Normalerweise bringen jedes Jahr über 100 Kunden ihre Kirschen zur mobilen Schnapsbrennerei von Priska Schmid, um daraus einen feinen Kirsch brennen zu lassen. «Dieses Jahr hatte ich bis jetzt nur eine Handvoll Kunden mit Kirschen», sagt Priska Schmid, die seit Anfang dieser Woche Station auf dem Bauernhof der Familie Nussbaumer in Matzendorf macht.

Zurückzuführen sei das wohl auf den nasskalten Frühling und den aussergewöhnlich heissen und trockenen Sommer. Auch beim Kernobst wie Äpfel und Birnen sehe es nach etwas geringeren Erträgen aus. Spüren wird das die Schnapsbrennerin allerdings erst im kommenden Jahr, weil die von Kunden gelieferten Früchte in der Regel aus dem Vorjahr stammen.

Auf dem Bauernhof der Familie Nussbaumer wird Priska Schmid ihre Schnapsbrennerei etwa drei Wochen betreiben und dabei vor allem aus Äpfeln und Birnen hochprozentige Destillate herstellen. Wichtigstes Kriterium für die Qualität der gebrannten Wasser ist die Maische. Dabei handelt es sich um zerkleinertes, zerquetschtes oder zerstampftes Obst, welches in einem Fass während mindestens dreier Monate vergärt wurde. Priska Schmid erkennt mit der Nase, ob eine Maische eine gute Konsistenz hat. Wenn sie nach Essig riecht, ist während des Gärprozesses etwas falsch gelaufen oder unsaubere Früchte sind ins Fass gelangt. In einem solchen Fall sei die Maische unbrauchbar.

Vor 10 Jahren spontan angefangen

Zu ihrer fahrbaren Schnapsbrennerei kam Priska Schmid eher zufällig, wie die 45-Jährige im Gespräch verrät. «Als ich im Jahr 2005 meinen Lebenspartner auf dem Seblenhof in Holderbank kennen lernte, bekam ich zufällig mit, dass für den verstorbenen Oberbipper Schnapsbrenner Armin Anderegg ein Nachfolger gesucht wird. Ich habe damals erwähnt, dass ich mir das durchaus vorstellen könnte.» Dass ihre Äusserung danach den Weg in den Kanton Bern zu einem Verantwortlichen der Eidgenössischen Alkoholverwaltung und zur Witwe des Schnapsbrenners gefunden habe, sei für sie heute noch überraschend. «Als ich dann offiziell angefragt wurde, ob ich die mobile Schnapsbrennerei übernehmen wolle, habe ich spontan zugesagt.»

Sie sei auf einem Bauernhof im Kanton Luzern aufgewachsen und habe sich schon als Kind für die Schnapsbrenner interessiert, wenn diese auf dem Hof gewesen seien. «Natürlich wurden wir Kinder immer wieder weggeschickt.» Ganz losgelassen hätten sie diese Eindrücke aber nie wirklich, meint Priska Schmid auf ihre Motivation angesprochen.

Ältere Kunden reagierten kritisch

Ihre inzwischen zehn Jahre zurückliegende Entscheidung hat die gelernte Köchin nie bereut. Im Gegenteil: Dank dieser Schnapsbrennerei sei sie in der Lage, ihren eigenen Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Und: «Ich mache meine Arbeit wirklich gerne und weiss heute, wie ein guter Schnaps destilliert wird.» Davon seien am Anfang nicht alle überzeugt gewesen, allen voran ältere Kunden. «Meine Arbeit und meine Produkte wurden in der Anfangszeit sehr kritisch beobachtet. Sicher auch, weil ich eine Frau bin», berichtet Schmid. Heute sei das allerdings kein Thema mehr. «Man hat sich an mich gewöhnt und schätzt meine Arbeit.»

An ihrer Tätigkeit liebe sie besonders den Kontakt mit den Leuten, auf welche sie während der von April bis Ende November dauernden Saison als Schnapsbrennerin treffe. Die Tour von Priska Schmid beginnt alljährlich in ihrem Wohnort Holderbank. Danach folgen Oensingen, die Oberaargauer Gemeinden Wolfisberg, Wangenried und Wiedlisbach sowie Matzendorf und am Schluss Kestenholz. Auch Niederbipp und Mümliswil gehören dazu. Station macht Priska Schmid jeweils auf einem Bauernhof. Ihre 43 Jahre alte Schnapsbrennerei stellt sie dort auf, wo es einen Strom- und Wasseranschluss sowie eine Jauchegrube gibt. Letztere ist nötig, um den Abfall nach dem Brennen entsorgen zu können.

Oft mit Familienanschluss

Der zwei bis drei Wochen dauernde Aufenthalt auf den Bauernhöfen ist nicht selten auch mit Familienanschluss verbunden. Sie werde oft zum Mittagessen eingeladen, bemerkt Schmid. Gute Kontakte pflegt die Schnapsbrennerin auch zu ihren Kunden, die sie meist schon sehnlichst erwarten, um ihre Maische bringen zu können. Den grössten Teil des Tages verbringt sie aber alleine bei ihrer Schnapsbrennerei.

Im Vordergrund steht dabei das Einfüllen der Maische in die zwei 150 Kilogramm fassenden Kessel, aus welchen je etwa 15 Liter Schnaps destilliert werden können. Dieser Prozess dauert zwei bis drei Stunden. In dieser Zeit überwacht Priska Schmid die Temperatur der mit Dampf beheizten Kessel und legt wenn nötig Holz nach. Die Tagesproduktion beläuft sich jeweils auf etwa 800 Kilogramm Maische, je nach Grösse der Aufträge.

Mit dabei ist auch immer ein Radiogerät, auf dem die Schnapsbrennerin gerne bodenständige Volksmusik hört. Oder sie ist in Gedanken bei der Kreation eines neuen Edelbrandes. Einige ihrer Spezialitäten haben es bereits auf die Karte renommierter Gasthäuser in der Region geschafft. Sehr zu Freude von Priska Schmid, die sich darin als leidenschaftliche Schnapsbrennerin bestätigt sieht.

Kälte markiert Saisonende

Dieser Leidenschaft wird die Holderbanker Schnapsbrennerin noch bis Ende November nachgehen. Danach ist für dieses Jahr Schluss. «In dieser Jahreszeit ist es mir einfach zu kalt und ich möchte nicht, dass meine Maschine Frostschäden hat», sagt Priska Schmid dazu. Langweilig werde es ihr deswegen aber nicht. Zum 10-Jahr-Jubiläum als Schnapsbrennerin komme dieses Jahr auch noch die fünfte Auflage des Weihnachtsmarktes vom 19. Dezember mit zwölf Ausstellern auf dem Seblenhof in Holderbank. Die Vorbereitungen dafür seien bereits angelaufen.