Brand Migros Neuendorf
Schlauch mit Baukran aufs Dach gehievt: War die Leiter zu kurz?

Der Brand auf dem Neubau der Migros Neuendorf am Montagabend ging glimpflich aus. Doch eines fiel auf: Es war keine Leiter im Einsatz, und die Feuerwehrleute gelangten über das Baugerüst aufs Dach. War etwa die Leiter schlicht zu kurz?

Philipp Felber
Drucken
Teilen
Die Feuerwehr hatte den Brand am Montag rasch unter Kontrolle. Eine Drehleiter kam gar nicht zum Einsatz.

Die Feuerwehr hatte den Brand am Montag rasch unter Kontrolle. Eine Drehleiter kam gar nicht zum Einsatz.

Andrea Alberto Russo

Bei Schweissarbeiten auf dem Dach des Tiefkühllager-Neubaus der Migros Neuendorf gerieten am Montag kurz nach dem Mittag Bitumenplatten in Brand. Der Vorfall ging glimpflich aus, einige 1000 Franken Schaden waren die Folge des Brandes.

Ganz anders sah es beim Brand im letzten Sommer auf dem Aarepark in Olten aus – ebenfalls ausgelöst durch Bitumen –, als ein erheblicher Schaden am Neubau entstand und die Bauarbeiten um mindestens ein halbes Jahr verzögerten.

Brand bereits unter Kontrolle

Wer die Bilder der Löscharbeiten genauer betrachtet, merkt, dass keine Autodrehleiter zum Einsatz kam, und die Feuerwehrleute von Anfang an über das Aussengerüst an den Brandherd gelangten.

Ungewöhnlicher Anblick: Die Feuerwehrleute stiegen über das Aussengerüst aufs Dach
3 Bilder
Die Feuerwehr hatte den Brand am Montag rasch unter Kontrolle. Eine Drehleiter kam gar nicht zum Einsatz.

Ungewöhnlicher Anblick: Die Feuerwehrleute stiegen über das Aussengerüst aufs Dach

Andrea Alberto Russo

Warum dieser beschwerliche Aufstieg? War etwa die Leiter schlicht zu kurz, wie gerüchteweise am Montagabend zu vernehmen war? «Das stimmt so nicht», stellt Daniel Haltinner, Kommandant der Betriebsfeuerwehr Migros Neuendorf klar.

Die von der Feuerwehr Oensingen angeforderte Autodrehleiter könne bis auf eine Höhe von 30 Meter operieren. Das Gebäude jedoch ist an der höchsten Stelle nur 28 Meter hoch, der Brandplatz war noch mal zwei Meter tiefer. Doch warum kam die Leiter nicht zum Einsatz? «Es hat sie schlicht nicht gebraucht. Wir waren bei der Ankunft der Leiter bereits auf dem Dach und hatten das Feuer unter Kontrolle», sagt Haltinner. Gerade mal vier Minuten nach der Meldung sei die Betriebsfeuerwehr beim Brandherd gewesen und habe mit den Löscharbeiten begonnen.

«Ein Kranführer hatte das Feuer entdeckt und uns sofort aufgeboten», erklärt Haltinner weiter. Das Aufgebot der Autodrehleiter sei eine zusätzliche Vorsichtsmassnahme gewesen. So wie auch die Ambulanz vorsorglich nach Neuendorf gerufen worden ist. Etwas unkonventionell brachte die Feuerwehr den Löschwasserschlauch auf das Dach. Da die Drehleiter noch nicht auf Platz war, musste man sich mit dem Behelfen, was vor Ort war. So haben die Feuerwehrleute kurzerhand den Schlauch an einem Baukran befestigt und aufs Dach gehievt.

Fest installierte Löschsysteme

Der Brand vom Montag ging also glimpflich aus. Dies hauptsächlich darum, weil die Betriebsfeuerwehr sehr schnell vor Ort war und der Brand sich noch nicht ausgeweitet hatte.

Doch was passiert bei einem grösseren Vorfall im Tiefkühllagerkoloss? Wenn der Neubau abgeschlossen ist, muss die Betriebsfeuerwehr nicht auf die Autodrehleiter einer anderen Feuerwehr aus der Region warten. In jedem Stock des Gebäudes werden Leitungen gelegt, die vom Boden aus mit einem Tanklöschfahrzeug direkt unter Druck gesetzt werden können. So ist es der Feuerwehr möglich, in einem Brandfall direkt in den betroffenen Etagen die Schläuche anzuschliessen.

Momentan gehören 42 Leute der Migros-Betriebsfeuerwehr an. Diese wird in Zukunft, auch wenn jetzt ein weiteres Gebäude dazukommt, nicht verstärkt. «Es gibt Vorgaben der Gebäudeversicherung, und wir erreichen die mit der heutigen Anzahl an Leuten gut.» Zudem kann die Betriebsfeuerwehr auf die Unterstützung der umliegenden Feuerwehren zählen.

So wie auch die Migros-Betriebsfeuerwehr die umliegenden Feuerlöschtruppen unterstützt. Im Durchschnitt kommt die Betriebsfeuerwehr im Jahr so auf 25 Einsätze. «Hausintern sind es meist kleinere Dinge. Wenn zum Beispiel ein Stapler in Feuer ausbricht», sagt der Kommandant.

Aktuelle Nachrichten