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Schlechter Bestand an Bachforellen in der Dünnern – so wollen die Fischer helfen

In der Dünnern ist der Fischbestand momentan gering. Das hat verschiedene Gründe und unterschiedlich sind auch die Lösungsansätze.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Um den Fischbestand in der Dünnern steht es derzeit schlecht. Der monotone Flusslauf, wie hier in Oberbuchsiten, ist einer der Gründe.

Um den Fischbestand in der Dünnern steht es derzeit schlecht. Der monotone Flusslauf, wie hier in Oberbuchsiten, ist einer der Gründe.

Patrick Lüthy

In der Dünnern sind zwei Fischarten häufig verbreitet: Die Bachforelle und die Groppe. Im Bereich Wangen bei Olten wurden nach der Revitalisierung auch Einzelfunde von Elritzen, Alet und nicht einheimischen Sonnenbarschen registriert. Bis 2016 wurden in der Dünnern bis zu 5000 Bachforellen-Sömmerlinge ausgesetzt. Das bestätigt der zuständige Biologe des Kantons Solothurn, Gabriel van der Veer. Die Forellen stammten aus der Fischzucht des Fischereivereins Olten. Sie wurden dann als Brütlinge im Mittelgäubach ausgesetzt. Im Herbst wurden dann die herangewachsenen Forellensömmerlinge elektrisch abgefischt und in die Dünnern umgesiedelt.

Seit 2017 läuft aber ein Besatzmoratorium bis zum Jahr 2022. Somit werden in der Dünnern derzeit keine Fische mehr ausgesetzt. Gabriel van der Veer sagt, dass bereits heute nachweislich eine natürliche Reproduktion der Bachforelle in der Dünnern stattfinde. «Etliche Studien konnten aufzeigen, dass Besatzfische, also gezüchtete Fische durch die natürliche Selektion aus dem Gewässersystem verschwinden. Das heisst sie werden gefressen oder verdrängt von den im Gewässer heimischen Fischen.» Blickt man in die Fangstatistik, ist der Bestandesrückgang tatsächlich signifikant. 2009 fingen die Fischer in der Dünnern noch 888 Bachforellen. Im Jahr darauf waren es gar 1111 Fische. Doch im vergangenen 2019 konnten noch 469 dieser Art gezählt werden.

Verschiedene Faktoren sind verantwortlich

Heute sei der Fischbestand in der Dünnern tatsächlich schlecht, bestätigt van der Veer. Doch mittels der jetzt geplanten Revitalisierungsmassnahmen in Herbetswil und zwischen Oensingen und Wangen b. Olten sei man überzeugt, dass sich dies über Jahre ändern würde. Und er gibt zu bedenken: «Es gibt noch weitere Faktoren, die verantwortlich dafür sind, dass das Fischvorkommen heute gering ist: Die trockenen und heissen Sommer und fehlenden Unterschlupfmöglichkeiten für die verschiedenen Fischarten und anderen Lebewesen, die den Fischen gefährlich werden, sind ebenfalls Gründe.»

Die Fischer entlang der Dünnern sind demnach heute nicht so sehr am Angeln, sondern viel mehr daran, Lebensraumaufwertungen an der Dünnern voranzutreiben. Dazu hat der Schweizerische Fischereiverband (SFV) ein Praxishandbuch ausgearbeitet, in welchem aufgezeigt wird, wie mit einfachen und kostengünstigen Massnahmen solche Aufwertungen vorgenommen werden können. Diese werden nun, unter Leitung des Soloth. Kantonalen Fischereiverbandes, durch dessen Mitglieder in den Solothurner Gewässern umgesetzt.

In diesem Handbuch ist auch der Verlauf der Dünnern erwähnt. Neben dem geringen Bestand in der Dünnern existieren auch für die Fische, die von der Aare her einwandern möchten, insbesondere in Olten hohe Wanderhindernisse und Verbauungen, wird dort analysiert. Dazu sagt Christian Dietiker, Präsident des Solothurnischen Fischereiverbandes: «Es ist ein Gebot der Stunde, dass wir Fischer aktiv zum Erhalt des Lebensraumes der Fische beitragen.» Um die Aufwertungsarbeiten durch die Fischer im Kanton Solothurn voranzutreiben, sei 2018 mit dem Kurs «Fischer schaffen Lebensraum» in der Dünnern ein Pionierprojekt für die ganze Schweiz gestartet. Bis Ende 2020 werden rund zwei Kilometer Bach- und Flussläufe aufgewertet sein, wovon rund 650 Meter in der Dünnern. Eine zweite Etappe der Revitalisierung der Dünnern, unter Einbezug des Zivilschutzes, auf Gemeindegebiet von Rickenbach werde noch diesen Herbst an die Hand genommen.

2018 begannen die Fischer mit Revitalisierungen.

2018 begannen die Fischer mit Revitalisierungen.

Bruno Kissling

Zum Thema Besatz von Forellen in die Dünnern ist Dietiker nicht ganz der gleichen Meinung wie Gabriel van der Veer. «Ich bin überzeugt, dass es beides braucht: eine natürliche Reproduktion der Forellen, aber auch einen gewissen Anteil von genetisch richtigem Stützbesatz. Allerdings von jungen Fischen, die mindestens 12 bis 18 cm lang sind und die sich somit besser gegen natürliche Feinde tarnen können.» So hoffe er, dass das Moratorium nicht mehr verlängert werde. «Doch all diese Besatzmassnahmen werden nicht den erhofften Erfolg bringen, wenn für die jungen Forellen die nötigen Strukturen im Gewässer fehlen», fügt er bei.

Am meisten Sorgen machen Dietiker aber derzeit die Wassertemperaturen in der Dünnern. «Es ist schon extrem derzeit, fast 28 Grad müssen die Fische aushalten. Noch sind sie lebendig.»

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