Am Ufer des Räberbächlis oberhalb von Matzendorf stapeln sich dicke Weidenäste. Es ist kühl, ab und zu fallen ein paar Regentropfen vom Himmel. Wir tragen Wanderschuhe oder Gummistiefel und warme Jacken. Einige haben auch Mützen und dicke Handschuhe dabei. Die Schuhe versinken leicht im weichen Boden, als wir Michael Roth von der Umweltschutzkommission Matzendorf zu dem grossen Asthaufen folgen. Bald kleben dicke Erdklumpen und unseren Füssen.

Wir, das sind 16 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus jeder Altersklasse, die sich dazu entschlossen haben, am Tag der Natur in Matzendorf am Samstagnachmittag mitzuhelfen. Der Tag der Natur findet im Thal schon seit Jahren statt. Er gibt Bürogummis wie mir einmal die Gelegenheit, in der Natur anzupacken. Ursprünglich entstand der Tag der Natur aus der Initiative von Privatpersonen, die sich gerne für den Umweltschutz und die Natur einsetzen wollten. Mittlerweile sind die Gemeinden für die Umsetzung zuständig. Sie entscheiden, welche Arbeiten von den Freiwilligen erledigt werden sollen.

Auch Maschinen kamen zum Einsatz.

Auch Maschinen kamen zum Einsatz.

Wasserfluss behindert

Michel Roth von der Umweltschutzkommission Matzendorf erklärt uns schliesslich die Aufgabe des Nachmittags: Wir sollen die Weidenäste an die Strasse tragen, damit sie später abgeholt werden können. Hintergrund des Auftrags ist, dass der Uferabschnitt des Räberbächlis völlig überwuchert war. «Das Wasser konnte nicht mehr richtig fliessen», erklärt Michael Roth von der Umweltschutzkommission. «Das Holz war so dicht gewachsen, dass nicht mal mehr die Tiere einen Weg zum Wasser finden konnten.»

Zeit also, dem Treiben ein Ende zu setzen. Am Morgen wurden die Bäume gefällt, wir sollen jetzt den Rest erledigen. Die Äste werden zu einem späteren Zeitpunkt dann in kleinere Stücke geschnitten und an verschiedenen Orten im Thal zu Holzhaufen aufgeschichtet. Damit wird ein Projekt von der Stiftung Wieselnetz und dem Naturpark Thal unterstützt, das zum Ziel hat, die Wieselpopulation im Thal zu fördern.

Weniger Helfer als früher

Die meisten der Freiwilligen in Matzendorf waren schon am Vormittag in Aedermanndorf im Einsatz. Auch dort fand am Samstag der Tag der Natur statt. Dass wieder die gleiche Gruppe anpackt, ist sich Michel Roth gewohnt. «Wir sehen eigentlich immer dieselben Gesichter», bedauert er. In Matzendorf helfen etwa häufig Mitglieder des Naturschutz- Vogelschutz- und Pilzvereins (nvpm) mit.

Roth selber packt schon seit Jahren am Tag der Natur an, schon vor seiner Zeit in der Umweltschutzkommission. «Früher waren wir deutlich mehr Freiwillige», erinnert er sich. Erklären kann er sich den Rückgang nicht. «Vielleicht liegt das einfach an der heutigen Zeit. Es gibt so viel, was die Leute am Wochenende unternehmen können.» Dabei ist Roth überzeugt: «Es tut gut, in der Natur zu arbeiten. Wir alle nutzen sie, also sollten wir ihre etwas zurückgeben.»

So zerren wir also die Äste vom grossen Stapel am Ufer und schleppen sie in Richtung Strasse. Schwer sind sie nicht, aber unhandlich. Die feinen Äste verhaken sich ineinander, nur mit viel reissen lassen sie sich auf dem Stapel lösen. Die erfahrenen Helfer unterstützen uns Neulinge gerne. Mehr als einmal sind wir froh, wenn sie und einen Ast aus dem Gewirr entfernen. Trotz des kalten Windes wird uns warm. Neben mir ist auch Corinne Eggenschwiler zum ersten Mal am Tag der Natur dabei. Sie ist mit ihren beiden Kindern gekommen. «Es ist anstrengend, aber es gefällt mit», strahlt sie, und rückt ihre Wollmütze zurecht. «Wir sind auch sonst oft in der Natur unterwegs, und wir setzen uns gerne für die Umwelt ein», sagt sie. «Mein Sohn sagt mir jetzt schon, dass er einmal gerne ein Umweltschützer werden will». Vom unfreundlichen Wetter liessen sich die drei nicht abschrecken. «Wenn man immer eine Ausrede hat, dann macht man ja nie was», sagt Eggenschwiler.

Zvieri als Belohnung

Nach rund zwei Stunden ist das Asthaufen am Ufer des Räberbächlis verschwunden und unsere Jacken dreckig. Zur Belohnung geht es zurück in den Werkhof, wo ein Zvieri auf die freiwilligen Teilnehmerinnen und Teilnehmer wartet. Für sie heisst es jetzt, Kräfte zu sammeln. Der nächste Tag der Natur findet bereits wieder am 16. März in Herbetswil statt.