Niederbuchsiten
Schlichten – auch jenseits des Justizapparats

Der Rechtsanwalt David Sassan Müller ist ab Mitte 2017 der neue Friedensrichter im Friedensrichterkreis Gäu. Wir haben mit ihm über sein neues Amt gesprochen.

Isabel Hempen
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Rechtsanwalt David Sassan Müller wird neu Friedensrichter in Niederbuchsiten, Härkingen, Egerkingen und Neuendorf. Bruno Kissling

Rechtsanwalt David Sassan Müller wird neu Friedensrichter in Niederbuchsiten, Härkingen, Egerkingen und Neuendorf. Bruno Kissling

Bruno Kissling

Sein Name fällt auf, und das ist David Sassan Müller recht. Denn «David Müller», das weiss er, «gits no mänge». Der 34-jährige Niederbuchsiter, der sich vergangenen Sommer zum Friedensrichter für den Friedensrichterkreis Gäu wählen liess, nennt seinen zweiten Vornamen immer mit. Diesen verdankt er seiner iranisch-amerikanischen Mutter.

Auch sonst ist seine Familie international: Sein Vater hat italienische, französische, Schweizer Wurzeln; er selbst besitzt die Schweizerische und die italienische Staatsbürgerschaft. Seine Frau, ein Jahr jünger als er, ist Südkoreanerin. Mit ihr hat er einen 17 Monate alten Sohn.

Man kennt ihn im Dorf

Mitte 2017 wird David Sassan Müller das Friedensrichteramt für den Friedensrichterkreis Gäu, sprich Egerkingen, Neuendorf, Härkingen und Niederbuchsiten, von Silvan von Arx für die Amtsperiode 2017 bis 2021 übernehmen. Eigentlich habe er das gar nicht auf dem Radar gehabt, sagt Müller, der als Rechtsanwalt bei der Aargauischen Industrie- und Handelskammer in Aarau arbeitet. Vergangenen Frühling kontaktierte ihn die Gemeinde Niederbuchsiten, weil Silvan von Arx altershalber abtritt.

Wieso gerade ihn? «Wohl weil ich Jurist bin und weil man mich kennt im Dorf», mutmasst Müller, der in Niederbuchsiten aufgewachsen ist. Elvira Biedermann, Gemeindeschreiberin von Egerkingen, die das Mandat des Friedensrichters im Gäu betreut, bestätigt: Für die Wahl entscheidend gewesen seien die optimalen Voraussetzungen, die Müller aufgrund seines beruflichen Werdegangs mitbringe.

Dazu zählt wohl auch sein friedensfördernder Einsatz in Südkorea, den er mit der Schweizer Armee 2010/2011 absolvierte. Als Sekretär der Kommission brachte er sein diplomatisches Geschick zum Einsatz, schlichtete, blieb neutral. «Diese Erfahrung hat mir auch als Jurist viel gebracht», ist er überzeugt. In Korea lernte er ausserdem seine Frau kennen.

Auch politisch aktiv

Müller ist Major der Schweizer Armee. Er trainierte jahrelang Judo, trägt den schwarzen Gürtel. Ausserdem ist er Mitglied im Schützenverein Oberbuchsiten. Auffallend martialische Betätigungen für einen designierten Friedensrichter, nicht? «Martialisch?» Müller lacht. «So habe ich das nie wahrgenommen.» Er sei nie ein guter Schütze gewesen, und am Judo habe ihn immer die Philosophie fasziniert.

Was reizt ihn nun am Amt des Friedensrichters? Dass er schlichten könne, ohne dass der ganze Justizapparat in Gang gesetzt werden müsse, erklärt er. Er möchte einen Beitrag leisten, dass nicht unnötig Kosten verursacht werden. Und er freue sich auf interessante Fälle, wo er die Leute zu einer Einigung bewegen könne. «Ich hoffe, gute Lösungen herbeiführen und Urteilsvorschläge machen zu können», fügt er an. Erst einmal werde er sich aber einarbeiten müssen. Von seinem Vorgänger erhofft er sich wertvolle Inputs.

Müller ist auch politisch kein gänzlich unbeschriebenes Blatt. Im Juli 2016 trat er der SVP bei, «nach dem Ausschlussprinzip», wie er sagt. Die SVP sei für ihn als einzige Partei infrage gekommen. Sogleich liess er sich auch als Kantonsratskandidaten aufstellen. Er rechne sich allerdings keine reellen Chancen aus. Der Auslöser zum Parteieintritt, gibt er an, sei die «unsachliche Diskussion zur Durchsetzungsinitiative» gewesen.

Diese habe zwar durchaus juristische Mängel aufgewiesen. Das «Tüpfelchen auf dem i» sei für ihn aber das Hakenkreuz-Plakat im Zürcher Hauptbahnhof gewesen. Ihn dünkte schlimm, dass das Nazi-Regime derart verharmlost werde. Er erstattete Anzeige wegen Rassendiskriminierung und Verletzung des Wappenschutzgesetzes.

Dass sich auch die SVP dabei plakativ in Szene setze, gesteht er ein. «Ich bin auch nicht einverstanden mit allen Plakaten», sagt er. Aber er sei wohl noch zu wenig lange in der Partei.