Neuendorf
Schmuckes Geheimnis um die neue Uniform wurde klangvoll gelüftet

Die Musikgesellschaft Frohsinn von Neuendorf stellte an ihrem Winterkonzert die neue Uniform vor.

Edgar Straumann
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Schlicht und einfach, aber schmuck: Die Musikgesellschaft Frohsinn präsentierte am Winterkonzert ihre neue Uniform.

Schlicht und einfach, aber schmuck: Die Musikgesellschaft Frohsinn präsentierte am Winterkonzert ihre neue Uniform.

Remo Fröhlicher

Der Titel des Konzertprogramms «Catwalk» liess unschwer erahnen, dass am diesjährigen Winterkonzert der Musikgesellschaft Frohsinn in der Dorfhalle in Neuendorf mehr als «nur» Musik geboten würde. Der Untertitel «... und Modeschau» lieferte bereits nähere Hinweise, erst recht der aufgebaute Laufsteg in der Halle, der als Höhepunkt seiner Funktion die Präsentation vorerst der alten und dann der neuen Uniform erlebte.

Soundcheck mit der Jugendmusik Härkingen-Neuendorf war zur Eröffnung des Programms angesagt. Unter der Leitung von Andreas Moser gelang der stattlichen Formation mit «Zenobia the Warrior Queen» ein höchst bemerkenswerter Einstieg. «The Lord of the Dance» von Ronan Hardimann stellt an eine junge Formation schon recht grosse Anforderungen.

Diese wurden mit einer erstaunlichen Sicherheit gemeistert und vom zahlreich erschienenen Publikum mit verdientem Applaus honoriert. Es folgte «Sing, Sing, Sing», ein Arrangement nach der Musik von Louis Prima, und zum Schluss «Soulman», ebenfalls ein Arrangement nach Hayes/Porter. Der Applaus verlangte nach Zugabe und diese wurde dem Publikum auch nicht vorenthalten.

Uniformgeschichte im Zeitraffer

Für die Moderation war diesmal ein Duo zuständig. Einerseits Simon Eberhard mit seinem gewohnt lockeren Auftreten, assistiert von Gian Trionfini in der Rolle des Designers. Präsident Daniel Heim betonte bei seiner Begrüssung, dass von der «Frohsinn» diesmal ein spezielles Konzert vorbereitet wurde. Speziell deshalb, weil von der bisherigen, 20-jährigen Uniform Abschied genommen werde.

Er gab denn auch bereits interessante Informationen in Bezug auf die bisherigen Uniformen preis. So bekam der Verein 1907 die erste Uniform. Der Gesamtpreis betrug damals 650 Franken. Erst 1940 konnte man sich ein neue leisten; 120 Franken kostete die Einkleidung eines Musikanten. 17 Jahre später musste man für 35 Uniformen bereits 12 000 Franken aufwenden. Die Kosten stiegen stetig. Für die Neuuniformierung 1975 wurden 33 000 Franken ausgegeben und für die nun zu verabschiedende Uniform waren 1994 61 000 Franken notwendig. Was für die bei der Firma Schuler Uniformen AG in Rothenthurm getätigte Neuanschaffung nun ausgegeben werden musste, wurde einzig mit «wertvoll» beziffert.

Mit der Festkomposition «A Salute from Lucerne», für das eidgenössische Musikfest 2006 von Christoph Walter komponiert, startete die «Frohsinn» ihr Konzertprogramm. Erstmals stand der gebürtige und heute in Basel wohnhafte Ukrainer Sergei Yemelyanenkov am Dirigentenpult. Seit April ist er musikalischer Leiter und wird mit seinem neuen Verein als nächste Herausforderung am bevorstehenden kantonalen Musikfest in Kriegstetten teilnehmen.

«Mein kleiner grüner Kaktus» wurde erstmals durch das Berliner Gesangssextett «Comedian Harmonists» bekannt und fand durch Max Raabes Palast Orchester eine Renaissance. Auch in Neuendorf erlebte man in Manfred Schneiders Bearbeitung eine Wiedergeburt und dies erst noch stilgerecht. Der Wiener Musiker Anton Karas komponierte 1949 für den britischen Film «Der dritte Mann» die Begleitmusik. Beim Vortrag durch die Neuendörfer Musikantinnen und Musikanten wurden bei den bestandenen Besuchern wohl manche Erinnerung wach, sicherlich auch bei der «Pony-Polka» von Horst Schelcke. Johan de May hat sich Ennio Morricones Klassikern wie «Zwei glorreiche Halunken» oder «Spiel mir das Lied vom Tod» angenommen und ein Arrangement für Blasmusik geschaffen. Auch ohne bewegte Bilder erlebte die Zuhörerschaft eine filmreife Darbietung.

Noch in der alten Uniform eingekleidet konnte Präsident Daniel Heim Myriam von Arx und Daniela Marbeth für 20-jährige Vereinszugehörigkeit, Jeannette Heim für die Ernennung zur kantonalen Veteranin und Stephan Wirz zum eidgenössischen Veteranen ehren. Zum Abschluss des ersten Konzertteils gelangte die «Alvamar Overture» vom US Amerikaner James Barnes zur Aufführung. Eine sehr gute Möglichkeit, nochmals eine Kostprobe des Könnens abzuliefern.

Neue Uniform: schlicht, einfach

Nach der Pause erlebte die Spannung ihren Höhepunkt. Wie wird sich die Neuendörfer Musikgesellschaft Frohsinn in den nächsten Jahren in der Öffentlichkeit präsentieren? Neu eingekleidet, vorerst noch in Nebel gehüllt, marschierten die Musikantinnen und Musikanten mit berechtigtem Stolz auf. Die neue Uniform darf als schlicht und einfach bezeichnet und wie folgt beschrieben werden: dunkelblauer Veston mit spezieller Stoffstruktur, schwarze Hose mit Satinstreifen, weisses Hemd mit bunter, in hellblau gehaltener Krawatte und eine traditionelle Mütze als Kopfbedeckung.

Als wäre das Orchester in diesem neuen Outfit jetzt erst recht motiviert, wurde der zweite Konzertteil mit dem Instrumentalstück «Axel F» zum Soundtrack aus dem Film «Beverly Hills Cop» eröffnet. Die Hauptfigur in diesem Film, Axel Foley, gespielt von Eddie Murphy, lieferte die Inspiration zum Musiktitel, einem Arrangement von Frank Bernaerts. Weiter ging es mit «Double Dutch» von Dizzi Stratford, ein Pseudonym von Jacob de Haan. Der Vortrag war eines der musikalischen Highlights. Freddy Mercury komponierte 1975 für seine britische Rockgruppe Queen das Stück «Bohemian Rhapsody». Philip Sparke wagte sich an ein Arrangement für Blasmusik, welches dermassen rockig und dennoch gefühlvoll gespielt wurde, dass die Neuendörfer nach dieser Programmnummer Zugaben verlangten. Diese wurden dem Publikum gerne geboten, wollte man sich doch nochmals für die grosszügige Unterstützung bei der Geldbeschaffung für die insgesamt sechste Uniform bedanken.