Die markante Felsrippe der Lehnflue ist eine der wichtigsten archäologischen Fundstellen am Jurasüdfuss. Auf ihrem schmalen, langgezogenen Grat liegen nicht nur Mauerreste von vier mittelalterlichen Anlagen. Zahlreiche Funde belegen auch, dass die Lehnflue wahrscheinlich seit der Altsteinzeit immer wieder begangen wurde oder sogar besiedelt war.

Möglicherweise haben sich bereits im Paläolithikum Menschen auf der Lehnflue aufgehalten, wie eine spätpaläolithische Bergkristallklinge vermuten lässt. Sie könnte aus dem Zeitraum zwischen 17 000 und 9 500 v. Chr. stammen. Einige hundert Meter nördlich liegt die Rislisberghöhle, die im Spätmagdalénien bewohnt war. Es wäre denkbar, dass die Jäger der Rislisberghöhle die Lehnflue als Aussichtspunkt genutzt haben.

Ein Siedlungsschwerpunkt ist in römischer Zeit im 3. Jh. belegt. Einige spätantike Funde sprechen für eine gewisse Siedlungskontinuität bis ins 4. Jh. Von der Lehnflue stammen mindestens 220 römische Münzen, darunter ein Hortfund mit ca. 54 Münzen. Erst im fortgeschrittenen Frühmittelalter sind wieder Funde von der Lehnflue vorhanden. Nach einem Unterbruch von mehreren Jahrhunderten setzte im 11. Jh. die Bautätigkeit auf der Lehnflue wieder ein. Im Gegensatz zu den früheren Epochen sind bauliche Reste aus dem Mittelalter erhalten geblieben. So haben auf der Lehnflue vier Anlagen gestanden, von denen noch Mauerzüge vorhanden sind. Da der Urkundenfluss erst im 12./13. Jahrhundert einsetzt, ist man für die Interpretation und auf Vermutungen angewiesen.

Die Burgruinen wurden nie in einer modernen Grabung angeschnitten oder ausgegraben. So können nur die oberflächlich sichtbaren Mauern analysiert werden. Es scheint, nach Aussage der lokalisierbaren Keramik, so, als ob die Mittlere Erlinsburg im 11. und 12. Jh. besiedelt war, wohl gleichzeitig mit der Hinteren Erlinsburg. Auch für die «Hinterste» Erlinsburg kann vorsichtig eine Benutzung zur gleichen Zeit angenommen werden.

Die wenigen schriftlichen Quellen beziehen sich alle auf die Vordere Erlinsburg. Sie wurde auf dem Grund des Herrschaftshofes Niederbipp erbaut, welcher den Frohburgern gehörte. Die Burg bildete das Zentrum der Herrschaft Erlinsburg, die nach der Teilung die Dörfer Niederbipp, Walden, Wolfisberg, Waldkirch, Walliswil und Rufshusen umfasste. Der erste erwähnte Burgvogt (Prokurator) war Cuno von Bechburg 1292. Johannes von Frohburg verpfändete die Erlinsburg 1332 an Nidau. Schliesslich sitzen Vögte bis ins späte 14. Jh. auf der Burg. 1413 wird ein Vogt Hügli Meyer genannt, der aber im Dorf Niederbipp wohnte und wohl nur noch die Burggüter verwaltete. 1418 kommt die Herrschaft Erlinsburg definitiv zum Amt Bipp. In der Folge wird die Burg nicht mehr unterhalten und verfällt wohl. Die heutige Kantonsgrenze zwischen Solothurn und Bern geht auf die ursprüngliche Grenze zwischen den Herrschaften Neu-Bechburg und Bipp zurück; sie wurde 1463 festgelegt.

Die Mittlere Erlinsburg ist eine kleine Anlage, die weniger sorgfältig ausgeführtes Mauerwerk als die Vordere Burg aufweist. Die spärlichen Mauerspuren lassen einen turmartigen Bau vermuten. Die Distanz von 150 m zur Hinteren und 350 m zur Vorderen Erlinsburg spricht für eine wehrtechnisch eigenständige Anlage. Sichtbar sind noch eine Sperrmauer und die Halsgräben. Die Lesefunde weisen in das 11./12. Jh. Schriftliche Quellen existieren keine.

Die Hintere Erlinsburg weist nur noch spärliche Reste einer einst ausgedehnten Anlage auf. Heute noch erhalten sind zwei Zugänge, der Hof mit Gebäuden, ein Keller und eine gut erhaltene Zisterne von 5 Meter Tiefe. Der Bau wird ins 11. oder 12. Jh. datiert. Mit dem Bau der Neu-Bechburg verlor die Hintere Erlinsburg ihre Bedeutung, und das Erdbeben von Basel 1356 förderte möglicherweise ihre Zerstörung.

Die «Hinterste» Erlinsburg wurde erst 1999 am Nordostende des Grates der Lehnflue entdeckt. Die spärlichen Reste liegen auf einem Felskopf. Die geringen Mauerspuren, der fehlende Mauerschutt sowie Spuren von gebranntem Lehm weisen auf einen Holz- oder Fachwerkbau auf gemauertem Sockel hin.

Und noch ein Hinweis: Es ist verboten, auf eigene Faust und ohne Bewilligung nach archäologischen Funden zu suchen und zu graben. Alle archäologischen Funde gehören per Gesetz dem Kanton, auf dessen Gebiet sie gefunden wurden.