Der in Gunzgen lebende und in Egerkingen in seinem Atelier arbeitende Künstler feiert mit einer spannenden Ausstellung in seinem Atelier seinen 60. Geburtstag. Es ist nicht so, dass er Geburtstage besonders schätzt.

Oft ging er in seinem Leben seinen eigenen aus dem Weg, doch mit dem Sechzigsten hat er sich auf eine besondere Art versöhnt. Es dünkt ihn, dass er im letzten Jahr zu einer malerischen Ausdrucksform gekommen ist, die ihm neuen Raum zum Atmen, zum Malen schenkt, sodass er in grosser Freiheit seinen beliebten Themen nachgehen kann.

Natürlich spielt dabei der Körper, der Mensch, vor allem die Frau eine Rolle, aber nicht einfach nur im darstellenden Zusammenhang, sondern sie bewegt sich auf einer erzählerischen Ebene, handelt, werkt, führt Gespräche, taucht in Bewegungen ein, spielt mit Requisiten oder kommuniziert mit anderen Menschen.

Vom Schönen fasziniert

Denkt man an die Renaissancezeit, an alte Malereien in Kirchen und Räumen, an Bilder, so spielte die Frau in ihrer Nacktheit, in ihrer natürlichen Schönheit immer eine grosse Rolle.

Auch in Christoph R. Aernis Bildern ist das so. Doch es wäre zu einfach, wenn man sich nur an diesen Akten orientieren würde. Er liebt das Weibliche auf eine vertiefte Art: Die zarten Bewegungen, den Ausdruck der Augen, Hände und Füsse, Körper, manchmal in ganz besonderen Positionen.

Vielleicht gewagt, würden einige denken, für ihn aber nicht, denn es ist die Bewegung, die Schönheit dieses Körpers, die ihn fasziniert. Malen ist nicht nur seine Leidenschaft, sondern sein Leben, sein Atem.

Viele Jahre sind vergangen, und er hat unglaublich viel dazugelernt. Im vergangenen Jahr hat er viele und ausgezeichnete Bilder gemalt, in einer Art von besonderer vertiefter Besessenheit, so als möchte er sich selbst auf die Spur gehen, weil er sich auf eine einmalige Art zum schöpferischen Arbeiten frei fühlt.

Wenige Künstler können auf diese eindrückliche Art solche Gesichter malen wie er, Augen und Mundpartien, Haare, aber auch Körper voller Zärtlichkeit, voller Vitalität, dann wieder mystisch verschlüsselt, in ein weisses Tuch gewickelt oder in ein buntes, sodass man fast nur Gesicht und Augen sieht. Immer spielt er mit Ideen, erkennt man sein Motiv in einer völlig anderen Situation.

Nicht nur vom Äusseren bestimmt

Ein Bild gleicht einer Fotografie in Schwarz-Weiss mit einer schlanken Gestalt, die den Bildraum beherrscht. Viele Motive sind auszumachen, Verhülltes und Aufgeregtes, aber auch in sich Verhaltenes, Zärtliches, so als möchte man die Geschichte der Frau tief beleuchten, ihren Körper auf eine besondere Art betonen, herausholen, ihn in Farben tauchen, ihm Bewegung geben, immer so, dass die Schönheit nachvollziehbar ist.

Diese Bilder sind wohl Anhaltspunkte zur persönlichen Auseinandersetzung mit der Frau, mit dem Frauenakt, aber vorab möchten sie einfach den Betrachter begeistern, ihm aufzeigen, wie schön ein Körper sein kann, wie wichtig es ist, dass man Sinn entwickelt für Zusammenhänge, die nicht nur vom Äusseren bestimmt werden, sondern auch von inneren, beseelten Befindlichkeiten.

Christoph R. Aerni hat in eine grosse Freiheit hineingefunden, er malt das, was er fühlt, entdeckt und liebt, und das Publikum ist ihm wohl wichtig, aber nie so wichtig, dass er seine Arbeiten erklären oder begründen möchte. (mso)

Ausstellung Sa 15., So 16. Februar, je 11 bis 17 Uhr, Atelier an der Güterstrasse 6, Egerkingen.