Ramiswil
Schreinerbetrieb schliesst nach 26 Jahren Selbständigkeit

Nach 26 Jahren Selbstständigkeit schliesst Martin Disler per Ende Jahr seinen Schreinereibetrieb: «In den ersten 15 Jahren meiner Selbständigkeit habe ich nie Ferien gemacht.»

Monika Kammermann
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Geht Ende Jahr in Pension: Schreiner Martin Disler an der Kreissäge.

Geht Ende Jahr in Pension: Schreiner Martin Disler an der Kreissäge.

Bruno Kissling

Schaut man auf die Hände von Martin Disler, wird schnell klar, dass er damit arbeitet. Beim Erzählen wird auch deutlich, dass Holz sein Element ist, sein liebstes Arbeitsmaterial. Holz scheint gut zu ihm zu passen auch in den Eigenschaften, die sich in seiner Person widerspiegeln: ruhig, bescheiden und konstant.

Im April 1966 begann er die Lehre als Möbelschreiner bei der Paul Haefeli AG (heute Glaeser Mümliswil AG) in Mümliswil. «Dort arbeitete ich während 24 Jahren», erzählt Disler. Die Wende kam, als die Möbel immer weniger Ertrag abwarfen. «Man spürte die günstigere Konkurrenz aus dem Ausland», erklärt der 65-Jährige. Das Geschäft konzentrierte sich in der Folge auf die Herstellung von Labormöbeln.

«Das gefiel mir nicht, mit Kunststoff zu arbeiten», sagt der Ramiswiler. Deshalb habe er sich kurzerhand für die Selbstständigkeit entschieden. So eröffnete er am 1. Januar 1990 sein eigenes Geschäft in der Doppelgarage unterhalb seines Wohnhauses.

«Ich hatte Pläne für Möbel im Kopf»

«Am Anfang plagten mich schon Existenzängste», erinnert sich Disler. Schliesslich sei er Vater von vier Kindern und damals gingen alle in die Schule. Viel habe er Josef Roth, dem verstorbenen Gründer der J. Roth AG zu verdanken.

Dieser habe ihn bei Bauaufträgen jeweils als Schreiner empfohlen – vor allem auf den Bauernhöfen, was ihm besonders gefallen habe. «Ich war von Anfang an gut ausgelastet – ohne Werbung machen zu müssen», erinnert sich Disler. Nach rund drei Jahren konnte er sich bereits eine stattliche Werkstatt leisten.

«Meine Tätigkeit wandelte sich vom Möbel- zum Bauschreiner unter anderem mit Einbauschränken, Türen und Deckenverkleidungen», berichtet Disler. Interessant sei dabei gewesen, nun in den ganzen Prozess involviert zu sein: vom Beraten, Verkaufen, Offerten schreiben, Planen, Materialeinkauf, der Fertigung bis hin zur Rechnungstellung.

Einen Computer habe er nie gehabt. Die Pläne für seine Möbel habe er jeweils im Kopf gehabt. «Ich benötigte nur die Aussenmasse, habe dann eine Skizze gemacht, diese mit dem Kunden angeschaut und danach gearbeitet», erzählt Disler.

Er war immer sein eigener Chef und sein einziger Angestellter. «Jemanden anzustellen, kam für mich nicht infrage, weil ich die Unabhängigkeit schätze», so Disler. An leere Auftragsbücher kann er sich nicht erinnern: «Das hat es nie gegeben.»

In den ersten 15 Jahren habe er nie Ferien gemacht – abgesehen von einzelnen Tagen: «Ich hatte immer zu tun.» Die administrativen Aufgaben habe er abends oder noch in der Werkstatt erledigt.

Vermieten kam nicht infrage

«Am Wochenende wollte ich aber nichts von der Arbeit wissen», gibt der Familienvater lachend zu. Rückblickend sei er überzeugt, den richtigen Beruf gewählt zu haben: «Ich habe die Arbeit nie als ein Muss empfunden und hatte immer Freude daran.» Schon als Junge habe er es geliebt, mit Holz etwas zu kreieren.

«Ich mochte schon immer den Duft des Holzes.» Diese Leidenschaft ist wohl auch einer der Gründe, weshalb Disler mit seiner Schreinerei stets erfolgreich war. Am 31. Dezember 2016 ist damit wegen seiner Pensionierung Schluss. «Ich hatte das Angebot, die Schreinerei zu vermieten», verrät Disler.

Nach einigem Überlegen habe er sich aber dagegen entschieden. Die Werkstatt liege auf seinem Grundstück und er habe deshalb befürchtet, dass keine Ruhe einkehren würde. Zudem habe er so immer noch die Möglichkeit in seiner Werkstatt etwas zu «wärche». Was die Zukunft bringe, wisse er noch nicht genau. Doch Disler schätzt, dass er nun mehr Zeit fürs Jassen und ausgiebige Reisen haben werde.