Beringung
Schon 600 Zugvögel registriert – Rotkehlchen führen die Hitliste an

In der Beringungsstation Subigerberg werden noch bis 21. Oktober Zugvögel registriert und beringt. Dank den dort erhobenen Daten können Rückschlüsse auf das sich verändernde Verhalten der Zugvögel gezogen werden.

Erwin von Arb
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Mit Feldstechern wird nach den Vögeln Ausschau gehalten.
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Beringung auf dem Subigerberg 2016
Nach dem Fang werden die Vögel in solche Stoffbeutel gelegt. Dort beruhigen sie sich rasch.
Die Flügelfeder einer jungen Blaumeise wird vermessen.
Der Ring am Füsschen des Vogels liefert wichtige Informationen.
Helfer auf dem Subigerberg

Mit Feldstechern wird nach den Vögeln Ausschau gehalten.

Erwin von Arb

«Vögel einfangen, ist fast wie Fischen. Man weiss nie, was einem ins Netz geht. Umso grösser in dann die Überraschung, wenn sich eine seltene Vogelart in den Netzen verheddert». So beschreibt Daniel Schär aus Herbetswil seine Motivation, Jahr für Jahr auf dem Subigerberg oberhalb von Gänsbrunnen bei der Beringung von Zugvögeln als freiwilliger Helfer mit anzupacken.

Bei der seit 25. September laufenden Beringungsaktion zählten bisher ein Raufusskauz, ein Turmfalke und eine Zaunammer zu den Vogelarten, die bei den Ornithologen besonderes Interesse weckten. «Sonst bekommt man nie die Gelegenheit, solche Tiere aus der Nähe zu betrachten. Das ist faszinierend», so Schär.

Crew wechselt wöchentlich

Ähnlich geht es auch Peter Bieli aus Niederbuchsiten, der zusammen mit seiner Frau Ruth auf den Subigerberg gewandert ist, um den auf 1000 Meter über Meer tätigen Vogelkundlern bei ihrer Arbeit über die Schulter zu schauen. Das Gäuer Ehepaar konnte bei einem Rundgang im Gelände miterleben, wie Daniel Schär ein Rotkehlchen vorsichtig aus einem zwischen Sträuchern gespannten Netz befreite. Der noch etwas nervöse Vogel wurde danach in einen Stoffbeutel gelegt, wo er sich rasch beruhigte.

220 Laufmeter dieser feinmaschigen und kaum sichtbaren Netze wurden im kleinen Talkessel in den ansteigenden Hängen platziert, wie Thomas Lüthi, Präsident des Vogelschutzverbandes Kanton Solothurn, erwähnt. Er verbringt zusammen mit acht weiteren Helferinnen und Helfern eine Woche auf dem Subigerberg. Die Crew werde während der vier Wochen dauernden Aktion jeweils am Samstag ausgewechselt, führte Lüthi dazu aus.

Daten wandern in Datenbank

Durch die 2012 neu eingeweihte Beringungsstation mache ihm die Arbeit noch mehr Spass, sagte der 39-jährige Lüthi. Dort werden die eingefangenen Vögel untersucht, vermessen, registriert und beringt. Die Arbeit beginnt bei Tagesanbruch mit einem Rundgang, um die in den Netzen hängengeblieben Vögel einzusammeln. Um die Tiere nicht unnötig lange zu verängstigen, werden die Netze stündlich abgesucht, wie Lüthi bemerkte.

Am Donnerstag wurden bei der ersten Tour drei junge Blaumeisen gefunden. Eine der drei Vögel wurde erst letzte Woche auf dem Subigerberg beringt, wie eine Kontrolle zeigte. Woher die anderen Meisen kommen, sei schwer zu sagen. Es seien auch schon Blaumeisen gefangen worden, die aus Litauen stammten, berichtete Lüthi.

Bei der Untersuchung werden die Vögel zuerst gewogen. Eine der gefangenen Blaumeisen brachte 10,7 Gramm auf die Waage. Weiter werden die Tiere auf ihre Gesundheit überprüft, Federn am Flügel vermessen, der Muskelapparat und die Fettreserven beurteilt. All diese Daten werden fein säuberlich erfasst und danach in eine Datenbank übertragen.

Das gilt auch für das wichtigste Wiedererkennungsmerkmal, nämlich den Metallring mit einer fortlaufenden Nummer. Dieser wird dem Vogel mit einer speziellen Zange am Fuss angebracht. Wenn der Vogel bei einer anderen Station ins Netz fliegt oder bei seiner Reise in den Süden ums Leben kommt, kann seine Flugbahn dank des Rings zurückverfolgt werden. Der Rücklauf der Ringe bewege sich aber nur im Promillebereich, so Lüthi. Dennoch könnten daraus wichtige Erkenntnisse über das Verhalten der Zugvögel gewonnen werden.

2015 wurden nur drei Haussperlinge auf dem Subigerberg registriert und beringt.
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Ein Schwarzmilan wurde letztes Jahr registriert. Werden es dieses Jahr ein paar mehr sein?
Auch der Trauerschnäpper gehört zu den selteneren Gästen in der Beringungsstation. Nur gerade einer wurde letztes Jahr registriert. Das setzt ihn hinter dem Buchfinken und der Ringeltaube auf .
Erlenzeisige sind dafür öfter auf dem Subigerberg anzutreffen. Letztes Jahr wurden 6791 registriert.
Buchfinken wurden letztes Jahr am häufigsten registriert. 15820 mal wurden Buchfinken im letzten Jahr beobachtet.
Hausrotschwänzchen sind seit 1969 rund 14000 Mal ins Netz gegangen.
Die Blaumeisen, die dieses Jahr schon registriert wurden stammen aus Litauen.
Bisher wurden am meisten Rotkehlchen eingefangen und beringt.
Zaunammer...
Turmfalken... Turmfalke bei der Körperpflege: Gesehen am Rebberg von Biel- Benken
und ein Raufusskauz waren ebenfalls schon zu Gast auf dem Subigerberg.

2015 wurden nur drei Haussperlinge auf dem Subigerberg registriert und beringt.

600 Vögel und 29 Arten gezählt

Am Donnerstag war übrigens kein besonders guter Tag für die Ornithologen auf dem Subigerberg. Wegen der starken Bise flogen viele Zugvögel in grosser Höhe über die Jurakette. Ideal wären ein bedeckter Himmel und Gegenwind oder ein nahender Wetterwechsel. So wie etwa letztes Wochenende.

Bis Donnerstag wurden rund 600 Vögel eingefangen und registriert. Unter den 29 Vogelarten führt bis jetzt das Rotkehlchen die Hitliste an. Das dürfe sich aber noch ändern, denn in der Vergangenheit war es jeweils der Hausrotschwanz, der mit Abstand am meisten gezählt wurde. Auswertung belegen, dass der Hausrotschwanz auf dem Subigerberg seit 1968 rund 14'000 Mal ins Netz ging, das Rotkehlchen im selben Zeitraum 10'000 Mal. Deutlich wurde bei der Auswertung der Zahlen übrigens auch, dass der Vogelzug rund eine Woche später endet als früher. «Das könnte etwas mit der Klimaveränderung zu tun haben, glaubt Lüthi.