Eine Szene auf dem Schulweg: Der Jugendliche Max ist allein zu Fuss unterwegs. Dabei wird er vom Jugendlichen Moritz belästig. Moritz fährt ihm immer wieder mit dem Velo zwischen die Beine. Als sich Max wehrt, fällt Moritz mit dem Fahrrad hin. Kurz darauf trifft Max auf seinem Weg auf mehrere Jugendliche, die nach dem Sturz von Moritz informiert wurden.

Sie schlagen Max zusammen, er kommt mit blauen Flecken und einem Schrecken davon. Die Namen der beiden Beteiligten sind frei erfunden. Der Vorfall habe sich aber tatsächlich auf dem Schulweg in Balsthal ereignet, erzählt der Vater von Max, der seinen Namen nicht in dieser Zeitung lesen will. Was seinem Sohn passiert sei, sei ausserdem kein Einzelfall.

Sorgen bei Kreisschule im Januar

Recherchen zeigen: Tatsächlich scheinen sich in Balsthal Zwischenfälle auf dem Schulweg ereignet zu haben. In einem Ausmass, welches die Kreisschule Thal im Januar dazu bewegte, ein Schreiben an die Eltern der Schülerinnen und Schüler zu verschicken. Das Schreiben wurde verfasst, nachdem es an einem Mittwoch auf dem Schulweg zu einer Schlägerei gekommen war. «Durch die Handgreiflichkeiten und durch Fusstritte in den Körper gab es Schüler mit Verletzungen», schreibt die Gesamtschulleiterin Eva Davanzo.

Und: «Es gibt Schüler, die nun Angst haben, in die Schule zu kommen, weil sie befürchten, auf dem Schulweg zusammengeschlagen zu werden.» Die Kreisschule habe nun vor, die Vorfälle zu analysieren. Ausserdem habe sie die Kantonspolizei in Balsthal informiert. Die Polizei werde die Situation in Balsthal nun im Auge behalten. Bei solchen Berichten von Vorkommnissen im Januar kommt Verwunderung auf: Hat Balsthal ein Problem mit Jugendgewalt?

Laut Polizei kein Anlass zur Sorge

Auf Nachfrage hält die Kantonspolizei Solothurn fest: Nein, jedenfalls habe die Polizei bei gezielt durchgeführten Kontrollen nichts Aussergewöhnliches festgestellt. «Nachdem die Polizei in Balsthal von der Kreisschule Thal informiert wurde, haben wir in Balsthal vermehrt Kontrollen an exponierten Orten wie Bahnhof, Thalbrücke oder Schulweg durchgeführt», so Sprecher Bruno Gribi.

Bis heute seien keine weiteren Meldungen zu Problemen auf dem Schulweg eingegangen. Ausserdem habe niemand wegen Gewalt auf dem Schulweg Anzeige erstattet. «Die Polizei wird im Rahmen ihrer Patrouillentätigkeit weitere Kontrollen durchführen, weitergehende Massnahmen sind derzeit nicht vorgesehen», so Gribi. Die Hotspots in Balsthal werden durch die Polizei ohnehin regelmässig aufgesucht und dabei werde auch das Gespräch mit den Jugendlichen gesucht.

Kreisschule arbeitet an Lösung

Auch die Kreisschule Balsthal geht davon aus, dass die Situation nach der erwähnten Eskalation nun unter Kontrolle ist. Weitere schwere Vorfälle habe es nicht gegeben, so die Gesamtschulleiterin Eva Davanzo auf Anfrage. Mit den damals involvierten Jugendlichen und Eltern habe man das Gespräch gesucht, und es seien verschiedene Massnahmen ergriffen worden. Ende dieser Woche ist beispielsweise ein Tag geplant, an dem die Schulsozialarbeiterin mit den Beteiligten an einer Deeskalation arbeitet. «Wir nehmen die Vorfälle ernst. Aber man sollte auch nichts aufbauschen», sagt Davanzo.

Dass man das Gespräch mit Eltern und Jugendlichen gesucht habe, sei das normale Vorgehen, wenn zwischen Jugendlichen Probleme auftreten. Die Schule versuche bei Konflikten, alle Beteiligten an einen Tisch zu bekommen. Dann werde gemeinsam analysiert und nach Lösungen gesucht.

Schule tut mehr, als sie müsste

Dass die Schule sich nach den Vorfällen im Januar für eine Deeskalation einsetzt, ist nicht selbstverständlich. Vorfälle, die auf dem Schulweg passieren, fallen rechtlich gesehen nicht mehr in den Aufgabenbereich der Schule. «Moralisch fühlen wir uns aber trotzdem verpflichtet, die Schüler auch in solchen Situationen zu unterstützen», sagt Schulleiterin Davanzo. Unter anderem deshalb, weil Streitereien auf dem Schulweg auch auf die Stimmung im Klassenzimmer drücken könnten.