Herbetswil

Schon wieder gibt es im Thal einen Dorfladen weniger: Der Maxi-Laden schliesst

Stopp – nicht als Zwischenhalt, sondern endgültig heisst es für den Maxi-Laden in Herbetswil. wak

Stopp – nicht als Zwischenhalt, sondern endgültig heisst es für den Maxi-Laden in Herbetswil. wak

Nach 15 Jahren wird der Maxi-Laden in Herbetswil wegen zu wenig Umsatz geschlossen. Die Betreibenfamilien haben alles versucht, um den Laden am Leben zu erhalten, wie sie versichern. Wie stehts um die weiteren Geschäfte im Thal?

In mehreren Thaler Gemeinden gibts noch traditionelle Dorfläden, die Artikel für den täglichen Bedarf anbieten. Ab heute Donnerstagabend wird es einer weniger sein: «Es tut uns sehr leid, dass wir auf Ende Oktober schliessen müssen!» So ist auf einem Informationsblatt an der Eingangstüre zum Maxi-Laden in Herbetswil zu lesen.

Die Familien Walser und Brunner führen das Geschäft seit 15 Jahren. «Wir versuchten stets, unsere Kunden mit Dienstleistungen, die Grossmärkte nicht bieten können, zufriedenzustellen.» Trotzdem habe sich bereits vor einigen Jahren das Ende abgezeichnet. «Wir hofften vergebens auf die noch grössere Unterstützung der ganzen Dorfbevölkerung und der Dorfvereine.» Doch die Unterstützung sei ausgeblieben, der Umsatz Monat für Monat gesunken.

Auf der Ausgabenseite habe man zu drastischen Massnahmen gegriffen, wie Marietta Walser ausführt. Als Geschäftsführerin in Vollzeit habe sie in den letzten Jahren keinen Lohn mehr bezogen. «Da uns die Liegenschaft gehört, haben wir auch noch den Mietzins für das Ladenlokal gesenkt. Es nützte alles nichts.»

«Die Jüngeren fehlen»

Die Besitzerfamilie Walser hat nun auch gleich die Liegenschaft verkauft. Ob darin je wieder ein Laden eröffnet wird? «Vielleicht», meint Marietta Walser, «es kann ja sein, dass es ein neues, unbekanntes Gesicht braucht, das im Dorf sympathisch ist.» Vielleicht würden dann auch vermehrt jüngere Leute und solche, die neu zugezogen sind, im Dorfladen einkaufen. «Und nicht nur die Stammkundschaft, wie das in letzter Zeit der Fall war.»

«Ja, ohne Stammkundschaft gehts wirklich nicht», bekräftigt Doris Rudolf von Rohr, Geschäftsführerin des Chesi-Ladens in Mümliswil. «Aber ich darf sagen, dass unsere Kundschaft gut durchmischt ist, der Anteil an jüngeren Leuten ist erfreulich gross.» Da spiele sicher das Angebot eine Rolle, bei dem sie auf regionale Produkte setze und Käse im Offenverkauf anbiete.

Seit die Bäckerei im Dorf geschlossen ist, stieg der Verkauf von Brot und Patisserie an. «Das Angebot ist das eine», betont Doris Rudolf von Rohr, «genau so wichtig ist die Atmosphäre im Laden. Und dann ist natürlich der Standort an der Hauptstrasse ein Vorteil.» Nicht erwähnt hat sie, dass sie in Mümliswil mit einer Coop-Filiale von beachtlicher Grösse in Konkurrenz steht.

Wo ein Flugblatt wirkte

Der Standort und gute Möglichkeit zum Parkieren nennt auch Dora Bader als mitentscheidende Faktoren für ihren Denner-Satellit in Holderbank. Sie hatte zudem vor nicht allzu langer Zeit mit ähnlichen Problemen zu kämpfen wie die Familien Walser und Brunner in Herbetswil. Dora Bader liess ein Flugblatt im Dorf verteilen mit der Ankündigung, dass sie sich wohl gezwungen sehe, den Laden zu schliessen, wenn die Kundschaft weiterhin schrumpfe.

«Das hat tatsächlich gewirkt», sagt sie heute. Aber sie sei natürlich realistisch genug, um zu sehen, dass sie selber nur dank den vielen nicht bezahlten Stunden einigermassen davon leben kann. Sie sei froh, dass sie sich nicht für eine Postagentur entschieden habe, sondern für die Investition in ein grosses Kühlaggregat. «Jetzt kann ich eine schöne Auswahl Früchte und Gemüse anbieten.»

Andere mussten aufgeben

Erfreulich gut entwickelt habe sich die Situation im Volg-Laden Welschenrohr, wie von dort zu erfahren ist. Was nicht selbstverständlich ist, hatten doch andere Läden im Dorf aufgeben müssen. Der Initiative der Milchgenossenschaft ist zu verdanken, dass der Volg-Laden 2011 eröffnet wurde.

Adrian Stampfli kann mit seinem Dorfladen in Aedermannsdorf bestehen, weil er selber Hand anlegt, so viel und so oft es geht. Zudem wurde 2010 in seinem Geschäft eine Postagentur integriert, die jedoch nicht ohne Aufwand läuft. Ruth und Paul Meister führen ebenfalls eine Postagentur in ihrem Denner-Satellit in Laupersdorf.

«Als ein Standbein kann man dies aber nicht bezeichnen, es rundet das Angebot ab», sagt Paul Meister. Was ist seiner Meinung nach entscheidend, dass ein Dorfladen überleben kann? «Es ist ein Geben und Nehmen. Wenn sich beide Seiten bewusst sind, dass man aufeinander angewiesen ist, dann gehts.»

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