Balsthal

Schranken-Versuch findet nicht statt: Kantonsrat lehnt offene Bahnschranken bei der Thalbrücke ab

Kein Bus-Ersatz zu Spitzen-Verkehrszeiten: Die Bahnschranke wird auch künftig schliessen.

Kein Bus-Ersatz zu Spitzen-Verkehrszeiten: Die Bahnschranke wird auch künftig schliessen.

Der Kantonsrat lehnte gestern den Volksauftrag für offene Bahnschranken in der Thalbrücke mit 70 zu 17 Stimmen bei 7 Enthaltungen ab.

Einzig die Fraktion der Grünen konnte dem Volksauftrag der Vereinigung «Läbigi Klus» um ein testweises Offenhalten der Bahnschranken in der Thalbrücke während der verkehrsreichen Abendstunden in der Kantonsratssession gestern zustimmen. Alle anderen Fraktionen lehnten das Ansinnen ab, wie es der Regierungsrat vorschlug.

Grünen-Fraktion-Sprecher Heinz Flück (Solothurn) erklärte, man habe Verständnis für die Forderung. «Fakt ist nämlich, dass die Verkehrsfrequenz durch die Klus in den vergangenen Jahren nicht grösser geworden ist.» Die Bahnschranke sei mit ihrer Schliessung von mehr als einer Minute viermal pro Stunde mit Sicherheit ein Stauverursacher. «Wir sind enttäuscht, dass die Regierung in ihrer Beurteilung keine zukunftsfähige Lösung anstrebt.»

Die Grünen argumentierten weiter, die Haltung des OeBB-Verwaltungsrates irritiere, da dieser im Komitee Pro Verkehrsanbindung mitmache und sich damit als öV-Betreiber sein eigenes Grab schaufle. «Es braucht nicht mehr Strassen, es braucht eine moderne Pendelbahn, gute Umsteige- und Parkierungsmöglichkeiten», so Flück. Die geplanten 65 Millionen Franken für die Verkehrsanbindung Thal könne man besser verwenden.

«Ein Affront gegen die Thaler Bevölkerung»

Vor Flück hatte sich die Sprecherin der zuständigen Kommission, Sandra Kolly (CVP), dezidiert gegen den Versuch mit den offenen Bahnschranken ausgesprochen. Ein solcher Versuch sei weder zweck- noch verhältnismässig. Er würde den öV schwächen, denn rund acht Busse müssten in dieser Zeit die Bahn ersetzen, was wiederum zu mehr Verkehr führe. «Dieser Vorschlag ist ein Affront gegen die Thaler Bevölkerung und zielt nur darauf ab, die Verkehrsanbindung Thal zu verhindern.»

Auch die Sprecherin der SVP-Fraktion, die gebürtige Balsthalerin Sybille Jeker (Erschwil) meinte, so werde das Problem nicht gelöst. Obwohl die SVP-Fraktion gespalten war, habe sich die Mehrheit für das Nichteintreten entschieden. Ganz klar dagegen sprach sich auch die FDP/Liberale-Fraktion aus. Sprecher Heinz Studer konnte keinen vernünftigen Grund finden, warum die Schranken offen bleiben sollten. «Man kann der Verkehrsanbindung Thal keinen weiteren Aufschub zumuten.»

Die SP/junge SP mit Sprecherin Marianne Wyss (Trimbach) bekannte, dass man die Testphase zunächst noch einleuchtend gefunden habe. «Doch es wäre ein Riesenaufwand und das Ergebnis fraglich.» Verlierer wäre nur der öV-Nutzer, was nicht im Sinn ihrer Partei sei. Doch auch sie brachte noch einen Vorschlag ein: «Den Bus auf dem Bahntrassee fahren zu lassen, wäre vielleicht auch eine Möglichkeit.»

Für die CVP/EVP/GLP-Fraktion sprach der Laupersdörfer Gemeindepräsident Edgar Kupper. «Das Thal hat ein schönes Wohnzimmer, aber ein unattraktives Entrée», zitierte er einen bekannten Spruch. Jetzt sei die Zeit für ein Umfahrungsprojekt da. Dieses werde von der Thaler Bevölkerung mehrheitlich unterstützt. «Man muss diese Verkehrsanbindung Thal jetzt realisieren, denn wenn die Autobahn ausgebaut wird, bekommen wir noch mehr Verkehr.» Zudem sei bestimmt nicht nur die Bahnschranke Verursacher der Staus. «Die Thalbrücke ist nun mal ein Flaschenhals, der noch durch Ein- und Abbieger und Fussgängerquerungen tangiert werde.

Hier setzte auch Beat Künzli, (CVP, Laupersdorf) mit konkreten Vorschlägen an. Zunächst gab er zu, ein Skeptiker der Umfahrung zu sein, vor allem wegen der Kosten. Doch: «Wer dem Versuch zustimmt, ist nicht grundsätzlich gegen die Verkehrsanbindung Thal. Wie wäre es aber, wenn man mit einer Fussgängerüberführung aus Holz schon mal dieses Problem lösen würde. Oder ein Linksabbieger-Verbot in der Thalbrücke einführen würde? Das wären kurzfristige, günstigere Lösungen gegen den Stau.»

Enzo Cessotto (FDP, Balsthal) sagte: «Kommt diese Schranken-Aufhebung, hätten wir in der Klus ein regelrechtes ‹Puff›, jetzt, wo die anderen zugemacht haben. Dieser Volksauftrag ist ein Trugschluss und ein verzweifelter Versuch gegen die Umfahrung.»

ÖV-Nutzer dürfen nicht Testfiguren sein

Urs Huber (SP/junge SP Obergösgen) vermisste beim Volksaustrag die Anliegen der öV-Nutzer «Sie werden als Testfiguren missbraucht, was gar nicht geht.» Auch ihn verstöre die Haltung der OeBB-Verantwortlichen, die er als Harakiri-Strategie bezeichnete.
Landammann Roland Fürst hielt ein knappes Schlusswort. «Die Verkehrssimulation, die im Volksbegehren angezweifelt wird, ist fundiert und seriös.» Der Auftrag sei abzulehnen, weil unnötig und schädlich. Eine klare Mehrheit im Kantonsrat folgte dem Regierungsrat und lehnte den Auftrag mit 70 zu 17 Stimmen bei 7 Enthaltungen ab.

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