Balsthal
Schon vor hunderten Jahren gab es verheerende Dorfbrände in Balsthal

Brandbekämpfung war vor Hunderten von Jahren eine der grössten Herausforderungen, die eine Dorfgemeinschaft zu bewältigen hatte. So brannte beispielsweise 1461 das ganze Dorf nieder – wegen Brandstiftung.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Balsthal wurde in der Vergangenheit zweimal praktisch «ausgelöscht».

Balsthal wurde in der Vergangenheit zweimal praktisch «ausgelöscht».

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Eine effiziente Brandbekämpfung war früher in den Dörfern eine grosses Herausforderung. Bevor die technischen Möglichkeiten einer wirksamen Brandbekämpfung vorhanden waren, fielen nicht selten ganze Dörfer dem «roten Hahn» zum Opfer. So auch Balsthal – und das gleich zweimal.

Um eine möglichst gute und effiziente Brandbekämpfung zu gewährleisten, verordnete die Solothurner Obrigkeit im 17. Jahrhundert den Gemeinden das Aufstellen einer sogenannten Brandwacht.

Je zwei Männer hatten im Wechsel ab Dunkelheit bis Mitternacht und dann wieder bis zum Morgengrauen die Aufgabe, im Dorf Diebstähle, Brandstiftungen, Brandausbrüche oder Übergriffe von Gesindel gegenüber Dorfbewohnern zu überwachen.

Jeder Mann wurde für diesen Dienst herangezogen, man konnte sich nicht entziehen. Entsprechend unbeliebt war diese Pflicht. Jeder Wächter hatte nämlich acht Tage hintereinander auf Wache zu gehen. Ob Tauglichkeit bestand oder nicht, spielte keine Rolle. Es wurden auch ganz alte Männer, oder solche, die Behinderungen aufwiesen, eingesetzt.

Der heute so romantisch verklärte Beruf des Nachtwächters war also beileibe keine begehrte Tätigkeit. Um die Zuverlässigkeit der Wachen zu kontrollieren, wurden die Wächter verpflichtet, in der Nacht jede Stunde laut auszurufen.

Jeder Dorfbewohner musste einen Feuer-, respektive Wassereimer im Haushalt haben. Dies war bis ins 18. Jahrhundert die einzige Feuerlöschmöglichkeit.

Der grösste und wohl verheerendste Balsthaler Dorfbrand ereignete sich im Jahr 1461. Es war Brandstiftung. Nämlich der Rachefeldzug eines sundgauischen Ritters, der seinen Knecht aus Basel anstiftete, Feuer zu legen.

Das Dorf wurde komplett vernichtet, so dass danach keine Eigentumsgrenzen mehr zu erkennen waren. Alles musste neu vermessen werden. In der ganzen Eidgenossenschaft stiess dieses Unglück auf viel Hilfsbereitschaft. So half beispielsweise auch die Stadt Bern.

Ein zweiter grosser Dorfbrand ereignete sich 1539. Dieser äscherte zu allem Unglück die erst wenige Jahre zuvor neu errichtete Pfarrkirche ein. Ab dem 18. Jahrhundert kam es zu keinen eigentlichen Dorfbränden mehr, aber zu grösseren Hausbränden. 1704 verbrannten vier grosse Häuser an der Schmiedengasse, 1751 ging der Gebäudekomplex beim Gasthaus Löwen in Flammen auf.

Eine wirksamere Brandbekämpfung war erst mit der Erfindung der Feuerspritzen möglich. In der Stadt Solothurn wurde 1720 die erste Feuerspritze in Betrieb genommen. Ab 1760 ordnete die Regierung die Beschaffung von Feuerspritzen auch für die ländlichen Gebiete an.

Diese konnten aber aufgrund der fehlenden finanziellen Mittel nur mit Mühe beschafft werden. 1774 erst wurde eine Feuerspritze nach Balsthal geliefert. Sie war zum Teil auch von Holderbank und von Mümliswil mitfinanziert worden, blieb aber in Balsthal stationiert.

Quelle: Sigrist «Balsthaler Dorfgeschichte».

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