindustrie Bata mit ihrem kulturellen Hintergrund aus Möhlin hier im Ballyana darzustellen, habe man doch vor rund einem Jahr einen ähnlichen Austausch zur 80-jährigen Geschichte der Schuhfabrik Bata mit Bally-Schuhen gemacht. Die beiden Marken seien in ihrer Entwicklung einst einander spinnefeind gewesen; Konkurrenten, die sich misstrauisch beobachtete hätten. Bata habe eine andere Verkaufsphilosophie gehabt und stellte Schuhe vom Fliessband her, die billiger waren. Und so kämpfte Bally mit dem Image, teurere Schuhe zu fabrizieren, wenn auch, wie man glaubte, in besserer Qualität. Doch die Zeit habe diese Feindschaft überholt, und im Laufe der Entwicklung sei man einander sogar nahe gekommen, wie dies der Titel «Bata meets Bally» vermerke.

Tobias Ehrenbold, Buchautor des Bata Buches «Schuhe für die Welt, Geschichten aus der Schweiz» und Betreuer der Bata-Industriegeschichte in Möhlin, führte weiter aus, dass gerade die Bata-Schuhfabrikation sich rasch entwickelte. Der Gründer Thomas Bata habe es geschafft, innert drei Jahrzehnten aus einem Kleinbetrieb ein Schuhimperium zu machen. 1930 beschäftigte Bata bis zu 30 000 Mitarbeiter, die täglich 82 000 Paar Schuhe produzierten. Bally stellte zu dieser Zeit in der Schweiz mit einer Belegschaft von gut 7000 Personen knapp 11 000 Paar Schuhe her.

Beide Unternehmen begannen früh, in fremden Ländern Fabriken und Läden einzurichten. In Möhlin wurde 1932 eine Bata-Fabrik eröffnet. Bata war ein Billiganbieter, so wie dies Bally am Anfang seiner Entwicklung auch gewesen war, in den 1930er-Jahren lieferte Bally jedoch Qualitätsarbeit auf hohem Niveau mit entsprechenden Preisen. So waren die Bally Schuhe rund 50 Prozent teurer.

Diese Tatsache war auch der Grund des heftigen Konflikts zwischen den beiden Unternehmen, zwischen Thomas Bata und Ivan Bally. In dem spannend gestalteten Buch mit vielen interessanten Illustrationen und Statistiken stellt Tobias Ehrenbold diese Zusammenhänge dar. Bata gab seine Produktion in Möhlin 1990 auf, und Bally schloss im Jahr 2000 die Fabriktore, eine grossartige Schuhära ging zu Ende.

Alfred M. Niederer als Konzernleiter der Bally International Schönenwerd von 1985 bis 1992 und anschliessend der Schuhfabrik Bata schilderte aus seiner Sicht und Erinnerung die Entwicklung der Bally-Schuhfabrik. Eines der Probleme sei auch gewesen, dass auf der ganzen Welt zerstreut Filialen auftauchten, die aber ihre Eigendynamik entwickelten, und dies sei für das Unternehmen in Schönenwerd von Nachteil gewesen. So sei es eine seiner schwierigsten Aufgaben gewesen, all diese Splittergruppen unter einen Hut zu bringen, denn nur so habe man effizient Schuhe herstellen und verkaufen können.

Er habe seine Tätigkeit geliebt und bedauere es, dass es nicht gelungen sei, die Fabrikation über die Runden zu bringen. Doch die Entwicklung in der schweizerischen Industrielandschaft sei eine andere gewesen, Unternehmen von dieser Grösse hätten kaum eine Überlebenschance gehabt. So sei allmählich die Bally-Schuhfabrikation zu einer Erinnerung geworden. Es freue ihn jetzt, dass man in dieser Ausstellung im Ballyana solchen Spuren nachgehen könne.

In der Tat ist es ein einmaliges Unterfangen, die alten Webstühle für Bänder aller Art zu bestaunen; zu beobachten, wie sie unter der kundigen Hand von Hermann Käseberg, der rund 50 Jahre bei Bally arbeitete, heute noch funktionieren. Man entdeckt auch Schuhe, Requisiten aus der Schuhindustrie; Plakate und Dokumente; Nähmaschinen, die die Schuhgeschichte lebendig werden lassen. In ein paar Monaten werde sogar eine alte Dampfmaschine installiert. Manch ausgestellter Schuh kommt einem irgendwie vertraut vor; so, als hätte man ihn schon einmal in einem Bally-Schaufensterladen entdeckt oder am eigenen Fuss getragen. Es war dies eine spannende Matinée, ein Besuch des Ballyana und des Schuhmuseums Bally lohnt sich.

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