Ein Büsi läuft die Strasse herunter. Es will über die Strasse. Geduldig wartet es, und schaut nach links und rechts. Es überquert sicher die Strasse und verschwindet um die Ecke. Dann geht es gemütlich an einer versammelten Gruppe von Katzen vorbei, die auf dem Boden liegend die Sonne geniessen, und verschwindet durch ein Gartentor, welches Gaetano Mezzaucella gehört.

Der Katzenpapa

«Schnuggi, Schnuggi!», ertönt es aus dem Garten. Gaetano Mezzaucella steht mit einer offenen Dose Thunfisch neben dem Tisch. Er ruft seine Katze Schnuggi, in wenigen Minuten ist nämlich Essenszeit.

Schnuggi springt auf den Tisch. Kurz danach gesellen sich auch Pipa, Kika, Tigra und Giacomino dazu. «Lange Zeit waren es zwischen 10 und 20 Katzen, die bei mir im Garten ein und aus gingen», erzählt der gebürtige Italiener. Im Verlaufe der letzten 20 Jahre liefen ihm immer wieder Katzen zu, die er bei sich aufnahm. Diese waren entweder ausgesetzt oder zurückgelassen worden oder suchten einfach ein geborgenes Zuhause.

Man weiss es nicht genau. Bei Gaetano hatten sie auf jeden Fall eine liebevolle Umgebung gefunden, die sie so schnell nicht verlassen würden. Geplant war das nie. Früher reagierte der einstige Obstunternehmer sogar allergisch auf Katzen seiner Freunde. Seit er selbst Katzen hat, sei das aber nie mehr vorgekommen.

Er sorgt gut für seine Schützlinge. Jede Woche kauft er eine Kiste mit 20 Thunfisch-Dosen ein. Hinzu kommen das Trockenfutter oder der gelegentliche Fleischkäse. Mindestens 200 Franken monatlich gibt der Katzenpapa für seine Tiere aus. Für einen Rentner nicht gerade wenig Geld. «Die Besuche beim Tierarzt sind das wirklich teure», fügt Gaetano hinzu.

An einer Krankheit sei aber bisher keines seiner Tiere gestorben. «Susi, meine erste Katze, starb im Alter von 18 Jahren», erzählt er. Auch Negra und Briccola, zwei die er aus einem Wurf behielt, wurden je 13 und 19 Jahre alt. «Ich rauche nicht und ins Restaurant essen gehen wir auch nicht viel, von dem her macht es mir nichts aus, mein Geld für die Katzen auszugeben», gesteht Gaetano mit einem herzerwärmenden Lächeln. Seine Frau unterstützt ihn. Ihr sind die Katzen genauso ans Herz gewachsen.

Das idyllische Zuhause

Gaetanos Garten verwandelte sich kurz nach seinem Einzug in ein Zuhause für viele Katzen. Früher wohnte er in Schönenwerd. Bereits da kümmerte er sich liebevoll um ihm zugelaufene Büsi. Die Mezzaucellas bewohnten nie eine Blockwohnung, sondern immer ein Haus mit Garten. Nach Niedergösgen nahm er seine Katzen, für die er in Schönenwerd gesorgt hatte, natürlich mit. «Es wurden aber mehr», erzählt Gaetano, «ich veröffentlichte Inserate in der «Coop-Zeitung» und es meldeten sich ganz viele.»

Er verschenkte die Katzen und hoffte auf eine neue, nette Familie für sie. «Aus der ganzen Schweiz holten sie früher meine Katzen ab: Aus dem Tessin, aus Luzern, Neuchâtel etc.» Vor allem für den Nachwuchs fand er schnell eine neue Bleibe. Leider kamen einige seiner scheuen, älteren Tiere auch an Orte, wo sofortiges Vertrauen verlangt wurde, was dazu führte, dass man die Tiere zurückbrachte.

Was man liebt, lässt man frei

Die Tiere bewegen sich frei. Sie springen über den Gartenzaun und gehen ihres Weges. Sie toben auf dem Rasen herum, geniessen die Sonne vorne auf dem Platz vor der Garage oder ziehen sich in ihre Nischen zurück. Gaetano hat einen Hasenstall und ein paar Kisten so umgebaut, dass sich seine Schützlinge darin zurückziehen können. Trockenfutter und Wasser sind stets vorhanden.

Ohne ihn hätten alle diese Katzen vielleicht nie ein Zuhause gefunden. «Die Katzen sind immer draussen, nie drinnen. Aber sie kommen immer wieder zurück», strahlt der Katzenpapa. So ist es halt. Lasse frei, was du liebst.